So sieht es aus, wenn ein ausgedienter Strommasten «gefällt» wird

Die SAK erhöhen die Spannung im Mittelspannungsnetz auf dem Ricken auf 20 Kilovolt. Zudem wurden und werden Freileitungen unter die Erde verlegt. Am Dienstag, 5. März, wurde einer von rund 200 Strommasten demontiert.

Martin Knoepfel
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Die St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke (SAK) verlegen auf dem Ricken Freileitungen unter die Erde. Am Dienstag wurde ein zwölf Meter hoher Strommast, einer von 200, für die Kameras abgebaut. (Bild: Martin Knoepfel)

Die St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke (SAK) verlegen auf dem Ricken Freileitungen unter die Erde. Am Dienstag wurde ein zwölf Meter hoher Strommast, einer von 200, für die Kameras abgebaut. (Bild: Martin Knoepfel)

Eine kräftige und frische Brise weht nach neun Uhr an diesem Dienstagmorgen über den Ricken. Der Mann in der gelben Schutzjacke setzt den Motor der Trennscheibe in Gang und macht sich am Fuss des 40 bis 50 Jahre alten Mastens zu schaffen. Funken stieben wie bei einem Meteoritenschwarm. Der Mann setzt die Trennscheibe ab und schneidet an anderer Stelle erneut in den Mast. Wieder stieben Funken. Ein Dutzend Medienleute und Vertreter der St.Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke (SAK) warten gespannt.

(Video: Anina Rütsche)

20 bis 30 Meter entfernt steht ein Traktor. Er wird in wenigen Minuten mit einem Seil den Mast zu Boden reissen. Warten muss auch ein Autofahrer, der auf der Schönenbergstrasse unterwegs ist. Nach einer knappen Viertelstunde ist das Warten vorbei: Der Traktor zieht am Seil und der Mast fällt.

Freileitung aus Schutzgebiet verbannt

2012 haben die SAK ein Projekt gestartet, um auf dem Ricken rund 20 Kilometer Freileitungen – 11 Kilometer Mittel- und 10 Kilometer Niederspannungsleitungen – zurückzubauen und mit über 40 Kilometer Kabelleitungen zu ersetzen. Teile der Freileitungen verliefen in Schutzgebieten. Das war am Mediengespräch in Ricken von Jürg Solenthaler (Leiter Netze SAK) und Andreas Rutz (Leiter Projektteam Engineering Netz SAK) zu erfahren.

Von links: Andreas Rutz (Leiter Projektteam Engineering Netz, SAK), Peter Hüppi (Gemeindepräsident Gommiswald), Jürg Solenthaler (Leiter Netze, SAK). (Bild: PD)

Von links: Andreas Rutz (Leiter Projektteam Engineering Netz, SAK), Peter Hüppi (Gemeindepräsident Gommiswald), Jürg Solenthaler (Leiter Netze, SAK). (Bild: PD)

Das Gebiet sei mit Stichleitungen von Wattwil und Ernetschwil aus versorgt worden. Mit dem Projekt entstehe eine Ringleitung, was die Versorgungssicherheit verbessere, sagten die Vertreter der SAK. Ricken wird neu von Wattwil aus mit Strom versorgt. Heute sei es einfacher, die Zustimmung der Grundbesitzer für Kabelleitungen zu erhalten als für neue Freileitungen, hiess es. Kabelleitungen sollten 70 bis 80 Jahre halten, wenn sie nicht beschädigt werden. Auch seien die Übertragungsverluste bei Kabelleitungen kleiner als bei Freileitungen. Der Unterschied betrage aber nur wenige Prozent, sagten die Vertreter der SAK.

Störungsanfällige Leitungen ersetzen

Die SAK ersetzten in ihrem Versorgungsgebiet Frei- durch Kabelleitungen vor allem dort, wo Freileitungen alt oder wie auf dem Ricken störungsanfällig seien. Im Rahmen des Projekts verlegten die SAK 13,4 Kilometer Kabelleitungen für 16 respektive 20 Kilovolt sowie 28 Kilometer Leitungen für 230 und 400 Volt.

Unter anderem wurden elf Gebäude-Transformatorenstationen erstellt und gleich viele Freiluft-Transformatorenstationen demontiert. Ferner werden Glasfaserkabel verlegt. Die Vertreter der SAK bestätigten, dass Fiber-to-the-Home (FTTH) kommt. Schönenberg sei bereits mit FTTH erschlossen, nun würden Ricken und das Gebiet in Richtung Hummelwald folgen.

Funken sprühen, wenn die Trennscheibe in den Beton schneidet. (Bild: Martin Knoepfel)

Funken sprühen, wenn die Trennscheibe in den Beton schneidet. (Bild: Martin Knoepfel)

Kosten von rund 3,7 Millionen Franken

Weitere Arbeiten werden im nächsten Sommer und im Winter 2019/ 2020 ausgeführt. Die letzte Bauetappe findet im Gallenmüüsli statt. Die Abbrucharbeiten würden aus Rücksicht auf die Vegetation im Winter vorgenommen, erklärten die Vertreter der SAK. Die Kosten des Projekts belaufen sich auf rund 3,7 Millionen Franken. Im Projektgebiet lebten rund 1200 Kunden, war zu erfahren. Die über den Ricken verlaufenden Freileitungen von Swissgrid und Axpo seien nicht Teil des Projekts.

Der Gommiswalder Gemeindepräsident Peter Hüppi sagte, für die Gemeinde sei die Versorgungssicherheit wichtig. Da auf dem Ricken im Winter viel Langlauf praktiziert werde, sei jeder Strommast weniger ein Gewinn. In der Medienmitteilung der SAK wird der Wattwiler Gemeindepräsident Alois Gunzenreiner mit der Aussage zitiert, dass der Abbau der Freileitungen das Gebiet zusätzlich aufwerte.

So wurde anlässlich der Planauflage berichtet:

Stromleitungen verschwinden

Die St. Gallisch-Appenzellischen Kraftwerke verlegen Mittelspannungsleitungen zwischen Wattwil und Gommiswald in den Boden.
Martin Knoepfel