Seelsorge im Toggenburg läuft weiter – auf neuen Wegen

Gottesdienste sind bis auf weiteres abgesagt, dennoch bieten die Kirchen einiges in der derzeitigen Krisensituation.

Sabine Camedda
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Brennende Kerzen in der katholischen Kirche in Wattwil. Der Raum ist offen für das persönliche Gebet und für die Andacht.

Brennende Kerzen in der katholischen Kirche in Wattwil. Der Raum ist offen für das persönliche Gebet und für die Andacht.

Bild: Urs M. Hemm

Die Schweiz befindet sich in einem Notstand. Wegen der Massnahmen, die der Bund zum Schutz vor Corona-Erkrankungen ergriffen hat, findet auch das öffentliche Leben nicht statt.

Die Schweizer Bischofskonferenz hat entschieden, dass derzeit keine Gottesdienste mehr abgehalten werden. Taufen und Hochzeiten werden verschoben, Trauerfeiern können unter Einhaltung von strikten Auflagen noch stattfinden. Ebenso tönt es von den evangelisch-reformierten Kirchgemeinden: Bis zum 19.April finden keine Gottesdienste mehr statt.

Ostern soll nicht ausfallen

Diese Empfehlungen tangieren die Gläubigen in der Region. Gerade, weil die Frist bis nach Ostern läuft. Denn Ostern sei das wichtigste Fest in der Katholischen Kirche, sagt Pfarrer Andreas Schönenberger von der Seelsorgeeinheit Neutoggenburg. Aus diesem Grund werden die Seelsorger und Mitarbeiter der Seelsorgeeinheit Ostern nicht ausfallen lassen: Ab dem Palmsonntag wird die katholische Kirche in Wattwil geschmückt, wie in anderen Jahren auch.

Spitalseelsorge ist gewährleistet

Andreas Schönenberger ist in Wattwil als katholischer Spitalseelsorger tätig und besucht auch regelmässig die Bewohnerinnen und Bewohner der Seniorenheime. Weil diese derzeit geschlossen sind, fällt ein grosser Teil dieser Besuche weg. Im Notfall könne er aber seine seelsorgerische Tätigkeit sowohl im Spital als auch in den Seniorenheimen ausüben, sagt Andreas Schönenberger. Dass er sich und die Mitmenschen dabei schütze, sei für ihn selbstverständlich. (sas)

«Wir werden Palmen binden und in der Kirche aufstellen. Aber in diesem Jahr sind die Jugendlichen nicht involviert», sagt Andreas Schönenberger. Am Karfreitag wird ein Kreuz aufgestellt, am Ostersamstag das Grab Jesu. «Wir hoffen, dass wir Blumen bekommen werden, um am Ostersonntag die Kirche ebenso schön schmücken zu können wie in den anderen Jahren auch», sagt der Pfarrer weiter.

Erstkommunion abgesagt – Konfirmation ist pendent

Eine Woche nach Ostern – aber immer noch innerhalb der vom Bundesrat festgesetzten Frist für die Massnahmen – ist der Weisse Sonntag. Traditionell finden an diesem Tag Erstkommunionen statt. «Wir haben diese in unserer Seelsorgeeinheit abgesagt und in die zweite Jahreshälfte verschoben. Wir hoffen, dass sich die Situation bis dann wieder beruhigt hat und dass wir dieses Fest würdig feiern können», sagt Andreas Schönenberger.

Die Reformierten der Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg hingegen haben noch nicht über die Durchführung der Konfirmationsgottesdienste Anfang Mai entschieden, doch ein Entscheid dürfte bald fallen. Sowohl Andreas Schönenberger als auch Pfarrer Daniel Klingenberg sind sich einig, dass gerade in einer Situation wie dieser die Seelsorge sehr wichtig ist.

Bedürftigen wird anders geholfen

Die reformierte Kirchgemeinde stellt gemeinsam mit der Organisation «Tischlein deck dich» sicher, dass bedürftige Personen in der Region Wattwil vergünstigt Lebensmittel kaufen können. Lebensmittel würden nicht mehr geliefert, sagt Daniel Klingenberg. Dennoch läuft die Hilfe weiter: Die Kirchgemeinde stellt den Bedürftigen eine Überbrückungshilfe zur Verfügung, damit sie sich weiterhin günstig mit Lebensmitteln versorgen können. (sas)

Aus diesem Grund sind die Kirchen offen für das persönliche Gebet und für die Andacht. In der katholischen Kirche in Wattwil können Kerzen angezündet werden. «Ich denke schon, dass dieses Angebot geschätzt wird», sagt Andreas Schönenberger. Ob aktuell mehr Menschen in die Kirche gehen, kann er aber nicht sagen.

