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SMILING GECKO: Toggenburger Hilfe für Kambodscha

Der bekannte Fotograf und Künstler Hannes Schmid baut in Südostasien ein Hilfsprojekt auf. Dabei helfen ihm gleich mehrere Toggenburgerinnen und Toggenburger. Vor Ort und aus der Heimat.
Ruben Schönenberger
Annagret Schlumpf erklärt die schuleigene Waschküche. (Bild: Ruben Schönenberger)

Annagret Schlumpf erklärt die schuleigene Waschküche. (Bild: Ruben Schönenberger)

«Es ist unglaublich, wie ich aus dem Toggenburg unterstützt werde.» Dieser Satz fällt an einem Ort, wo man ihn kaum erwarten würde: Etwa 80 Kilometer nordwestlich von der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh, auf der Anlage von «Smiling Gecko». Weniger erstaunlich ist, wer diesen Satz sagt: Hannes Schmid, Fotograf und Künstler, der selbst aus dem Toggenburg stammt, und – obwohl er schon als Kind mit seiner Familie in Richtung Zürich umzog – immer mit dem Thur- und Neckertal verbunden blieb.

Annagret Schlumpf erklärt die schuleigene Waschküche. (Bild: Ruben Schönenberger)

Annagret Schlumpf erklärt die schuleigene Waschküche. (Bild: Ruben Schönenberger)

«Smiling Gecko» ist ein Projekt, das der kambodschanischen Bevölkerung helfen will. Ein Projekt aber, dass sich nicht als Hilfswerk versteht. Schmid und seine Mitstreiterinnen und Mitstreiter verfolgen einen ganzheitlichen Ansatz, den sie bei traditionellen Hilfswerken zu oft vermissen. Zu den Mitstreiterinnen gehört unter anderem Annagret Schlumpf. «Aufgewachsen bin ich in der ‹Traube› in Unterwasser», sagt Schlumpf. Und auch Schmid sagt: «Eigentlich bin ich mit Annagret in der Traube aufgewachsen. Ich war auch als Jugendlicher immer dort.» Danach hätten sie aber lange keinen Kontakt mehr gehabt.

Von der «Alpenrose» über Herisau nach Kambodscha

In dieser Zeit absolvierte Schlumpf verschiedene Ausbildungen und arbeitete unter anderem zwölf Jahre als Küchenchefin in Stump’s Alpenrose. «Das war eine der schönsten Zeiten», sagt Schlumpf. Als sie – schon weitergezogen als Küchenchefin zum Psychiatrischen Zentrum in Herisau – kurz vor der Pensionierung stand, war Schmid mit ihrem Bruder René beim Skifahren. Als Schmid hörte, dass Schlumpf bald pensioniert werde, war für ihn klar: «Die muss ich haben.» Schmid reiste nach Herisau und besprach mit Schlumpf, was er sich wünschte. Schlumpf sollte in Kambodscha mithelfen, die Köche auszubilden. Denn «Smiling Gecko» hatte zu dieser Zeit bereits ausgebaut.

Start mit zwölf Familien auf 30 Hektaren

Angefangen hatte dort alles mit Landwirtschaftsbetrieben. Auf einer Fläche von 30 Hektaren konnten zwölf Familien ihren eigenen Betrieb starten. Dieser musste aber selbsttragend sein. Schmid legt Wert auf die Nachhaltigkeit seines Projektes. Er will der Bevölkerung helfen, sich selbst zu helfen. Das hat aber auch einen grossen Nachteil: Bis Geld fliesst, dauert es. Also schaute sich Schmid nach weiteren Möglichkeiten um und fand eine solche in einer Hotelanlage. Zu einer solchen gehört aber auch eine Küche. Und für diese müssen Köche ausgebildet werden.

Schlumpf ihrerseits wollte sowieso ins Ausland. «Mir ist es im Leben immer gut gegangen, ich wollte etwas zurückgeben», sagt sie. «Mein Ziel war es, etwas zu machen, bei dem ich nicht Ende des Monats daran denke, wie viel Lohn ich kriege.» Sie entschied sich, Schmid zu helfen. Am 17. April des vergangenen Jahres reiste sie nach Kambodscha. Geplant war ursprünglich ein Aufenthalt von einem Jahr. Schon vor Ablauf dieser Zeit war Schlumpf klar, dass sie länger bleiben wird. «Heute gehe ich von fünf bis sechs Jahren aus», sagt sie. Nicht nur, weil die Ausbildung der Köche nicht im Eiltempo vonstatten gehen soll, sondern auch, weil Schlumpf mittlerweile viele zusätzliche Aufgaben hat. Neben der Küche kümmert sie sich auch um den Frontdesk sowie das Housekeeping, und sie zieht sogar junge Manager nach, die dereinst tragende Rollen übernehmen könnten.

