Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Premiere in Dicken: Schutzengel Abbigail greift durch

Über das Wochenende brachte die Theatergruppe Dicken in der Mehrzweckhalle ihre zweite abendfüllende Produktion drei Mal auf die Bühne. Doch ein paar zusätzliche Proben hätten den «Ängel uf Umwäg» nicht geschadet. Die Premiere misslang gründlich.
Michael Hug
Abbigail (Luzia Eicher, rechts) stellt die Zeit zurück: Gothic-Girl Dani (Vreni Schläpfer, links) und der wiederbelebte Lukas Stammer (Rolf Helg). (Bild: Michael Hug)

Abbigail (Luzia Eicher, rechts) stellt die Zeit zurück: Gothic-Girl Dani (Vreni Schläpfer, links) und der wiederbelebte Lukas Stammer (Rolf Helg). (Bild: Michael Hug)

Da läuft etwas schief auf der Erde, müssen Abbigail und Traugott, Schutzengel im Dienste des «obersten Chefs», leider feststellen. Die beiden sitzen auf Wolke Sieben – auf einem Podest im hinteren Teil der Halle – und beobachten das Geschehen in der Stube der Familie Stammer auf der gegenüberliegenden Bühne.

Einiges läuft nicht rund

Hier ist erst grad vor einigen Tagen Emmy Stammers Sohn Lukas tödlich verunfallt, was Emmy hart getroffen hat. Trauerstimmung herrscht, und dazu passt auch ganz gut das Gothic-Punk-Girl Dani, das bei Emmys Tante Isabella eine zweiwöchige Sozialstrafe wegen Diebstahls abarbeiten muss.

Isabella aber kann ganz gut selbst für sich sorgen. Sie verbringt die Zeit mit Stalking durch das Stubenfenster und bekommt nebst unmoralischen Kussszenen und ordnungswidrigen Hundeversäuberungen einen Banküberfall mit.

Es ist einiges los bei Stammers, aber es läuft nicht so, wie es laufen sollte. Deshalb greifen Schutzengel Abbigail (Luzia Eicher) nach der endlich erteilten Erlaubnis des Chefs, zur Erde zu fliegen, und ihr etwas zu früh in die Wolken abdetachierte Kollege Traugott (Rolf Helg) ein. Soweit die Handlung.

Die Souffleuse hat viel zu tun

Es lief jedoch nicht nur im Stück etwas schief, sondern auch in der Vorstellung. Holperer und Textausfälle häuften sich, die Souffleuse (Heidi Meier) hatte viel zu tun. Auf die Szenen im Wolkenhimmel konnte sie nicht zugreifen, deshalb hatte sich Rolf Helg das Textbuch vor sich zurechtgelegt.

Mühe, ins Spiel zu kommen, hat Myrta Schönenberger als Isabella, auch sie sowie Margrit Böni als Emmy hätten noch einige Proben gebraucht, um in ihrem Text standfest zu sein.

War die Aufführung vielleicht etwas zu früh angesetzt oder der Beginn der Proben im Frühling zu spät? Haben einige Darstellende ihren Textumfang doch etwas unterschätzt? Oder glaubten Traugott und Emmy tatsächlich, der Zuschauende merkt nicht, dass sie ihre Dialoge ablesen?

Alle spielten im gleichen Ton

Nachlässig gelernte Texte waren das eine, schlecht interpretierte Rollen das andere. Rollen Charakter zu geben, war die Aufgabe der Regie von Conny und Norman Schönenberger. Doch die führende und kreative Hand fehlte. So spielten die Darstellenden alle im gleichen Ton, gleichem Tempo, gleichen Gehabe.

Das wirkte vor allem bei Dani völlig deplaziert, obwohl Vreni Schläpfer in ihrer Rolle den sichersten Eindruck machte. Unter vorgehaltener Hand konnte man hören, dass die Co-Regisseurin in den Proben zu viel «reingeredet» habe. Doch wer sonst – wenn nicht die Regie – darf, ja muss, während der Proben eingreifen, richtigstellen, Anweisungen geben?

Ein gelungenes Stück baut auf Kompetenz und Kreativität der Regie. Das Regie-Duo hat es besser gewusst, aber das Ensemble hat nicht auf sie gehört.

Auch Engel können eine schlechte Vorstellung nicht retten

Das zeigt auch die Tatsache, dass die Theatergruppe bei ihrer ersten grossen Produktion 2016 um Grössenordnungen besser spielte, mit der gleichen Regisseurin, doch teilweise anderen Darstellenden. Der laue Applaus nach gut zwei Stunden in der nur zur Hälfte vollen Halle am Freitagabend sagte es deutlich: Diese Vorstellung war ein Probendurchlauf, keine Premiere.

Auch nach Abzug des Laien-Bonus muss eine Theateraufführung noch Freude bereiten. Zumindest erreichte Schutzengel Abbigail ihr Ziel und konnte das Geschehene in der Familie Stammer zurechtrücken. Einfach das Rad der Zeit – und nicht nur um eine Stunde! – zurückdrehen, dann werden Tote wieder lebendig und alle sind glücklich. Aber eine schlechte Vorstellung können auch Engel nicht ins Gute drehen.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.