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Familiengeschichten: Alles begann vor 199 Jahren mit einem Leiterwagen

Wer sich für edle Textilien interessiert, kennt die Christian Fischbacher Co. AG in St.Gallen. Kaum jemand weiss jedoch, dass die Wurzeln des Traditionsunternehmens im Neckertal liegen, in St. Peterzell.
Urs M. Hemm
1854 eröffnet Christian Fischbacher am Oberen Graben 22 in St. Gallen sein erstes Geschäft. (Bild: PD)

1854 eröffnet Christian Fischbacher am Oberen Graben 22 in St. Gallen sein erstes Geschäft. (Bild: PD)

Wo genau das Haus der Familie Fischbacher in St. Peterzell stand, sei nicht überliefert, sagt Christian Fischbacher V. Bekannt jedoch ist, wie Christian I den Grundstein für ein heute international tätiges Unternehmen legte. Voraussetzungen dafür waren Initiative, Mut, Durchhaltevermögen, Voraussicht sowie sicherlich auch eine Portion Glück, wie Christian V heute rückblickend sagt.

Bis zu diesem Tag führten sechs Generationen die Christian Fischbacher Co. AG mehr oder weniger schadlos durch den Niedergang der Textilindustrie, die Depression der 30er-Jahre, durch zwei Weltkriege und durch die Finanzkrise und die geopolitischen Veränderungen der vergangenen Jahre. Begonnen hatte alles vor 199 Jahren mit einem Leiterwagen.

Mit erst 16 Jahren eine Firma gegründet

Gründervater Christian Fischbacher I. (Bild: PD)

Gründervater Christian Fischbacher I. (Bild: PD)

Christian I wurde 1803 als Sohn eines Bauern in St. Peterzell geboren. «Im Alter von 16 Jahren wollte er etwas dazu verdienen und begann, bei den Heimwebereien handgewobene Leinentücher einzusammeln, um sie in St. Gallen auf dem Markt zu verkaufen», erzählt Christian V. Dafür ging er morgens zu Fuss mit dem Leiterwagen von St. Peterzell über Schönengrund und Herisau nach St. Gallen und abends wieder zurück.

Bald schon, damit er die nicht verkaufte Ware nicht wieder nach Hause bringen musste, mietete er sich in St. Gallen einen kleinen Lagerschuppen und gründete somit im Alter von 16 Jahren die Firma. «Mit dem Kauf eines Pferdes konnte er dann grössere Mengen transportieren und erweiterte langsam aber stetig sein Geschäft. Zugute kam ihm ausserdem, dass er lesen und schreiben konnte», erläutert Christian V.

Ein wichtiger Schritt sei gewesen, dass er nicht nur mehr bei den Heimwebereien Tuch kaufte, sondern erfolgreiche Muster bei diesen in Auftrag gab. Schliesslich begann er, eigene Muster zu kreieren, womit man Christian I als ersten Art Director der Firma bezeichnen könnte. 1854 schliesslich erwarb Christian I ein Haus am Oberen Graben 22 in St. Gallen und 20 Jahre später ein weiteres Gebäude an der nahe gelegenen Vadianstrasse.

Grosse Depression und zwei Weltkriege

Christian II. (Bild: PD)

Christian II. (Bild: PD)

In den 1880er-Jahren übernahm Sohn Christian II die Leitung des Geschäfts. Während um ihn herum viele Unternehmen in St. Gallen während des Ersten Weltkrieges von 1914 bis 1918 zugrunde gingen, führte er die Firma erfolgreich durch diese Zeit. «Die letzte erhaltene Unterschrift Christans II fanden wir in unserem Archiv auf einer Rechnung aus dem Jahr 1892. Diese diente als Inspiration und Vorlage für das heutige Firmenlogo», sagt Christian V.

Christian III. (Bild: PD)

Christian III. (Bild: PD)

Ebenfalls schwere Zeiten prägten die Jahre, in der Otto Christian III die Geschicke der Firma leitete. «Er und sein Management haben es jedoch verstanden, den Namen und das Kapital der Firma durch die Depression der 1930er-Jahre und durch den Zweiten Weltkrieg zu retten.» Er sorgte sich aber nicht nur um die Firma, sondern auch um seine Angestellten. «Es gab keine Entlassung in diesen Jahren. Wohl auch deswegen, weil Christian die Arbeiter teils aus seiner eigenen Tasche entlöhnte», erzählt Christian V. Christian III investierte jedoch nicht nur in seine Firma und seine Angestellten. In dieser Zeit baute er sich eine Sammlung von Bildern des damals wenig bekannten Malers Giovanni Segantini auf. Diese Sammlung befindet sich heute im Segantini Museum in St. Moritz. Der Präsident der Stiftung ist Christian Fischbacher V.

