Kolumne

Speerspitz: Die anderen können warten

Sein Auto in einem Parkhaus zu parkieren erfordert viel Geduld, findet Redaktor Urs M. Hemm.

Urs M. Hemm
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Urs M. Hemm

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Es fing bereits bei der Einfahrt der Parkgarage an: In der Angst, den Seitenspiegel zu beschädigen, hielt mein Vordermann so viel Abstand zum Ticketautomaten, dass der Arm nicht lange genug war, um das Ticket zu erreichen. Er hätte also die Autotüre öffnen müssen, um aussteigen zu können. Dafür war er dann aber doch wieder zu nahe am Automaten dran. Als er nach etlichen Körperverrenkungen das Ticket endlich erreichen konnte, begann die Suche nach einem freien Parkplatz. Dabei war es ihm offenbar wichtig, dass dieser auf der gleichen Ebene wie die Einfahrt, jedoch auch möglichst nahe beim Ausgang ist. Dass diese Plätze alle besetzt waren, störte ihn nicht. Er hielt mitten auf der Fahrbahn an und wartete – es wird ja sicher bald jemand kommen, der wegfährt und einen Platz frei macht. Möglicherweise wollte er einfach die spiralförmige Rampe, welche hinunter auf die anderen Decks führt, meiden? Wenn ich mir jeweils die Spuren an den Wänden ansehe, mit denen scheinbar schon zahlreiche Fahrzeuge unfreiwilligen Kontakt hatten, war seine Angst bei seinem Verhalten vielleicht berechtigt?

Auch beim Bezahlen war meine Geduld gefragt. Es ist kaum zu glauben, wie viel Münz manche Menschen in ihrem Portemonnaie haben. Die Kasse im Parkhaus ist aber nicht unbedingt der richtige Ort, um all sein Kleingeld loszuwerden. Insbesondere dann, wenn fünf andere hinter einem an der Kasse warten. Aber die betroffene Person schien nicht zu merken, dass die Schlange hinter ihr immer länger und länger wurde. Auch ein Betrag von 9.50 Franken ist irgendwann einmal mit 10- und 20-Rappen-Stücken beglichen.

Besser war nur noch der Fahrer, der dann vor mir an der Ausfahrt stand und bemerkte, dass er überhaupt vergessen hatte zu bezahlen. Er rannte mit einigen entschuldigenden Worte an der wartenden Schlange vorbei zur Kasse. Nach einer gefühlten Ewigkeit– wahrscheinliche hatte er nur Kleingeld im Portemonnaie – kam er zurück und fuhr endlich davon.

Wenn ich wieder einmal in ein Parkhaus muss, werde ich künftig sehr viel Zeit und Geduld mitbringen. Verständnis jedoch nicht. Denn das fehlt mir in solchen Situationen gänzlich.