Viehschauen in der Ostschweiz: Sind Kühe auf der Strasse, braucht es Toleranz von beiden Seiten

Bauern, die ihr Vieh über die Strasse treiben, müssen einiges beachten. Es braucht aber auch Rücksicht der Autofahrer.

Sabine Camedda
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Ein Viehtrieb auf Strassen muss sorgfältig geplant und vorbereitet werden, die gegenseitige Rücksichtnahme von Bauern und Verkehrsteilnehmern verhindert Differenzen. (Bild: Michel Canonica, Waldkirch, 2018)

Ein Viehtrieb auf Strassen muss sorgfältig geplant und vorbereitet werden, die gegenseitige Rücksichtnahme von Bauern und Verkehrsteilnehmern verhindert Differenzen. (Bild: Michel Canonica, Waldkirch, 2018)

Die Zeit der Gemeindeviehschauen bietet einiges fürs Auge. In vielen Dörfern fahren die Bauern «sennisch» auf. Das heisst, sie schmücken die Kühe mit Schellen und Blumen und schicken Sennen – und oftmals auch Geissen – voran. Der Zug marschiert am Morgen vom Hof zum Schauplatz und am Abend wieder zurück. Nicht selten verläuft dieser Weg auf einer Hauptverkehrsachse.

Dies ist nicht unproblematisch, der Verkehr ist hektisch und komplex. Ein Viehtrieb erfordert von den Landwirten eine sorgfältige Planung und Vorbereitung, vor allem wenn er über die Hauptstrasse führt. Die Beratungsstelle für Unfallverhütung in der Landwirtschaft (BUL) hat ein entsprechendes Merkblatt mit Tipps für die Bauern herausgegeben.

Tiere überwachen und Verkehrsteilnehmer warnen

Das A und O des Viehtriebs ist, dass die Tiere ausserhalb des markieren Weidegebiets nicht unbewacht auf die Strasse gelassen werden dürfen. So steht es im Strassenverkehrsgesetz.

Weiter ist dort festgeschrieben, dass die Viehherden von Treibern begleitet werden müssen. Mindestes ein Treiber vorne, einer in der Mitte und einer hinten sind empfohlen, wenn die Herde mehr als zwölf Tiere umfasst. Die Treibenden konzentrieren sich ausschliesslich auf die Tiere, schreibt die BUL und konkretisiert: «Sie überwachen die Herde, treiben Ausreisser zurück und sorgen dafür, dass die linke Strassenseite auf Hauptstrassen für andere Verkehrsnehmende frei bleibt.»

Zusätzlich zu den Treibern gehören gemäss BUL Sicherheitspersonen dazu. Sie konzentrieren sich auf den übrigen Verkehr, gehen in reichlichem Abstand vor und nach der Herde und warnen und informieren entgegenkommende sowie aufschliessende Fahrzeuge.

Viehherde geht rechts, so kann der Verkehr passieren

Das Strassenverkehrsgesetz schreibt zudem vor, dass bei einem Viehtrieb die linke Strassenseite nach Möglichkeit für den übrigen Verkehr freizuhalten sei. Damit können grössere Verkehrsprobleme vermieden werden, schreibt Hanspeter Krüsi, Leiter Kommunikation der Kantonspolizei St.Gallen auf Anfrage des «Toggenburger Tagblatts».

Der Gegenverkehr könne mit der nötigen Vorsicht passieren. Der nachfolgende Verkehr reiht sich hinter der Herde ein und kann links überholen, wenn es die Situation zulässt.

Einige Gemeinden weisen die Strassennutzer vorgängig auf mögliche Störungen während des Auf- und Abtriebs zur Viehschauwiese hin. Wer in dieser Zeit die entsprechenden Strecken befahren muss, sollte genügend Zeit einrechnen. Geduld, und wenn nötig ein zwischenzeitliches Anhalten kann Ärger vermeiden.