Kolumne

Speerspitz: «... das wird schon wieder» – Der schwere Gang zum Arzt

Als ob ein Arztbesuch nicht schon belastend genug wäre, führt der Gang zum Mediziner immer durch das Wartezimmer, der Brutstätte für allerlei Krankheiten.  

Urs M. Hemm
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Urs M. Hemm

Urs M. Hemm 

(Bild: PD)

Ein Arztbesuch ist für den Betroffenen nie etwas Erfreuliches. Denn normalerweise geht man dorthin, weil man bei irgendwelchen Gebrechen oder Krankheiten behandelt, im besten Fall davon geheilt werden will. Ich zögere einen Besuch beim Arzt immer, so lange es geht, hinaus. Zum einen, weil ich denke, «das wird schon wieder». Zum anderen, weil es für mich kaum etwas Schlimmeres als ein Wartezimmer gibt. «Nehmen sie doch noch einen Moment im Wartezimmer platz, der Doktor kommt gleich», lautet der immer gleiche Satz, der mir jeweils einen Schauder über den Rücken jagt. Denn schon bei geschlossener Tür höre ich das Niesen und Husten und spüre die Bazillen über meine Haut krabbeln und gierig in meinen Körper eindringen.

Vielleicht bin ich ja paranoid. Ich kann mir aber kaum vorstellen, dass es gut ist, sich auf engstem Raum mit lauter kranken Menschen zu umgeben. Dann kommen mir immer wieder die kleinen grünen Hustenmonster aus der Werbung in den Sinn, die mit ihrem Dreizack in ihren grossen Händen in den Bronchien wüten und einen riesen Spass dabei haben. Waren es «nur» meine Gelenkschmerzen, die mich hierher geführt haben, gehe ich bestimmt – nachdem ich 20 Minuten in diesem Raum habe verbringen müssen–mit vielen anderen, neuen Krankheiten wieder nach Hause, von denen ich vielleicht nicht einmal gewusst habe, dass es sie überhaupt gibt.

Den an Grippe oder sonst fiesen Krankheiten leidenden Menschen will ich in keiner Weise einen Vorwurf machen. Sie haben sich ihr Schicksal bestimmt nicht ausgewählt und ein Arztbesuch ist sicherlich oft unumgänglich und auch ratsam. Auch den Ärzten kann hierbei nichts vorgehalten werden. Denn alleine schon aus Platzgründen wäre es unmöglich, jeden Patienten in separierte kleine Wartezellen zu stecken, obwohl mir diese Idee eigentlich sehr sympathisch wäre.

Ich aber habe mir angewöhnt, genau pünktlich auf den vereinbarten Termin in der Praxis zu erscheinen, um möglichst gar nicht ins Wartezimmer zu müssen und nach dem Besuch meine Hände gründlich mit Desinfektionsmittel zu reinigen. Meistens jedoch gehe ich gar nicht hin und sage mir, «das wird schon wieder».