Ohr mit Nagel gepierct: «Sie sagten, du spinnst doch»

An der Olma liess sich ein 16-jähriger Zimmermann aus dem Toggenburg ein Ohrringloch mit Hammer und Nagel stechen. «Tat überhaupt nicht weh», sagt Sandro, der jetzt in seinem Umfeld gefeiert wird.

Lara Abderhalden, FM1Today
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Der schmerzhaft anmutende Vorgang: Sandro Moser liess sich das Ohr piercen. (Bild: PD)

Der schmerzhaft anmutende Vorgang: Sandro Moser liess sich das Ohr piercen. (Bild: PD)

«Ich habe gehört, dass es als Zimmermann gang und gäbe ist, sich so ein Loch stechen zu lassen und wollte es auch machen. Ich habe mir deshalb vor der Olma einen Ohrring gekauft und einen Nagel mitgenommen», erzählt der 16-jährige Sandro Moser aus Ebersol im Toggenburg. Der junge Mann macht die Lehre bei der Schlegel Holzbau AG in Wattwil. Am Freitag war er gemeinsam mit der «Bude» an der Olma.

«Die anderen haben mich mehrmals gefragt, ob ich das wirklich machen will», erzählt Sandro. Für ihn habe es aber von Anfang an keine Zweifel gegeben: «Ich habe das schon lange geplant und einige Videos dazu gesehen. Mein Vater, der auch Zimmermann ist, hat mir schon oft davon erzählt.» So marschierte er entschlossen und mit der ganzen Belegschaft aus Wattwil zum Fehr Braunwald Stand an der Olma: «Die haben da einen Schittertotz.»

Alkohol zur Desinfektion

Einer habe einen Schnaps zum Desinfizieren geholt und los ging das Ganze: «Kurz bevor mein Kollege anfing, ging mir schon durch den Kopf, ob ich das wirklich will.» Vor allem ein Satz seines «Piercers» habe ihn abgeschreckt: «Er sagte, ich dürfe mich nicht bewegen und nicht zu stark erschrecken. Wenn ich wegziehe, würde ich sonst einen Schlitz im Ohr haben.» Deshalb war er leicht angespannt. Der Mann, der ihm das Loch stach, hatte aber schon Erfahrungen in solchen Dingen. Er, selbst Zimmermann, habe schon ein paar Löcher gemacht.

Zuerst wurde der Nagel heiss gemacht, der Ohrring in Alkohol «tünklet» und dann musste Sandro sein Ohr auf den Holzklotz legen. Mit einem Hammer wurde der 2,5 Millimeter dicke Nagel durch das «Ohrläppli» von Sandro geschlagen: «Ich habe im ersten Moment gar nichts gespürt. Dann kam der Stolz. Als Zimmermann, auf diese Art ein Ohrring stechen zu lassen, war ein gutes Gefühl.»

Als Desinfektionsmittel verwendete der Zimmermann 73-prozentigen Alkohol: «Ich glaube, es war Bacardi Gold», sagt Sandro. Er selbst nahm nach dem Piercen gleich noch ein Schlückchen.

«Man muss der Typ dazu sein»

Puff zuhause, gab es für den 16-Jährigen keinen: «Meine Eltern hatten Freude, vor allem mein Vater ist sehr stolz.»

Das Resultat ist deutlich sichtbar. (Bild: PD)

Das Resultat ist deutlich sichtbar. (Bild: PD)

Stolz ist auch Hansueli Alder, Geschäftsführer von Schlegel Holzbau und Chef von Sandro: «Es ist schön, in der heutigen Zeit einen Lehrling im Kreis zu haben, der sich vollkommen mit seinem Beruf identifiziert. Das ist für jeden Lehrbetrieb ein Kompliment.» Er selbst stand auch im erlesenen Kreis der Zuschauer: «Wir hatten Freude, dass er es durchzieht und sich voller Euphorie auf den Moment vorbereitet hat.» Ganz jedem rate er diese Art von Stechen aber nicht zu: «Man muss der Typ dazu sein.»

«Zu diesem Zeitpunkt noch gut beieinander»

Gezwungen wurde Sandro keinesfalls: «Er ist der erste im Betrieb, der sich auf diese Art einen Ohrring stechen liess und wir haben ihn überhaupt nicht unter Druck gesetzt.» Auch sei das Stechen keine Schnapsidee gewesen: «Es wussten alle, was sie machen und haben sich gut vorbereitet. Wir waren zu diesem Zeitpunkt noch gut beieinander.»

Dass sich Zimmermänner selbst ein Ohrring stechen, ist nichts spezielles und komme immer wieder vor, nur an der Olma tut man das eigentlich nicht, sagt Hansueli Alder: «Es ist von Betrieb zu Betrieb verschieden aber häufig wird es am Weihnachtsessen oder an einem Aufrichtefest gemacht. In den Zimmermannskreisen ist es auch als Taufe für Lehrlinge bekannt.» Sandro hat es gemacht und bereut es überhaupt nicht: «Einzig am Samstagmorgen hat es leicht wehgetan, weil ich die ganze Nacht auf dem Ohr gelegen bin. Mittlerweile spüre ich aber nichts mehr und es hat sich auch nicht entzündet.»

Gesundheitstechnisch unbedenklich

Er müsse den Ohrring zweimal im Tag desinfizieren und den Ohrring immer wieder drehen, damit das Loch nicht zuwachse. In seiner Bude, ist Sandro seit Freitag ein kleiner Star: «Ich werde immer wieder darauf angesprochen. Viele fragen, ob es weh tue oder wie es mit dem Ohrring gehe. Die meisten aber freuen sich mit mir oder sagen nur, dass ich doch spinne.»

Übrigens: Gesundheitstechnisch ist das Desinfizieren nicht bedenklich: «Die Desinfektion mit Alkohol ist für den beschriebenen Zweck gängig und auch ausreichend», lässt sich Professor Doktor Pietro Vernazza, Chefarzt der Infektiologie am Kantonsspital St. Gallen zitieren.