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Serie

Schwanden – Zwischen Wasserfluh und Oberhelfenschwil: Ein unbeschriebenes Blatt Papier

Über den Weiler Schwanden bei Oberhelfenschwil gibt es keine geschichtlichen Aufzeichnungen. Gleichwohl ist es ein lebenswerter Ort.
Urs M. Hemm
Der Weiler Schwanden gehört zur Gemeinde Oberhelfenschwil und liegt zwischen dem Thur- und dem Neckertal auf 894 Meter über Meer. (Bild: Urs M. Hemm)

Der Weiler Schwanden gehört zur Gemeinde Oberhelfenschwil und liegt zwischen dem Thur- und dem Neckertal auf 894 Meter über Meer. (Bild: Urs M. Hemm)

Beschaulich führt die Strasse durch den Wasserfluhwald mit der Ruine der Neutoggenburg zur Rechten. Bald lichtet sich der Wald und macht einer weiten Aussicht auf Teile Lichtensteigs und das Thurtal Platz. Nach ungefähr eineinhalb Kilometern durch sattgrünes Weidland und vorbei an den Gehöften Graben und Bergli ist das Ziel erreicht: der Weiler Schwanden.

Diese kleine Ansammlung von 13 Gebäuden liegt auf dem Bergrücken zwischen dem Thur- und dem Neckertal und in Sichtweite von Oberhelfenschwil, zu dessen Gemeindegebiet der Weiler gehört.

Man hilft sich unter Nachbarn

Klara und Nikolaus Lacher. (Bild: Urs M. Hemm)

Klara und Nikolaus Lacher. (Bild: Urs M. Hemm)

Heute leben fünf Familien dauerhaft in Schwanden – Ferienwohnungen gibt es hier keine. Seit den frühen Sechzigerjahren wohnen Nikolaus und Klara Lacher in Schwanden. «Wir leben hier auf dem Land, sind aber in ein paar Minuten mit dem Auto in Wattwil», erläutert Klara Lacher die Vorteile ihres Wohnorts. Und im Winter? Klara Lacher schmunzelt und deutet auf ihren Mann. «Nikolaus arbeitet bei der Firma, die von der Gemeinde den Auftrag bekommen hat, hier den Winterdienst zu versehen. Ich habe also mit meinem Mann auch immer ein Pfadschiff zu Hause, das mir den Weg frei räumen kann.» Auch die Nachbarn würden bei Bedarf von diesem glücklichen Umstand profitieren. «Es kommt immer mal wieder vor, dass in strengen Wintern ein Schneerutsch oder eine Schneeverwehung die Strasse versperrt. Wenn jemand trotzdem fahren muss, kann man mich jederzeit erreichen. Hier hilft man sich unter Nachbarn», sagt Nikolaus Lacher. Von Berufes wegen, müssten die meisten regelmässig weg von Schwanden. «Es gibt hier zwar noch landwirtschaftliche Betriebe, doch davon alleine leben kann keiner mehr», sagt Nikolaus Lacher.

Hinter den Baumwipfeln befindet sich Oberhelfenschwil. (Bild: Urs M. Hemm)

Hinter den Baumwipfeln befindet sich Oberhelfenschwil. (Bild: Urs M. Hemm)

Sind die Möglichkeiten für einen Nebenverdienst heute in der Stadt zu finden, war es gegen Ende des 19., Anfang des 20. Jahrhunderts in Schwanden – wie auch in zahlreichen anderen Weilern und Dörfern im Toggenburg – die Stickindustrie, die für den nötigen Nebenerwerb sorgte. «Bis in die frühen 30er-Jahre gab es hier in Schwanden noch fünf Sticklokale», weiss Nikolaus Lacher. Was danach geschehen ist, sei leider nicht überliefert.

Das einzige Gewerbe, das in späterer Zeit in Schwanden noch erfolgreich gewesen war, sei eine Familienherberge gewesen, die im Nachbarhaus der Lachers von den späten 60er-Jahren bis Anfang der 90er-Jahre betrieben wurde. «Es war vergleichbar mit den heutigen Reka-Feriendörfern, wo Familien günstig Ferien machen konnten», erzählt Klara Lacher. Die Mutter von Nikolaus Lacher habe dort sogar eine gewisse Zeit lang geputzt und war für den Unterhalt des Gebäudes zuständig. Den Grund, warum die Herberge damals geschlossen wurde, kenne sie aber nicht. Auf jeden Fall sei das Haus verkauft worden und werde jetzt privat genutzt, sagt sie. Überhaupt ist über den Weiler Schwanden in den Geschichtsbüchern fast nichts zu finden.

War Schwanden einst ein Übergang vom Thur- ins Neckertal? (Bild: Urs M. Hemm)

War Schwanden einst ein Übergang vom Thur- ins Neckertal? (Bild: Urs M. Hemm)

Selbst der Oberhelfenschwiler Dorfchronist Johann Kalousek hat keine Informationen zu der Siedlung nahe der Ruine Neutoggenburg. Zwar ist in einigen wenigen Quellen der Ort erwähnt. So findet sich beispielsweise in einem Schriftstück aus dem Jahr 1268 «Rvdolfus de Swandon», in einer anderen Quelle aus dem Jahr 1416 ist von einem Gut die Rede, dass «genant dz Lochli zwischant Loch und Schwanden gelegen» ist. Besser bekannt – und geschichtlich belegt – ist, dass Ende des 12., Anfang des 13. Jahrhunderts die Grafen von Toggenburg in unmittelbarer Nähe des Weilers Schwanden eine Burg, die Neutoggenburg errichtet haben.

Schwanden

Nachdem die Burg während der folgenden Jahrhunderte mehrmals den Besitzer gewechselt hatte, wurde sie Mitte des 15. Jahrhunderts endgültig aufgegeben und dem Zerfall preisgegeben. Von Nutzen war sie jedoch noch den Bewohnern der Wasserfluh, welche die Ruine als Steinbruch gebrauchten und die Steine zum Häuserbau verwendeten. Erst 1936 wurde mit der Konservierung der Überreste begonnen und archäologische Ausgrabungen wurden gemacht.

Bedeutung des Weilers bleibt völlig unbekannt

Während Aufstieg und Niedergang der Neutoggenburg hinreichend überliefert ist, bleibt die Rolle Schwandens gänzlich im Dunkeln. Spekuliert wird, dass der Weiler an einer Verbindungsroute zwischen dem Necker- und dem Thurtal lag. Dem widerspreche laut Johann Kalousek, dass Schwanden (894 Meter über Meer) höher als Oberhelfenschwil (805 Meter über Meer) oder die Wasserfluh (848 Meter über Meer) gelegen ist. Es sei unlogisch, den anstrengenderen Weg über den Berg zu wählen, wenn es gleich zwei andere, leichtere Alternativen gebe, sagt er.

Für Klara und Nikolaus Lacher sowie den anderen Bewohnern von Schwanden ist der geschichtliche Hintergrund des Weilers nicht entscheidend. «Wichtig ist, dass wir uns wohl fühlen und die Ruhe hier oben geniessen können», sagt Klara Lacher.

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