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Sechs der zwölf Toggenburger Gemeinden weisen eine hohe Sozialhilfequote auf – daran könnte es liegen

Warum haben gleich mehrere Gemeinden des Toggenburgs eine im Vergleich zum Kanton St.Gallen hohe Sozialhilfequote? Mehrere Statistiken liefern Hinweise und zeigen die Fakten hinter den Zahlen.
Ruben Schönenberger
Trotz höchster Steuerkraft im Toggenburg: Lichtensteig hat eine hohe Sozialhilfequote. (Bild: Sabine Camedda)

Trotz höchster Steuerkraft im Toggenburg: Lichtensteig hat eine hohe Sozialhilfequote. (Bild: Sabine Camedda)

In der Hälfte der Toggenburger Gemeinden ist der Anteil der Sozialhilfeempfänger grösser als im Kanton St.Gallen als Ganzes. Dort liegt die Quote bei 2,2 Prozent. In Neckertal, Lichtensteig, Ebnat-Kappel, Kirchberg, Nesslau und Wattwil liegt sie darüber. Diese sechs Gemeinden sind denn auch allesamt in den Top 15 des Kantons zu finden.

Doch woran liegt es, dass das Toggenburg gleich mit 50 Prozent seiner Gemeinden über dem Kantonsanteil liegt? Als mögliche Erklärung können weitere Zahlen dienen, wie das Amt für Soziales in Zusammenarbeit mit der Fachstelle für Statistik des Kantons St. Gallen ausführt. Ein Blick in die Zahlen zeigt: Sie erklären einiges, aber nicht alles.

Nirgends so viele Langzeitarbeitslose

Kein anderer Wahlkreis im Kanton St.Gallen verzeichnete 2017 mehr Langzeitarbeitslose im Verhältnis zur Gesamtzahl der beim RAV registrierten Arbeitslosen als das Toggenburg. Dazu gehört, wer bereits länger als ein Jahr arbeitslos ist. Der Anteil liegt im Toggenburg bei 15,5 Prozent, kantonal bei 13,9 Prozent. Wer länger arbeitslos ist, läuft eher Gefahr, Sozialhilfe beziehen zu müssen. Beim Blick auf die Gemeinden zeigt sich: Fünf der sechs Gemeinden mit einer höheren Sozialhilfequote als der Gesamtkanton liegen auch bei dieser Statistik über dem kantonalen Anteil. Kirchberg liegt mit 11,8 Prozent jedoch deutlich darunter. Auf der anderen Seite weist Hemberg mit 23,5 Prozent einen hohen Anteil Langzeitarbeitsloser aus, ohne dass die Sozialhilfequote besonders hoch wäre (1,4 Prozent). In der einwohnermässig kleinsten Gemeinde des Toggenburgs ist dieser Anteil aber mit Vorsicht zu geniessen.

Vergleichsweise alter Wohnungsbestand

Tendenziell sind ältere Wohnungen günstiger als neue. Wer also Sozialhilfe bezieht, wohnt eher in jenen Gemeinden, die einen älteren Wohnungsbestand aufweisen. Der Wahlkreis Toggenburg wies 2017 im Kantonsvergleich den zweitkleinsten Anteil an Wohnungen auf, die nach 2010 erstellt wurden (5,9 Prozent). Auffällig hier: Die sechs Gemeinden, die kantonsweit am wenigsten neue Wohnungen aufweisen, liegen allesamt im Toggenburg. Unter ihnen sind mit Nesslau, Neckertal und Lichtensteig auch drei jener Gemeinden, die eine vergleichsweise hohe Sozialhilfequote ausweisen. Über dem Kantonsanteil von 8 Prozent liegen vier Toggenburger Gemeinden. Auch hier fällt Kirchberg wieder etwas aus der Reihe. Trotz 9,3 Prozent neuerer Wohnungen liegt die Sozialhilfequote hier über dem Kantonsanteil.

