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Interview

Schweizermeisterin im Handmähen aus dem Toggenburg: «Auf hohem Niveau darf Handmähen als Sport bezeichnet werden»

Iris Aebli aus Mogelsberg ist neue Schweizermeisterin im Handmähen. Sie gewinnt den Titel erstmals in ihrer elfjährigen Karriere. Ihr nächstes Ziel: Europameisterin zu werden.
Urs Nobel
«Handmähen hat sich zu einer ernst zu nehmenden Sportart entwickelt», sagt Schweizer Meisterin Iris Aebli. (Bild: Urs Nobel)

«Handmähen hat sich zu einer ernst zu nehmenden Sportart entwickelt», sagt Schweizer Meisterin Iris Aebli. (Bild: Urs Nobel)

Im Beruf ist die 27-jährige Mutter einer dreijährigen Tochter Hausfrau und Bäuerin. Ihre Leidenschaft in der Freizeit gilt dem Handmähen. Iris Aebli besucht alle Wettkämpfe in der Schweiz und ist auch Mitglied der Schweizer Nationalmannschaft.

Wie kommt es dazu, dass Sie sich nebst Ihrer eigentlichen Tätigkeit als Mutter und Bäuerin noch der Sportart Handmähen verschrieben haben?

Iris Aebli: Ich stamme ursprünglich aus Hemberg und dort nahm mich eine Bekannte, welche bereits an Wettkämpfen im Handmähen teilnahm, mit und so hat es auch mich gepackt. Ich habe schnell Freude daran bekommen. Handmähen war für mich nicht neu, zumal ich als Kind oft im elterlichen Betrieb mitarbeitete und dies beim Mähen oft mit der Sägesse an den Wiesenrändern.

Trainieren Sie Handmähen speziell oder genügt in Ihrem Fall die Arbeit, welche Sie nebst dem Haushalt auf dem Hof ausüben?

Handmähen hat sich in den vergangenen Jahren zu einer Sportart entwickelt, in welcher man, ohne etwas dafür zu tun, keine Chancen auf einen der vorderen Ränge mehr hat.

Was tun Sie also, um Erfolge feiern zu können?

Ich mache viel im Ausdauerbereich. Da hilft mir natürlich alleine schon die Arbeit im Stall. Dann verfüge ich aber unterdessen schon über einiges an Erfahrung, was mir hilft, mit den Besten um die vordersten Ränge zu kämpfen.

Dieses Jahr haben Sie nicht nur mitgehalten, sondern sind erstmals Schweizer Meisterin geworden. Was war nötig, dass Sie nach elf Jahren erstmals beste Schweizer Handmäherin geworden sind?

Die Routine und Erfahrung haben wir bereits angesprochen. Wichtig für dieses Jahr war jedoch, dass ich einen Materialwechsel vorgenommen habe. Dank der grösseren Breite des Sensenblattes (125 cm, Anm. der Red.) bin ich der Konkurrenz leicht überlegen. Und weil ich unseren Kühen und Geissen das Futtergras täglich stets von Hand schnitt, bin ich zu viel mehr Training gekommen, was sich letztendlich ausbezahlt hat.

Wie bereiten Sie sich am Wettkampf jeweils vor?

Wir Teilnehmer wissen so ziemlich genau, wann wir drankommen. Dann wird als Wichtigstes zuerst die Sense gewetzt um mich anschliessend, wie in jedem anderen Sport auch, aufzuwärmen.

Dabei achte ich darauf, dass mein Puls hoch ist, gleichzeitig die Nervosität jedoch abgebaut werden kann.

Und dann wird gemäht?

Ja, und an jedem Wettkampf ist es ein bisschen anders. In Herisau beispielsweise hatte ich eine Wiese von 15 Metern Länge und 2,60 Metern Breite zu mähen. Dabei wird die Zeit gemessen und der oder die Schnellsten dürfen sich als Tagessieger feiern lassen.

In Herisau kam ich auf knapp 50 Sekunden, um alles zu mähen.

Dies reichte für den zweiten Schlussrang. In Rothenthurm wird über 18 Meter Streu gemäht und dafür benötigte ich 1,34 Minuten. Dies reichte wiederum für den zweiten Rang. An derartigen Wettkämpfen in der Schweiz nehmen in der Regel gegen 60 Frauen teil.

Als Mitglied der Nationalmannschaft bestreiten Sie auch Europa- und Weltmeisterschaften. Finden derartige Events jedes Jahr statt?

Dieses Jahr war ein EM-Jahr und es fand in Österreich statt. Nächstes Jahr dann die Weltmeisterschaft. Diese beiden Veranstaltungen wechseln sich alle zwei Jahre ab.

Und Sie? Was haben Sie an der EM für ein Resultat erreicht?

Ich bin in Österreich Sechste geworden.

Eine ganz andere Frage: Haben Ihnen die Gemeindebehörden von Neckertal schon zu Ihrem Schweizer-Meister-Titel gratuliert?

Das ist genau heute geschehen. Ich bekam einen Anruf von der Gemeindekanzlei.

Wie würden Sie einen Anlass, an dem Handmähen auf dem Programm steht, bezeichnen? Eher eine Sportveranstaltung oder ein Folkloreanlass?

Von beidem etwas. Handmähen auf hohem Niveau darf als Sport bezeichnet werden. Am Anlass selber geht es aber oft sehr gemütlich und auch folkloristisch zu und her.

Zu gewinnen für die Teilnehmer gibt es Lorbeerkränze und Naturalgaben. Blicken Sie diesbezüglich nicht manchmal neidisch zu Ihren Kollegen, die schwingen hinüber?

Ich bestreite die Sportart Handmähen mit viel Herzblut und mein Ziel ist es immer, einen Kranz zu ergattern. Ich freue mich zudem auch an Naturalgaben. Ich besitze zwischenzeitlich sechs sehr schön verarbeitete Stabellen, etliche kunstvoll hergestellte Wanduhren sowie hilfreiche Haushaltsgeräte. Von Neid auf die Schwinger kann also keine Rede sein.

Sie sind erstmals Schweizer Meisterin geworden. Was ist in Ihrem Fall noch alles möglich?

Europameisterin zu werden.

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