Kolumne
Speerspitz: Die Kunst, geduldig zu sein

Das Anpflanzen stellt Gartenliebhaber oft vor Probleme. Die kalte Sophie und ihre Kollegen machen Redaktor Urs M. Hemm einen Strich durch die Rechnung.

Urs M. Hemm
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Vereiste Pflanzen machen selten Freude.

Vereiste Pflanzen machen selten Freude.

Bild: Reto Martin

Es ist ein Fluch. An einem Tag scheint die Sonne und es herrschen sommerliche Temperaturen von bis zu 25 Grad. Am nächsten Tag fällt das Thermometer wiederum auf minus drei Grad und die Landschaft ist wie im tiefsten Winter schneebedeckt. Nicht nur, dass ich persönlich – wie an dieser Stelle bereits beschrieben – sonniges Wetter bevorzuge. Seit unserem Umzug in ein Häuschen mit Garten hat mein Interesse am warmen Wetter auch ganz praktische Gründe, nämlich den richtigen Zeitpunkt für das Pflanzen von Gemüse und Kräutern genau zu treffen.

Zurzeit sieht unser Garten wie ein schlecht gepflegter Acker aus und es fällt schwer, nicht das eine oder andere Gewächs zu pflanzen, um dem Garten endlich Leben einzuhauchen. Zu diesem Drang, endlich im Garten loslegen zu können, tragen auch nicht unerheblich die Gartencenter bei, welche eine schier unendliche Fülle von farbenfrohen Blumen, Sträuchern und Kräutern anbieten, die nur danach schreien, endlich frische Erde an ihre Wurzeln zu bekommen.

Diese Pflanzen sehen ja auch toll aus, wurden viele von ihnen doch irgendwo in Spanien bei frühlingshaftem Wetter gezogen oder dann in einem skandinavischen Gewächshaus bei 25 Grad und 80 Prozent Luftfeuchtigkeit zur prachtvollen Blüte getrimmt.

Die Eisheiligen bestimmen den Zeitpunkt

Auch einige dieser Pflanzen sind hart im Nehmen und überleben die eine oder andere Frostnacht. Andere hingegen reagieren auf Kälte jedoch sehr empfindlich und lassen die Blüten und Blätter hängen, sobald das Thermometer unter zehn Grad fällt. Diese Erfahrung mussten wir leider schon machen. Nicht umsonst richten sich gestandene Gartenprofis nach der alten Bauernregel, wonach mit dem Pflanzen bis nach den Eisheiligen gewartet werden soll.

Was Mamertus, Pankratius, Servatius, Bonifatius und die (kalte) Sophie tatsächlich mit dem Wetter zu tun haben, würde den Rahmen dieses Schreibens sprengen. Tatsächlich haben aber die Eisheiligen einen erheblichen Einfluss auf die Gartenwelt.

Wir werden also mit Pflanzen warten, bis die kalte Sophie ihre Eiszapfen abgeschüttelt hat, auch wenn uns das auf eine Geduldsprobe stellt. Denn lieber ein gesunder Eisbergsalat auf dem Teller als verfrorene Eisblumen im Garten.