Kolumne

Speerspitz: Für die Nichte bin ich gerne «tantig»

Bei einem Besuch in einem Haushalt mit Teenagern merkt Redaktorin Sabine Camedda schnell, dass sie sprachlich den Jugendlichen hinterher hinkt. Doch der Ausdruck «tantig» passt dann doch zu ihr.

Sabine Camedda
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Sabine Camedda, Redaktorin.

Sabine Camedda, Redaktorin.

Bild: Urs Jaudas

Wie schnell doch die Zeit vergeht! Gefühlt gestern waren die Kinder meiner Geschwister noch am Krabbeln und brabbelten die ersten Worte. Heute schon stehen sie am Übergang von der Primarschule in die Oberstufe. Und sind somit eine ganz besonders coole Spezies von Mensch: Teenager.

So jedenfalls kam es mir bei meinem letzten Besuch bei meiner Schwester vor. Ich – gänzlich unerfahren mit Teenagern im Jahr 2020 – staunte über deren Wissen, das sie sich in den mir unbekannten Schulfächern wie NMG, NT und WAH erarbeiten.

Sie führen Dinge aus, die ich in ihrem Alter nicht gekannt habe

Mit spielerischer Leichtigkeit und einem süffisanten «Weisch halt …» führen sie Dinge in schon fast wissenschaftlicher Manier aus, die wir in den 1980er-Jahren weder gekannt haben, geschweige denn gedurft hätten.

Wir mussten noch von Kopf rechnen und von Hand nähen, Taschenrechner und Nähmaschine waren sechs lange Schuljahre tabu. Und ehrlich gesagt, am Frühstückstisch stand mir der Sinn selten nach Erkenntnissen aus Natur und Technik – auch wenn es um die Frage ging, warum das Konfibrot immer auf die Konfi fällt.

Das Smartphone gehört zum Grundwissen

Selbstverständlich gehört auch der Umgang mit dem Handy – Entschuldigung, Smartphone natürlich – zum Grundwissen eines coolen Knapp-über-zehn-Jährigen. Theatralisch rollte meine Nichte mit den Augen, als sie eine Nachricht von ihrer Freundin oder deren Mutter las.

«Sie benutzt ja so tantige Emojis», stöhnte die junge Dame. Wie bitte? Tantig? Ich horchte auf. «Was bitte ist ein tantiges Emoji?», fragte ich ratlos und interessiert zurück. «Halt eben so …», kam es unbestimmt und auch leicht peinlich berührt zurück.

Noch habe ich einen Trumpf im Ärmel

Trotz mehreren Nachfragen und unbeholfenen Vorschlägen meinerseits: Ich weiss leider bis heute nicht, welche Emojis «tantig» sind und somit in Nachrichten an meine Nichte nicht benutzt werden sollten. Obwohl: Ein Versuch wäre es wert, denn immerhin bin ich ja ihre Tante und somit im wahrsten Sinne des Wortes «tantig». Wer, wenn nicht ich, könnte also «tantige» Emojis benutzen?

Zum Glück lernen die Kids erst so langsam die Fremdsprachen. In Englisch, Französisch und Italienisch bin ich ihnen eine Nasenlänge voraus. Noch.