Kolumne

Speerspitz: Für Freunde habe ich grad keine Zeit

Redaktorin Sabine Camedda blickt den Osterferien entgegen. Vieles hat sie auf ihrer To-Do-Liste, nur keinen Besuch von Freunden. Das hat seinen Grund aber nicht im «Social Distancing».

Sabine Camedda
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Sabine Camedda.

Sabine Camedda.

Bild: Urs Jaudas

Meine Pläne für die Osterferien sind wohl für die Katz. Anstatt durch die Welt zu gondeln und in einer Stadt vom Dom zum Kaffee und weiter zum Rathaus zu schlendern, ist Daheimbleiben angesagt. Nun denn, wenn ich dadurch meinen Beitrag zur Gesundheit der Gesellschaft leisten und dem Coronavirus entgehen kann, so mache ich das selbstverständlich.

Die unerwartete Woche süssen Nichtstuns kann ich ja anderweitig nutzen. Endlich habe ich Zeit für alles das, was ich gedanklich auf den St.Nimmerlerinstag verschoben habe. Den Kleiderkasten ausräumen? Gleich nach dem Aufstehen. Und wenn ich schon im Schlafzimmer stehe, könnte ich gleich auch die Nachttische abstauben. So habe ich am anderen Tag genügend Zeit für das Bücherregal im Arbeitszimmer. Den Frühlingsputz der Fenster nehme ich gleich mit.

Und wenn ich schon dabei bin, kann ich ja grad noch die Abflüsse reinigen und die Kaffeemaschine entkalken. Was ist übrigens mit den Kisten im Estrich, die dort seit dem Umzug stehen? Bis ich bei denen bin, muss ich mir zuerst einen Weg durch herumliegende Sachen bahnen und viel Ungebrauchtes entsorgen. Auch gut, erledigt.

Dennoch: Die Sonne lockt auf den Balkon

Natürlich bin ich nicht so fleissig, dass ich mir in den Ferien zu Hause nicht auch etwas Gemütlichkeit gönnen würde. Die Sonne lockt auf den Balkon. Mit einem Kaffee in der Hand blättere ich in Kochbüchern und suche Rezepte heraus, die mir im alltäglichen Wahnsinn viel zu aufwendig wären.

Der Zmorgezopf wird selbst gebacken und die Pastasauce schmort lange auf dem Herd. Die guten Düfte aus der Küche spornen mich bei der Hausarbeit an und sind sozusagen der Lohn für die Mühen des Tages. Natürlich begleitet mit von einem Glas Wein.

Nur eines bleibt während meiner Ferien auf der Strecke: Meine Freunde. Die bundesrätliche Empfehlung befolge ich selbstverständlich auch in dieser Hinsicht. Aber aufgeschoben ist ja nicht aufgehoben.

Irgendwann ist die Coronakrise überstanden und das «Social Distancing» Geschichte. Dann habe ich ganz viel Zeit, um Versäumtes nachzuholen und mich wieder mit meinen Freunden zu treffen. Ein schlechtes Gewissen, weil es zu Hause so viel zu tun gäbe, habe ich dann bestimmt nicht mehr. Ist ja dann alles erledigt. Oder?