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Sohn hätte fast Suizid begangen: Kreisgericht Toggenburg verurteilt Vater wegen ungenügender
Waffenverwahrung

Ein Vater verwahrte in seinem Haus Waffen in einem Holzschrank, den sein psychisch angeschlagener Sohn aufbrach und beinahe Suizid beging. Der Richter sah deshalb die Sorgfaltspflicht verletzt und verurteilte den Vater wegen Übertretung des Waffengesetzes.
Timon Kobelt
Ein Mann im Toggenburg verwahrte seine Waffen nicht sorgfältig genug, was fast mit dem Suizid seines Sohnes geendet hätte. (Symbolbild: Urs Jaudas)

Ein Mann im Toggenburg verwahrte seine Waffen nicht sorgfältig genug, was fast mit dem Suizid seines Sohnes geendet hätte. (Symbolbild: Urs Jaudas)

Das Kreisgericht Toggenburg hatte den 63-jährigen Toggenburger schon einmal wegen Übertretung des Waffengesetzes schuldig gesprochen. Doch der Verurteilte zog das Urteil weiter an das Kantonsgericht, welches entschied, dass der Fall nochmals erstinstanzlich behandelt werden muss.

Grund für diesen Entscheid war ein formaler Fehler: Im Strafbefehl wurde die Anklage von Eventualvorsatz zu Fahrlässigkeit geändert, ohne dass der Beschuldigte oder dessen Verteidiger davon Kenntnis hatten. Die Verteidigungsstrategie verändert sich jedoch, wenn die Anklage angepasst wird.

Nichts geändert hat sich am Urteil. Das Kreisgericht Toggenburg sprach den Mann erneut der Übertretung des Waffengesetzes schuldig. Er habe seine Waffen nicht sorgfältig genug aufbewahrt, hiess es seitens des Gerichts. Der Verurteilte muss eine Busse von 500 Franken sowie die Kosten des Verfahrens bezahlen. Gegen das Urteil kann Berufung eingelegt werden.

Der Sohn hatte ein Waffenverbot

Welche Umstände führten zum Urteil? Der 63-jährige Mann bewahrte in seinem Haus verschiedene Waffen in einem Sperrholzschrank auf. Diesen sicherte er mit einem Vorhängeschloss und Riegeln, die Munition verwahrte er ungesichert in der Werkstatt.

Im selben Haushalt lebte der Sohn des Mannes, gegen den die Kantonspolizei St.Gallen 2013 ein Waffenverbot erliess. Grund des Verbots war die militärische Aushebung, an welcher der Sohn aus psychischen Gründen für untauglich befunden wurde. Infolge des Waffenverbots durfte der Sohn einen Revolver, den er einst gekauft hatte, nicht mehr besitzen.

Der Vater entschied sich dazu, seinem Sohn den Revolver mit dem nötigen Waffenerwerbsschein abzukaufen. Daraufhin verwahrte er den Revolver ebenfalls im Holzschrank. Ob es nicht schlauer gewesen wäre, die Waffe zu verkaufen, fragte der Richter den Vater. Dieser antwortete:

«Ich habe gehofft, dass mein Sohn eines Tages mittels Gutachten wieder schiessen darf.»

Ausserdem hätte seinen Sohn die Tatsache beschwichtigt, dass der Revolver nicht einfach weg war.

Im Januar 2017 hätte genau diese Tatsache schlimme Folgen haben können. Der Sohn war zu diesem Zeitpunkt psychisch angeschlagen und neigte zu Depressionen, was den Eltern gemäss dem Vater nicht bewusst war. Nach einer Arbeitsschicht «füllte sich der Sohn die Lampe» wie der Vater sagt. Daraufhin kehrte er ins leere Haus zurück, die restliche Familie war unterwegs.

In suizidaler Absicht brach der Sohn den Holzschrank seines Vaters auf und gab mit dem einst ihm gehörenden Revolver vier Schüsse ab. Der Vater sagte:

«Um sich das Leben zu nehmen, verliess ihn dann Gott sei Dank der Mut.»

Die Polizei brachte den Sohn in die psychiatrische Klinik in Wil. Die Waffen des Vaters beschlagnahmte sie. Sie sind auch heute noch in Polizeigewahrsam.

Die Kinder im Umgang mit Waffen sensibilisiert

«Es hat mich wie der Blitz getroffen, als ich vom Selbstmordversuch meines Sohnes erfuhr», sagte der Vater. Dafür habe es schlicht keine Anzeichen gegeben, auch wenn er und seine Frau gewusst hätten, dass der Sohn bei der Arbeit Probleme gehabt habe. Er habe all seine Kinder im Umgang mit Waffen sensibilisiert.

«Ich habe ihnen klargemacht, dass die Waffen nur mit mir gemeinsam angeschaut werden dürfen. Dies hat immer funktioniert.»

Ausserdem habe er nach dem Vorfall sofort die Konsequenzen gezogen und einen besseren Waffenschrank besorgt. Sein Sohn – er lebt inzwischen wieder zuhause – werde im Haus nicht mehr alleine gelassen.

«Das geht zu weit»

Der Verteidiger plädierte auf Freispruch seines Mandanten. Eine fahrlässige Übertretung sei nicht strafbar, da in der Schweiz keine gesetzliche Pflicht zur Einschliessung von Waffen bestehe. Der Anwalt machte keinen Hehl daraus, dass er eine klare gesetzliche Regelung überfällig findet. «Es heisst im Gesetz lediglich, dass Waffen sorgfältig aufbewahrt werden müssen. Der Begriff ist sehr weitläufig», meinte der Anwalt.

Er widerspreche der Meinung, dass der Vater die Sorgfaltspflicht verletzt habe, indem er die Waffen im gleichen Haus wie sein Sohn aufbewahrt habe. «Das geht zu weit. Mein Mandat hat bereits einen Schrank gekauft und diesen verschliessbar umgebaut, als er noch gar nicht damit rechnen konnte, dass sein Sohn psychisch anfällig ist», sagte der Anwalt.

Der Richter vertrat eine andere Meinung. «Das Gesetz gibt Spielraum und dieser soll auch auf die Sorgfalt im Einzelfall angewendet werden», sagte er. «Es muss ein höherer Anspruch an die Sorgfalt gelten, wenn ein Sohn im gleichen Haushalt lebt, der ein Waffenverbot hat», ergänzte der Richter. Der Vater habe trotz Kenntnis des Verbots nicht genügend für sichere Verwahrung der Waffen gesorgt.

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