Kolumne
Speerspitz: «Bist du’s wirklich?»

Redaktor Martin Knoepfel wundert sich, wie sich einige Menschen verändern, wenn er sie lange nicht mehr sieht. Doch andere Sachen bleiben gleich.

Martin Knoepfel
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Redaktor Martin Knoepfel

Redaktor Martin Knoepfel

Bild: Urs Bucher

Es ist eine Binsenwahrheit, aber man muss es doch von Zeit zu Zeit wieder sagen. Wenn Veränderungen in kleinen Schritten und über einen längeren Zeitraum geschehen, nimmt man sie fast nicht wahr.

Man kann das vor dem Spiegel im Badezimmer selber feststellen. Da fällt einem nicht auf, dass die grauen Haare allmählich zahlreicher werden oder allmählich einer Glatze weichen. Auch die Hängebacken und das Doppelkinn pirschen sich Schritt für Schritt unmerklich an. Nicht weiter reden wollen wir von all den über- flüssigen Pfunden, die sich ebenso verräterisch wie prominent auf der Hüfte platziert haben.

Wenn man dann einen alten Bekannten wieder trifft und der einem fast nicht mehr kennt, kommt der Moment der Wahrheit. Bist du’s wirklich? So lautet die nicht unbedingt schmeichelhafte Frage, die aber wohl meist mehr der Überraschung als der Bosheit geschuldet ist.

... oder die Kollegen mit banalen Fragen nerven

Ähnlich geht es demjenigen, der einige Monate nicht am Arbeitsplatz auftaucht. Unzählige Abläufe, die einem scheinbar in Fleisch und Blut übergegangen waren, sind offenbar aus dem Fleisch und dem Blut wieder verschwunden, so sie denn je dort waren. Da muss man nachdenken, wie dieses und jenes lief – oder die Kollegen mit banalen Fragen nerven. Die Stunde der Wahrheit kommt spätestens in dem Moment, da man sich an die vielen Passwörter erinnern sollte, die man natürlich nicht aufgeschrieben hat.

Verändert hat sich in den vergangenen Monaten aber auch Wattwil. Zum Beispiel beim Bahnhof, wo die Überbauung am Südteil des Bahnhofs erkennbar grosse Fortschritte gemacht hat. Natürlich ist vieles unverändert. Das ist aber nur zum Teil tröstlich. So ist die Unordnung am Arbeitsplatz nicht verschwunden, sodass nichts anderes übrig bleibt als sie selber aufzuräumen.

Unverändert ist erfreulicherweise die Aussicht. Einmal den Kopf um 90 Grad nach rechts drehen und die Churfirsten grüssen durch die grossen Fenster des Grossraumbüros. Saisongerecht tun sie das in Weiss, wobei die Aussentemperaturen allerdings den Wintertraum rasch wieder zerstören. Doch das ist eine andere Geschichte.