Der Sprung über den grossen Teich

1915 erblickte Christian IV das Licht der Welt und trat bereits im Alter von 21 Jahren in die Firma ein. 1939 verlässt er die Schweiz und wagt den Sprung über den grossen Teich nach Amerika. Dort gründet er die Fisba Fabrics Inc. in New York, die erste Tochtergesellschaft. «Die Expansion der Firma war dafür sicherlich ein Grund. Vielmehr vermute ich aber, dass mein Vater zumindest einen Teil des Firmenkapitals in den USA vor den Nazis in Sicherheit bringen sollte», sagt Christian V.

Anfang der 40er-Jahre zog es Christian IV (Mitte) nach Amerika, wo er in New York die erste Tochterfirma, die Fisba Inc. gründete. Zurück in der Schweiz wurde er CEO der Muttergesellschaft und erhielt 1984 von Prinz Philip den British Design Council Award. (Bild: PD)

Anfang der 40er-Jahre zog es Christian IV (Mitte) nach Amerika, wo er in New York die erste Tochterfirma, die Fisba Inc. gründete. Zurück in der Schweiz wurde er CEO der Muttergesellschaft und erhielt 1984 von Prinz Philip den British Design Council Award. (Bild: PD)

Christian IV wird 1952 CEO der Muttergesellschaft. In den 1960er-Jahren nimmt er Geschäftsbeziehungen zur Pariser Haute Couture auf und vergrössert gleichzeitig die Designabteilung in St. Gallen. Ausserdem forciert er die globale Expansion. Es folgt die Gründung von Tochtergesellschaften in Deutschland, Italien, Holland, England und Japan. Krönung all dieser Bemühungen ist die Verleihung des British Design Council Awards, den er 1984 direkt aus den Händen Prinz Philips, des Ehemanns Königin Elisabeths II von England, in Empfang nehmen darf.

Christian V. (Bild: Urs M. Hemm)

Christian V. (Bild: Urs M. Hemm)

Christian V wurde 1938 geboren und verbrachte die ersten 22 Jahre seines Lebens in den USA. Nach erfolgreich abgeschlossenem Studium leitete er zuerst die Abteilung Modeaccessoires, bevor er 1983 die Leitung der Firma übernahm. Unter ihm verschob sich der Fokus des Unternehmens von hauptsächlich Mode- zu Heimtextilien, wie beispielsweise Einrichtungsstoffe oder Bettwäsche. 1988 gelang es ihm, Gianni Versace für eine gemeinsame Kollektion zu gewinnen. Diese Zusammenarbeit dauerte rund sieben Jahre. In den 1990er-Jahren wurden die verschiedenen Lager in einem Zentrallager in St. Gallen-Winkeln zusammengefasst bis schliesslich 1998 auch die Büros dorthin umzogen.

1998 wird der Hauptsitz der Firma vom St. Galler Zentrum in den Westen der Stadt verlegt. (Bild: PD)

1998 wird der Hauptsitz der Firma vom St. Galler Zentrum in den Westen der Stadt verlegt. (Bild: PD)

Christian VI. (Bild: PD)

Christian VI. (Bild: PD)

Ab 2007 übernimmt die sechste Generation Fischbachers das Ruder. Christian VI übernimmt die Verkaufsleitung in Osteuropa und den GUS-Staaten und baut ein engmaschiges Beziehungs- und Verkaufsnetz auf.

Seit 2008 leiten Michael und seine Frau Camilla Fischbacher das Unternehmen − mittlerweile in sechster Generation. (Bild: PD)

Seit 2008 leiten Michael und seine Frau Camilla Fischbacher das Unternehmen − mittlerweile in sechster Generation. (Bild: PD)

Sein Bruder Michael leitet seit 2008 das Unternehmen zusammen mit seiner Frau Camilla, welche als Art Director quasi das kreative Erbe des Firmengründers angenommen hat. Rückblickend ist Christian V stolz auf seine Familiengeschichte. «Es gibt wenige Firmen, die durchgehend in Familienhand waren, und bald ihr 200-Jähriges Bestehen feiern dürfen.»

Familiengeschichten

Alle kennen ihre Namen. Zumindest im Heimatdorf, meist im ganzen Toggenburg. Doch was verbirgt sich dahinter? Das «Toggenburger Tagblatt» erkundet diesen Sommer Familiengeschichten und stellt sie vor.

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