Wohnraum ist nirgends so günstig

Dass ein vergleichsweise alter Wohnungsbestand zu tieferen Preisen führt, zeigt auch die Betrachtung der durchschnittlichen Mietpreise. Im Wahlkreis Toggenburg kostete eine 3-Zimmer-Wohnung 2016 im Schnitt 994 Franken. In keinem anderen Wahlkreis gibt es drei Zimmer im Schnitt für unter 1000 Franken. Wer wenig Geld zur Verfügung hat, ist also gut beraten, ins Toggenburg zu ziehen. Für Hemberg und Oberhelfenschwil liegen in dieser Statistik keine Zahlen vor, alle anderen Gemeinden liegen unter dem Kantonsschnitt von 1131 Franken. Grössere Haushalte mit wenig Einfluss In ländlichen Räumen sind nach Auskunft der Statistiker die Haushalte tendenziell grösser. Das wiederum vergrössere die Wahrscheinlichkeit, dass ein vorhandenes Einkommen nicht für die Versorgung des ganzen Haushalts reiche. In der Tat zeigt sich, dass der Wahlkreis Toggenburg – zusammen mit Wil und Werdenberg – die grösste durchschnittliche Haushaltsgrösse ausweist. 2,4 Personen wohnen im Mittel in einem Toggenburger Haushalt. Kantonsweit sind es allerdings mit 2,3 nur unwesentlich weniger. Der Blick auf die Gemeinden zeigt denn auch, dass die Korrelation zwischen Haushaltsgrösse und Sozialhilfequote schwach ist. Die drei Toggenburger Gemeinden mit den grössten Haushalten – Lütisburg (2,7), Mosnang (2,7) und Oberhelfenschwil (2,6) – gehören alle nicht zu den Gemeinden mit den vergleichsweise höheren Quoten bei der Sozialhilfe.

Höhere Löhne gibt es für höhere Abschlüsse

Für fast ein Viertel der über 25 Jahre alten Toggenburger (24 Prozent) ist der Abschluss nach der obligatorischen Schulzeit der letzte, den sie erlangt haben. Dies erschwert gemäss Amt für Soziales den Zugang zu Beschäftigungen mit höheren Löhnen. Kantonsweit liegt der Anteil bei 21,8 Prozent. Von den anderen Wahlkreisen kommt am ehesten noch das Werdenberg in die Nähe des Toggenburgs (23 Prozent). Allerdings zeigt sich beim Blick auf die Gemeinden ein gemischtes Bild. Neckertal weist mit 18 Prozent einen relativ tiefen Anteil aus, hat aber trotzdem verhältnismässig viele Sozialhilfebezüger. In Bütschwil-Ganterschwil (29,7 Prozent) und Mosnang (29,6 Prozent) ist der umgekehrte Fall feststellbar. Ein Abschluss auf Sekundarstufe 1 mag also die Wahrscheinlichkeit eines hohen Lohns verhindern, als Erklärung für die Sozialhilfequoten taugt die Statistik nur bedingt.

Geringe Steuerkraft in allen Gemeinden

Das vermutlich deutlichste Bild zeigt sich bei der Steuerkraft. Der Steuerertrag pro Kopf liegt im Toggenburg bei 1631 Franken, im ganzen Kanton bei 2183 Franken. Sämtliche Toggenburger Gemeinden liegen unter dieser Zahl, die sieben letzten Plätze im Kanton belegen ausschliesslich Gemeinden aus dem Thur- und Neckertal.

Eine Erklärung für die hohen Sozialhilfequoten liefern die Statistiken also nur bedingt. Bei einzelnen ist schon die Korrelation schwammig, bei anderen zumindest die Kausalität schwierig festzustellen. Und selbst wenn die Hälfte der Toggenburger Gemeinden vergleichsweise hohe Sozialhilfequoten ausweist, lässt sich doch auch weiterhin festhalten: Der Wahlkreis insgesamt weist exakt die gleiche Quote aus wie der Gesamtkanton und konnte seine Position im Vorjahresvergleich sogar verbessern.

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