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«Selun» – die Geschichte einer Dampflokomotive der Toggenburger Bahn

Das Bild von Trautmann Grob, eine Dampflok vor dem Städtli Lichtensteig, ist die wohl bekannteste Illustration zur frühen Toggenburgerbahn. Eine genauere Betrachtung bringt aber ein Geheimnis zutage.

Anton Heer
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Trautmann Grob versuchte sich in der Darstellung der dreiachsigen Dampflok auf Grund der Werkfotos von Krauss München. Der Hintergrund mit dem Städtli Lichtensteig wirkt zwar authentisch, der Name Selun aber weniger.

Trautmann Grob versuchte sich in der Darstellung der dreiachsigen Dampflok auf Grund der Werkfotos von Krauss München. Der Hintergrund mit dem Städtli Lichtensteig wirkt zwar authentisch, der Name Selun aber weniger.

Bild: PD

Die wohl bekannteste Illustration zur frühen Toggenburgerbahn zeigt die Dampflok mit dem Namen Selun vor dem Stationsgebäude von Lichtensteig. Der Illustrator Trautmann Grob hat mit dieser Darstellung eine faszinierend detailtreue Dampflok geschaffen und hinterlassen.

Das mahnt jedoch zusammen mit der Namengebung zur Vorsicht – und zu genauerem Hinschauen. Es darf als gesichert gelten, dass es nie eine Lokomotive Selun im Toggenburg gab. Die Namen der Dreikuppler-Maschinen der Toggenburgerbahn lauteten: «Yberg», «Hulftegg» und «Churfirsten».

Eisenbahnfahrzeuge sind flüchtige Objekte

Im Gegensatz zu den Bauten und zu den Landschaften sind Eisenbahnfahrzeuge flüchtige Objekte, die dem Zeichner selten Zeit für längere Studien liessen. Für detailtreue Darstellungen mussten technische Zeichnungen oder Fotografien als Vorlage dienen. Eine passende Vorlage existiert im Fall der Dampflok Selun von der Bülach-Regensberg-Bahn.

Ein weiterer Entwurf Trautmann Grobs zeigt tatsächlich eine Dreikuppler-Dampflok der Toggenburgerbahn, von der ebenfalls ein Foto bekannt ist. Allerdings sind die zugehörigen Personenwagen ziemlich missraten, was der These Bülach-Regensberg-Bahn entgegenkommt. Ironie der Geschichte: Beide Lokomotiven stammten von der Firma Krauss.

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