Sicherheitsnetz im Bereich Pflege und Betreuung weben

Nebst den bekannten Spitex-Dienstleistungen, können neu auch individuelle Lösungen für die Betreuung angeboten werden. Möglich wird dies, weil zwei Organisationen ihre Kompetenzen bündeln.

Adi Lippuner
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Irene Tschanun und Rainer Perprunner vom «Betreuungs-Spezialist» sowie Trudy Fischer und Hélène Spielhofer von der Spitex Mittleres Toggenburg (von links) sind überzeugt, dass dank der Kooperation Menschen länger als bisher im gewohnten Umfeld bleiben können. (Bild: Adi Lippuner)

Irene Tschanun und Rainer Perprunner vom «Betreuungs-Spezialist» sowie Trudy Fischer und Hélène Spielhofer von der Spitex Mittleres Toggenburg (von links) sind überzeugt, dass dank der Kooperation Menschen länger als bisher im gewohnten Umfeld bleiben können. (Bild: Adi Lippuner)

Der erste September ist jeweils der Nationale Spitex-Tag, dieses Jahr mit dem Motto: «Die Spitex am Puls der Zeit». Zusammen mit dem nationalen Anlass nutzten die Verantwortlichen in Wattwil den Samstag, um ihre Dienstleistungen, das neu lancierte Pilotprojekt und die Räume an der Bahnhofstrasse 12 der Öffentlichkeit zu präsentieren.

Die Spitex Mittleres Toggenburg ist zuständig für Wattwil, Lichtensteig und Ebnat-Kappel. Geschäftsführerin ist Hélène Spielhofer. Leiterin Pflege und Beratung ist Trudy Fischer. Die Spitex Mittleres Toggenburg umfasst zudem weitere 45 Mitarbeitende.

Bedürfnisse abdecken, die bisher nicht befriedigt wurden

Auf den ersten Blick ist sie eine Organisation, wie es sie in der ganzen Schweiz gibt. Mit den beiden Angeboten Spitex Abo light und der Zusammenarbeit mit dem «Betreuungs-Spezialist» für die Ostschweiz und das Fürstentum Liechtenstein können Bedürfnisse abgedeckt werden, welche bisher nicht möglich waren.

Spitex Abo light ist eine einfache Variante, um einige Dienstleistungen wie etwa den 24-Stunden-Pflegenotfalldienst, regelmässige Kurzbesuche oder die Medikamentenbereitstellung in Anspruch nehmen zu können. «Es ist sozusagen eine erste Stufe, um älteren, allein lebenden Menschen ein gewisses Sicherheitsnetz zu bieten», sagt Trudy Fischer.

Menschen sollen möglichst lang im vertrauten Umfeld bleiben

Menschen, welche medizinische Leistungen durch die Mitarbeiterinnen der Spitex erhalten, haben oft auch das Bedürfnis nach Hilfe im Haushalt und Betreuung. Das sind Angebote, welche in einer klassischen Spitex-Organisation nicht vorhanden sind, «aber immer mehr nachgefragt werden», wie die Verantwortlichen in Wattwil schon länger festgestellt haben. «Wir standen deshalb vor der Wahl, entweder selbst ein solches Angebot auf die Beine zu stellen oder mit einem Unternehmen, welches sich in diesem Bereich etabliert hat, zusammenzuarbeiten», sagt Hélène Spielhofer.

Aus diesem Grund habe Rainer Perprunner, Geschäftsleiter «Betreuungs-Spezialist» in Diepoldsau, bei der Spitex Mittleres Toggenburg offene Türen vorgefunden. «Wir konnten die Zusammenarbeit bereits in zwei Fällen probieren und durften feststellen, dass die Betreuung entweder als «Rund-um-die-Uhr-Modell oder als Tages-Modell bestens funktioniert,» berichtet Trudy Fischer. Dank dieser Zusammenarbeit sei es möglich, dass die Menschen länger in der gewohnten Umgebung bleiben können.

Es gibt nur eine Abrechnungsstelle

Für Patienten und ihre Angehörigen wichtig zu wissen: Die Abklärungen, welche Betreuungsform Sinn macht, erfolgt entweder durch die Organisation Betreuungs-Spezialist oder die Spitex. Zudem gibt es nur eine Rechnungsstelle und Positionen, welche von den Krankenkassen übernommen werden, macht die Spitex dort geltend.

«Die Betreuerinnen für die Rund-um-die-Uhr-Betreuung stammen aus der Slowakei oder aus Polen, sprechen deutsch und bringen die nötigen Erfahrungen mit, bestätigt Rainer Perprunner. Die Frauen, welche für die Tagesbetreuung im Einsatz sind, stammen aus der näheren und weiteren Region. Zudem gebe es für die Spitex- und Betreuungskunden Sicherheit, weil Mitarbeiterinnen beider Organisationen in regelmässigem Kontakt stehen. «Wir haben die Erfahrung gemacht, dass so eine Vertrauensbasis geschaffen wird,» weiss Trudy Fischer.

Leider sei es heute noch so, dass die Betreuung ausschliesslich privat finanziert werden müsse, «aber die Politikerinnen und Politiker auf allen Ebenen sind gefordert, für die Zukunft neue Modelle zu erarbeiten», ist Hélène Spielhofer überzeugt.