Seitenblick

Maskenball mit Politik

Der Kantonsrat tagte in der November-Dezember-Session wieder in der Olma. Im ganzen Komplex herrschte Maskenpflicht.

Martin Knoepfel
Drucken
Teilen
Martin Knoepfel.

Martin Knoepfel.

Bild: Urs Bucher

Maskenball. So kann man die Session des Kantonsrats zusammenfassen, wenn man nur ein Wort brauchen darf. Dabei lassen wir mal offen, ob Maskenball ein Wort oder zwei Wörter sind. Es ist allerdings nicht so, dass die Kantonsräte verkleidet in die Olma-Halle gekommen wären, als Training für die ausfallende Fasnacht 2021. Das Training wäre sinnlos, denn bis 2022 ist dessen Effekt verpufft. Maskenball bezieht sich darauf, dass in der Olma Maskenpflicht herrscht. Ausnahmen gibt es nur für das Essen und Trinken, nicht für die Voten. Der Redelust schadet das nicht.

Dafür erlaubt die Maskenpflicht spannende Einblicke in die Vorlieben der Kantonsrätinnen und Kantonsräte. Etwas kann man sagen: Eine überwältigende Mehrheit des Parlaments gehört der hellblauen Fraktion an. Damit sind allerdings nicht die Leicht-Freisinnigen gemeint. Die «Hellblauen» sind die, die Einwegmasken des Grossverteilers bevorzugen. Hier gibt der Autor der Kolumne seine Interessenbindung preis: Montag und Dienstag war er hellblau unterwegs, am Mittwoch weiss mit Schwingerdesign.

Vor allem aus Mitgliedern der SVP – nicht der SP – besteht die rote Fraktion, die mit roten Stoffmasken auftritt. Man findet aber auch in anderen Fraktionen einige «Rote», ohne oder – dies ist die Mehrheit – mit stilisiertem Edelweiss. Das dürfte Werbung für den Schweizer Tourismus sein. Offen ist hingegen, ob die «Grün-Weissen» überhaupt genug Mitglieder - sieben - für eine Fraktion haben.

In der Session haben die «Schwarzen» Mitglieder dazu gewonnen. Seit Anbeginn gehört ihr Kantonsratspräsident Bruno Cozzio an. Vielleicht ist der Entscheid für die «Schwarzen» nur die Folge eines pragmatischen Entscheids: Schwarz passt zu jeder Kleiderfarbe. Zu denken gibt nur, dass die «Schwarzen» seit der Budgetdebatte zahlreicher wurden. Ist das ein dezenter Hinweis, wie sie die finanziellen Aussichten des Kantons beurteilen? Wem dieser Verdacht missfällt, kann sich trösten: Der Finanzdirektor, der sich als Erster ums Geld sorgen müsste, ist standhaft hellblau.