Rieden
Hier fährt nie ein Auto: Was es mit der Bahnhofstrasse beim Tanzboden auf sich hat

Sie liegt auf knapp 1400 Meter über Meer und ist nur rund 100 Meter lang. Ein Bahnhof ist dort genauso fern wie eine asphaltierte Strasse. Der Riedner Ortsgemeindepräsident Urs Kühne weiss, wie ein Stück Toggenburger Höhenweg zur Bahnhofstrasse wurde.

Simon Dudle
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Wer das Schild «Bahnhofstrasse» angebracht hat, ist unklar.

Wer das Schild «Bahnhofstrasse» angebracht hat, ist unklar.

Bild: Simon Dudle

Es gibt viele bekannte Bahnhofstrassen. Angefangen mit jener in Zürich, aufgehört bei jener in Wil. Und es gibt eine Bahnhofstrasse, über welche selbst zahlreiche Einheimische kaum Bescheid wissen. Knapp unterhalb des beliebten Ausflugsrestaurants Tanzboden, auf dem Hügelkomm zwischen Ebnat-Kappel und Rieden beim Gommiswald gelegen, prangt bei einem Wegweiser ein Schild «Bahnhofstrasse». Wie bitte? Denn die nächsten Bahnhöfe Ebnat-Kappel und Kaltbrunn liegen mindestens zwei Stunden Fussmarsch entfernt. Etwas schneller geht es mit dem Mountainbike. Das ist dann aber auch die einzige Möglichkeit, wie die Bahnhofstrasse befahren werden kann. Denn die Bahnhofstrasse ist nicht asphaltiert und lediglich ein etwas breiterer Wanderweg.

Doch was hat es mit dieser Bahnhofstrasse auf sich? Ansprechpartner ist nicht das Tiefbauamt des Kantons St.Gallen, sondern Urs Kühne, Präsident der Ortsgemeinde Rieden. Diese Bahnhofstrasse liegt knapp nicht auf Ebnat-Kappler Ortsgebiet, sondern eben in Rieden. Kühne sagt zwinkernd: «Falls da einmal ein Bahnhof käme, hat man vorausschauend schon einmal eine Bahnhofstrasse gemacht.»

Auf keiner Landkarte zu finden

In Tat und Wahrheit ist die Bezeichnung Bahnhofstrasse nicht offiziell und steht auf keiner Landkarte. «Diese Benamsung bezieht sich auf einen Wegabschnitt von rund 100 Metern. Es ist das schnurgerade Stück von der Wegkreuzung Chüebodenegg bis zur nächsten Wegbiegung Richtung Tanzboden», erklärt Urs Kühne. Er ergänzt:

«Die Bezeichnung ist treffend für diese Stelle, auch wenn weit und breit kein Bahnhof ist. Dieses gerade Stück sieht man von weitem und könnte eine breite Strasse erahnen lassen.»

Tatsächlich ist die Bahnhofstrasse auch vom Restaurant Tanzboden aus zu sehen.

Urs Kühne berichtet, dass die Bezeichnung Bahnhofstrasse bereits seit mehreren Jahrzehnten besteht, womöglich bis zurück in die 1970er-Jahre. Wer das Strassenschild angebracht hat, ist allerdings nicht bekannt. Somit ist auch unklar, wo die Tafel fehlt. «Solange das Schild nicht irgendwo vermisst wird, darf es bleiben. Für mich gibt es keinen Grund, das Schild zu entfernen. Es bezeichnet eine Stelle passend. Manch anderer Flurname ist ohne Bezug zu irgendetwas», sagt Kühne.

Davos hat eine höher gelegene Bahnhofstrasse

Womit die Frage zu stellen ist, ob auch die anderen Schilder bei diesem Wegweiser aus Jux dastehen. Nein. Die weiteren Hinweise für die Biker und Wanderer sind offiziell und haben Richtigkeit.

Die Riedener Bahnhofstrasse ist somit eine der kürzesten und höchstgelegenen des Landes. Allerdings nicht die allerhöchste. Auch in Davos, das auf über 1500 Metern Seehöhe liegt, gibt es eine Bahnhofstrasse.

Neue Mieter für den «Tanzboden»

Ernst und Romina Forrer sagen Adieu

Auf der nahe gelegenen Alp Tanzboden, Etappenort des Toggenburger Höhenwegs, gibt es Neuigkeiten. Das Wirtepaar Ernst und Romina Forrer nimmt Ende September Abschied. Dies schreiben sie auf ihrer Website. Die beiden übernehmen ab dem 1. November des Restaurant Schönau an der Strasse zwischen Urnäsch und Bächli. Die Nachfolger heissen Christoph Tresch und Michaela Hug aus Rüti Glarus Süd. Sie werden den «Tanzboden» ab Oktober mieten. (pd)

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