Seit Anfang Jahr hat das Toggenburg wieder eine Kinderärztin

Am Ärztezentrum Neckertal praktiziert seit Jahresbeginn eine Kinderärztin. Die einzige im Toggenburg.

Cecilia Hess-Lombriser
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Timea Steindl praktiziert seit Anfang Jahr im Ärztezentrum Neckertal.

Timea Steindl praktiziert seit Anfang Jahr im Ärztezentrum Neckertal.

Bild: Cecilia Hess-Lombriser

Das Toggenburg vermisste jahrelang eine Fachärztin oder einen Facharzt für Kinder- und Jugendmedizin. Eltern haben bisher mit ihren Kindern die Allgemeinmediziner besucht oder einen längeren Weg nach Wil, Herisau oder Buchs auf sich genommen. Sofern sie überhaupt einen Termin bekamen, denn überall sind die Kapazitäten knapp.

Im Toggenburg entschärft sich die Situation nun etwas. Nachdem Mathias Schmidt Ende November mit 73 Jahren als Hausarzt in St.Peterzell in Pension gegangen ist, praktiziert am Ärztezentrum Neckertal nun eine Kinderärztin. Timea Steindl, Fachärztin für Kinder- und Jugendmedizin, hat ihre Tätigkeit am 6. Januar aufgenommen. Sie hat in Ungarn studiert, an der Kinderklinik in Komló als Kinderärztin gearbeitet, dann in einer eigenen Praxis und in Deutschland sowie seit 2017 in der Schweiz. Gleichzeitig mit dem Stellenantritt im Neckertal hat sie im Hausärztezentrum Speicher-Trogen als Kinderärztin begonnen. Sie arbeitet je in einem 50-Prozent-Pensum in den beiden Partnerzentren.

Ein Allgemeinmediziner wird noch gesucht

Um die Versorgung im Neckertal weiterhin optimal zu gewährleisten, versucht das Ärztezentrum Neckertal zusätzlich auch noch eine Allgemeinmedizinerin zu verpflichten. «Um das ganze Patientenspektrum abzudecken, wäre es auch schön, eine Frauenärztin im Team zu haben», wie Kathrin Wichser, Medizinische Praxiskoordinatorin, sagt.

Timea Steindl empfängt die Journalistin in einem der hellen und grosszügigen Behandlungszimmer des Ärztezentrums im ehemaligen Gemeindehaus in St.Peterzell. Die Kiste mit Spielzeug am Boden, der grosse Teddybär und das Wickelkissen weisen auf ihre kinderärztliche Tätigkeit hin. Sie tritt als freundliche, zurückhaltende Gastgeberin auf und zeigt nach dem Gespräch alle Räume der zweistöckigen Praxis, die modern eingerichtet ist und über ein Labor, Röntgenapparat, Ultraschallgerät und eine Apotheke verfügt. Gehbehinderte Menschen oder Eltern mit Kinderwagen können den Lift benützen.

«Ich bin sehr freundlich aufgenommen worden»

«Wir verfügen über eine gute Einrichtung, die uns eine umfassende Behandlung und Vorsorge ermöglicht», freut sich Timea Steindl. «Ich bin hier sehr freundlich aufgenommen worden. Alle helfen mir und informieren mich über das Notwendige», sagt sie. «Für den fachlichen Austausch möchte ich auf jeden Fall den Kontakt mit den nächsten Kinderärzten, etwa in Wil, aufnehmen», hat sich Frau Steindl vorgenommen.

Noch tröpfeln die Anmeldungen für einen Termin bei der neuen Kinderärztin herein. Eine Kinderärztin in der Nähe zu haben, sei für Eltern sicher beruhigend, gerade wenn es sich um akute Erkrankungen handle. In St.Peterzell seien alle Behandlungen für Babys, Kinder und Jugendliche möglich. «Ich durfte bereits meine erste Kontrolle bei einem einmonatigen Kind machen», strahlt sie. Die Schweizerische Gesellschaft für Pädiatrie empfiehlt zwölf Termine für Kontrolluntersuchungen bis zum Alter von 16 Jahren. «Ich will für die Kinder und die Eltern da sein. Und wir nehmen hier die Kinder herzlich auf», betont die neue Kinderärztin.

Timea Steindl ist jeweils am Dienstag und Freitag den ganzen Tag im Ärztezentrum Neckertal, am Mittwoch jeweils nachmittags. Sie hat Zusatzausbildungen in Homöopathie, Akupressur, Akupunktur und Bioresonanztherapie und bildet sich stetig weiter. Alle ihre Möglichkeiten will sie einbringen. Die wesentliche Entwicklung in der Pädiatrie sei, dass man zurückhaltender mit Antibiotika geworden sei. «Im eigenen Labor können wir in der Blutprobe sofort erkennen, ob ein Antibiotikum angezeigt ist oder nicht.»

Die neue Gegend wandernd erkunden

Steindl hat seit jeher ein Herz für Kinder, ist selber Mutter von zwei Söhnen und Grossmutter eines Enkelkindes. Ihre Erfahrung hilft ihr, die nonverbalen Zeichen eines Kindes zu verstehen und herauszufinden, wo es fehlt. «Es ist schön, Kinder heranwachsen zu sehen, ihnen Liebe zu schenken und sie zu heilen oder den Eltern bei der Prävention beizustehen», erklärt Timea Steindl ihre Motivation.

Das Neckertal will die neue Kinderärztin wandernd erkunden. «Ich wohne in Appenzell und wie ich bemerkt habe, ist das Neckertal ein schönes Wandergebiet, das ich kennen lernen will.» Den Tipp mit dem Baumwipfelpfad in Mogelsberg notiert sie sofort.

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