Predigt wird im Internet übertragen

Die Krise biete eine Chance, in der Seelsorge kreativer zu werden, sind sich Daniel Klingenberg und Andreas Schönenberger einig. Der reformierte Pfarrer stellt den Altersheimen Predigten auf Video zur Verfügung und der katholische Pfarrer kann die Eucharistie im Moment nur privat feiern, in Verbundenheit mit den Gläubigen, der Gottesdienst wird digital auf der Website der Seelsorgeeinheit aufgeschaltet.

Ein weiteres Angebot wird sein, Handzettel in der Kirche aufzulegen, damit jeder selber mit biblischen Texten und Gebeten eine Hausfeier gestalten kann. «Wir können hier entsprechend Hilfestellungen bieten», sagt Andreas Schönenberger. Zudem ist wöchentlich ein WhatsApp-Gottesdienst geplant. «Ich empfehle die Websites der entsprechenden Pfarreien, Kirchgemeinden und Seelsorgeeinheiten zu konsultieren. Die Kirchen aller Konfessionen haben neue, zum Teil sehr kreative Wege, wie sie das kirchliche Leben trotz Corona aufrechterhalten können.»

Ökumenische Unterstützung

Gerade für ältere Menschen und jene, die regelmässig in die Kirche gehen, sei die aktuelle Situation schwierig. «Ich rufe einige von ihnen vermehrt an, das wird sehr geschätzt», sagt der katholische Pfarrer. Unterstützung gibt es auch von der Evangelisch-reformierten Kirche. «Es ist wichtig, dass wir die Menschen unterstützen», sagt Daniel Klingenberg. Dabei zählt die Kirchgemeinde Mittleres Toggenburg auch auf Plattformen und Netzwerke von anderen Institutionen. So soll es gelingen, die aktuelle Situation trotz Social Distancing gemeinsam zu meistern.

Ökumenische Osterfenster in Wil, «Hoffnungsworte to go» in Rickenbach und viele weitere Angebote

In der Wiler Altstadt sind ab dem kommenden Sonntag, 22. März, bis zum 20. April die ökumenischen Osterfenster zu sehen. Zwischen dem Finnshop und dem Schulhaus Kirchplatz wird in den Schaufenstern von einem Dutzend verschiedenen Geschäften die Passions- und Ostergeschichte aus Sicht der Jüngerin Maria Magdalena dargestellt. Beim Start liegt ein Informationsblatt auf. Die Organisatoren der Reformierten und der Katholischen Kirchgemeinde Wil bitten die Besucherinnen und Besucher, sich an die jeweiligen Vorgaben des Bundesamts für Gesundheit bezüglich des Corona-Virus zu halten.

In Rickenbach hängen sogenannte Hoffnungsworte an einer Wäscheleine vor der katholischen Kirche. Diese seien zum Mitnehmen und sollen Hoffnung spenden. Ebenfalls können in der Kirche persönliche Anliegen deponiert und Kerzen angezündet werden.

Auch die reformierte Kirchgemeinde Flawil will weiter für die Gläubigen da sein. «Sozial distanziert heisst aber nicht ohne Verbindung zueinander», schreibt Pfarrerin Muhmenthaler. Die Seelsorgenden seien auch in dieser Zeit telefonisch für Gespräche erreichbar. Die Kirchgemeinde stellt zudem eine Einkausfhilfe zur Verfügung. Das Sekretariat koordiniert diese. Wer sich trotz «Social Distancing» mit anderen Gläubigen verbinden möchte, könne täglich um 20 Uhr eine Kerze gut sichtbar ins Fenster stellen und das «Unser Vater» beten.

Die evangelische Kirchgemeinde Unteres streamt bis auf weiteres jeden Sonntag um 9.30 Uhr einen Gottesdienst aus der Kirche Lütisburg auf die Videoplattform Youtube. Der Link ist auf der Webseite der Kirchgemeinde zu finden. Als weitere Massnahme veröffentliche das Pfarrteam auf der Website unter der Rubrik Hoffnungszeichen Texte und Bilder, «die uns in dieser schwierigen Zeit stärken können». Die vier Seelsorgenden Brigitta Schmidt (071 983 15 33), Anselm und Katharina Leser (071 983 15 56) und Fabian Kuhn (079 425 42 73) stünden Rat- oder Hilfesuchenden auch telefonisch oder per E-Mail zur Seite. (sas)

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