Kolumne

Speerspitz: Ich entscheide, was wichtig ist

Soll ich mich nach dem richten, was mir mein Smartphone vorgibt? Redaktor Urs M. Hemm entscheidet sich klar dagegen.

Urs M. Hemm
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Urs M. Hemm

Urs M. Hemm

Bild: Katja Nideröst

Smartphones sind ja an sich eine praktische Erfindung. Über die 24-Stunden-an sieben-Tagen-Erreichbarkeit kann man zwar durchaus geteilter Meinung sein, grundsätzlich attestiere ich dem Smartphone aber ein gutes Zeugnis.

Als absoluter IT-Ignorant kann ich sogar in Ansätzen verstehen, warum mein Telefon (sagt man dazu überhaupt noch so?) von Zeit zu Zeit ein Update, also quasi eine kleine Auffrischung braucht, um allen Anforderungen – ob man sie nun nutzt oder eben auch nicht – gerecht zu werden.

Ein leicht zu merkendes fv%öklT829uVX£009$

Um dieses zu installieren, muss in der Regel gefühlte zehnmal ein Passwort eingegeben werden. Letztmals brauchte ich dieses Passwort beim letzten Update, und ich hatte es natürlich versäumt, dieses irgendwo zu notieren. Eigentlich müsste ich ohnehin eine fünf A4-Seiten lange Liste mit alten und neuen Passwörtern haben. Mindestens.

Kürzlich wurde mir wieder einmal ein solches Update angedroht. Wie die Erfahrung gezeigt hat, sind die Folgen solcher Updates oft eine kompliziertere Handhabung des Geräts und eine drastisch reduzierte Akkuleistung, weil im Hintergrund rund ein Dutzend neuer Programme läuft, die eigentlich niemand wirklich braucht. Denn alte, bereits einmal benutzte Kennwörter, werden in der Regel nicht mehr akzeptiert.

Zudem reicht heutzutage ein einprägsames Blumentopf1983 als sicheres Passwort nicht mehr. Nein, es muss etwas sich leicht zu merkendes wie fv%öklT829uVX£009$ sein, damit es vom System noch als «einigermassen sicher» anerkannt wird.

Ich verpasse nichts

Nachdem nun blumentopf1983 doch mein neues Kennwort ist (natürlich nicht) und ich wieder ungehindert mein Smartphone benutzen kann, werde ich alle zwei Minuten mit einem Ping auf Neuerungen aufmerksam gemacht, die ich bis zu meinem Tod niemals brauchen werde. Bereits jetzt nutze ich lediglich – eigentlich habe ich keine Ahnung – vielleicht zehn Prozent von den Anwendungen, die mir mein Smartphone bieten würde.

Dennoch lebe ich einigermassen glücklich und kann mich zumindest in der Smartphone-Welt nach meinem Dafürhalten ohne Einschränkungen bewegen. Und auch wenn ich vermeintlich irgendetwas verpassen sollte: Ich entscheide, was für mich wichtig ist.