Schwierige Situation für Kälbermäster

Ein sinkender Milchkuhbestand bedeutet weniger Kälber: Diese Situation erschwert den Kälbermästern das Leben. Hinzu kommen höhere Einstandspreise und sinkende Erträge – das macht ihnen zu schaffen.

Adi Lippuner
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Die beiden Mastkälber, aufgenommen anlässlich der Winterfachtagung der St.Galler Kälbermäster, fühlen sich auf dem Stroh in ihrem Stall sichtlich wohl. (Bild: Adi Lippuner)

Die beiden Mastkälber, aufgenommen anlässlich der Winterfachtagung der St.Galler Kälbermäster, fühlen sich auf dem Stroh in ihrem Stall sichtlich wohl. (Bild: Adi Lippuner)

Die Jahresversammlung der Rindviehhalter ohne Verkehrsmilchproduktion (ROV), wie der Verein der St.Galler Kälbermäster bezeichnet wird, fand am Donnerstagabend im Hotel Schönenboden in Wildhaus statt. Während andernorts die Fasnachtsnarren ihr Unwesen trieben, befassten sich die 24 Mitglieder und eine grosse Zahl Gäste mit den Schwierigkeiten, welche die Produzenten von Schweizer Kalbfleisch zu bewältigen haben.

Gemäss Präsident Wendelin Jud, Necker, ist für das Berggebiet, und dazu zählt das Toggenburg, die Kälbermast ein wichtiger Erwerbszweig der Landwirte. Wer sich für die Kälbermast entscheide, mache dies meist, weil zum Landwirtschaftsbetrieb Hänge in schattigen Lagen gehören. «Diese können nicht ständig beweidet werden, was bei der Haltung von Mutterkühen oder Rindermast, vor allem dem Natura-Beef nötig ist.»

Auswirkungen der tiefen Milchpreise

Beim Kälbermäster sind die Tiere im Stall und haben eine Freilaufmöglichkeit. Deshalb habe sich dieser Erwerbszweig für die Berggebiete seit Jahrzehnten bewährt. «Ich selbst habe 30 Jahre Erfahrung mit dem Mästen von Kälbern und sehe nun, dass zahlreiche Probleme auf uns zukommen.»

Wenn der Schlachtpreis, den die Mäster für ihre Kälber erzielen können, nicht mehr stimme, komme es irgendwann zu einer finanziellen Schieflage des Betriebs. «Dies kennen wir schon bei der Milchproduktion. Die seit längerer Zeit anhaltend tiefen Milchpreise haben dazu geführt, dass viele Landwirte ihre Produktionsform umstellten. Markant weniger Milchkühe, die jedes Jahr ein Kalb zur Welt bringen führt dazu, dass wir Kälbermäster die Tiere zu überhöhten Preisen beschaffen müssen.»

Dazu komme, dass die vorhandenen Kälber, je nach Eignung, für die Munimast oder eines der zahlreichen Label-Programme verkauft werden. Dabei habe jeder Händler und Vermarkter seine eigene Preisphilosophie und die Mäster erhalten nur noch Tiere, die sich nicht für andere Kanäle eignen. «Eigentlich gäbe es ein Versprechen der Branchenorganisation, sich an marktgerechte Preise zu halten, doch dies ist offenbar wieder vergessen.»

Vertrauensverhältnisse pflegen

Ein möglicher Ausweg aus dem Dilemma sieht Wendelin Jud in der direkten Zusammenarbeit mit den Milchbauern. «Für uns wäre es wünschenswert, die Tränkekälber direkt von einem Berufskollegen, also ab dem Geburtsbetrieb, kaufen zu können. So wüssten wir, woher die Tiere stammen und könnten auch faire Preise aushandeln.»

Weiter kritisiert der Präsident die Tatsache, dass die Fleischpreise in den Geschäften gleichbleibend hoch sind, die Konsumenten also nicht von den tieferen Schlachtpreisen, welche die Produzenten verkraften müssen, profitieren. «Es ist deshalb nicht erstaunlich, wenn immer mehr Bauern die Kälbermast aufgeben und dort, wo es die Betriebsstruktur erlaubt, auf Rinderzucht oder Mutterkuhhaltung umstellen.»

Öffentlichen Markt beibehalten

Bis nach der Jahrtausendwende wurde der wöchentliche Kälbermarkt in Lichtensteig durchgeführt. Die engen Platzverhältnisse führten dazu, dass nach neuen Lösungen gesucht wurde. Die Idee, in Wattwil eine Markthalle zu erstellen, begann mit der Gründung einer Interessengemeinschaft und einer ersten Sitzung im Mai 2002.

Bereits im Oktober 2003 wurde die Genossenschaft Markthalle Toggenburg gegründet. Der Spatenstiche erfolgte im Dezember 2004 und ein knappes Jahr später, im September 2005 konnte der neue Bau dann eingeweiht werden.

Toni Huber, Oberhelfenschwil, «ein Mann der ersten Stunde» und langjähriger Genossenschaftspräsident rief den Kälbermästern die Tatsache in Erinnerung, dass der montägliche Kälbermarkt seinerzeit Auslöser für den Bau der Markthalle war. «Es ist wichtig, dass dieser öffentliche Markt beibehalten wird und genügend Tiere aufgeführt werden. Wenn wir auf den öffentlichen Markt verzichten, begeben wir uns noch stärker in die Abhängigkeit der Händler.» (adi)