Die Dietfurter Firma Eigenmann hat Maschinen nach Kambodscha geliefert. (Bild: Ruben Schönenberger)

Die Dietfurter Firma Eigenmann hat Maschinen nach Kambodscha geliefert. (Bild: Ruben Schönenberger)

Nicht nur Schlumpfs Pläne haben sich verändert. Auch die Anlage und das Projekt an sich erfahren immer mal wieder eine Veränderung. Als Schmid die Hotelanlage eröffnet hatte, stellte er fest: Die Gäste kommen nur für eine Nacht. Damit sie länger bleiben, muss ihnen mehr geboten werden. Also errichtete «Smiling Gecko» Yoga-Hallen. Weil sich Yoga-Touristen aber erholen möchten, fehlte ein Pool. Also bauten die Verantwortlichen auch einen solchen. Dieser Pragmatismus zeichnet «Smiling Gecko» aus. Was fehlt, wird ergänzt. Und wenn etwas ergänzt werden muss, wird oft ein neues Gebäude nötig. «Für mich war schnell klar, dass wir eine Schreinerei brauchen», sagt Schmid dazu. Rat und Unterstützung dafür holte er sich ebenfalls im Toggenburg, genauer in Dietfurt bei der Eigenmann AG. «Peter Eigenmann hat sofort mitgemacht, uns die richtigen Maschinen empfohlen und selber Geld reingesteckt. Er betreut uns auch heute noch.»

Ein zweiter Schlumpf reist «Smiling Gecko»

Nötig wurden neue Gebäude auch für die eigene Schule. Trotz des Pragmatismus verfolgt «Smiling Gecko» nämlich auch grosse, langfristige Ziele. Den Anfang machte ein Jahrgang. Wenn diese Schülerinnen und Schüler aber aufsteigen, sollen neue Klassen nachkommen. So wächst die Schule. Und mit ihr auch der Bedarf an Verpflegung für die Schülerinnen und Schüler. Damit man diesen erfüllen kann, baut «Smiling Gecko» derzeit an einer Grossküche. Auch hier kommt wieder das Toggenburg ins Spiel. Charly Schlumpf, Annagrets Bruder, reist ebenfalls nach Kambodscha und übernimmt die Grossküche.

Überreden musste Annagret Schlumpf ihren Bruder nicht, höchstens überzeugen. «Ich habe ihm gesagt, das Klima tue ihm sicher gut.» Vielleicht half bei der Entscheidung auch, dass die Schlumpfs selbst in Kambodscha nicht auf ein Stück Heimat verzichten müssen: «Ich habe in Phnom Penh einen Laden gefunden, in dem ich sogar Käse von Willy Schmid aus Lichtensteig kriege», sagt Annagret Schlumpf lachend.

Schmid erhält Ehrendoktortitel

Hannes Schmid hat "Smiling Gecko" ins Leben gerufen. (Bild: Ruben Schönenberger)

Hannes Schmid hat "Smiling Gecko" ins Leben gerufen. (Bild: Ruben Schönenberger)

Auch Schmid freut sich auf weitere Toggenburger Unterstützung. «Das sind einfach tolle Beziehungen, die wir haben», schwärmt er. Dank dieser Beziehungen funktioniert der Austausch nicht nur von der Schweiz in Richtung Kambodscha, sondern auch umgekehrt. Das Personal von «Smiling Gecko» kommt dabei schon mal ins Thur- und Neckertal und absolviert in Stump’s Alpenrose eine Weiterbildung.

Auch Schmid selber zieht es immer wieder ins Toggenburg. Wenn er zum nächsten Mal ins Thur- und Neckertal reist, wird er das zum ersten Mal als Doktor tun. Die Universität Zürich hat ihm unlängst den Ehrendoktortitel verliehen, in Anerkennung seines vorbildhaften Einsatzes. «Trotz seines Engagements, Erfolgs und Bekanntheitsgrads ist Hannes Schmid eine zugängliche und bescheidene Person geblieben», schreiben die Verantwortlichen der Universität Zürich. Wer sich davon überzeugen möchte, kann das schon bald tun. Am 19. Mai nimmt Schmid im Rahmen des Klangfestivals an einem Klangtalk teil.

Die multimediale Reportage aus Kambodscha mit zusätzlichen Informationen zum Projekt ist hier zu finden.

Traditionell wohnen kambodschanische Familien in solchen Pfahlbauten. (Bild: Ruben Schönenberger)

Traditionell wohnen kambodschanische Familien in solchen Pfahlbauten. (Bild: Ruben Schönenberger)

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