Schulratspräsidenten-Wahl in Lütisburg: Marianne Burger Studer ist keine Alibikandidatin

Die Wahl des neuen Schulratspräsidenten in Lütisburg verspricht Spannung, da Marianne Burger Studer wild kandidiert. Chancenlos ist sie keinesfalls.

Timon Kobelt
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Timon Kobelt, Redaktor Toggenburger Tagblatt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Timon Kobelt, Redaktor Toggenburger Tagblatt. (Bild: Hanspeter Schiess)

Lütisburg braucht einen Neuanfang. Nach den Streitereien zwischen Schul- und Gemeinderat beim Projekt Primarschule Lütisburg 2020plus sollen die Räte geeint ein neues Turnhallenprojekt aufgleisen. Auch die Forderung nach einer Einheitsgemeinde schwebt so hartnäckig über dem Dorf wie Pulverdampf nach einer Schlacht.

Geht es nach dem abtretenden Schulratspräsidenten Josef Rütsche, beginnt der Neuanfang mit der Wahl seiner Nachfolge. Diese bestimmen die Lütisburger Bürgerinnen und Bürger am kommenden Sonntag. Mit seinem Rücktritt möchte er den Weg in eine ruhige und unbelastete Zukunft freimachen, so Rütsche.

Der Neffe will es richten

Ruhig verlief dann auch der «Abstimmungskampf»: Es gab nur eine offizielle Kandidatur. Werner Scherrer, Josef Rütsches Neffe, will vom Gemeinderat an die Spitze der Schule wechseln. Der 44-Jährige bringt Führungserfahrung aus der Privatwirtschaft und der Verwaltung mit. Ausserdem ist der dreifache Familienvater in diversen Vereinen aktiv und im Dorf vernetzt.

Ist die Wahl also reine Formsache? Mitnichten. Kurz nach dem Versand der Wahlunterlagen gab die 56-jährige Marianne Burger Studer bekannt, mit einer wilden Kandidatur ins Rennen zu steigen. Das Timing und die Tatsache, dass ihr Name nicht auf dem Wahlzettel steht, dürften bei ihrer Kandidatur die grössten Nachteile sein. Denn die ehemalige Schulleiterin ist keine Alibikandidatin. Mit ihrem gut gefüllten Rucksack aus dem Schulwesen und ihrem Gespür für ehrliche und präzise Kommunikation erfüllt sie die Anforderungen an das Amt. Da sie in Lütisburg noch keinem Gremium angehörte, steht sie eindeutiger für einen Neuanfang als Werner Scherrer.

Dieser wurde als Gemeinderat in die Baukommission delegiert, welche schon «PSL 2020plus» ausgearbeitet hat. Ausserdem steht er Josef Rütsche als dessen Neffe nahe. Ob Lütisburg unter diesen Voraussetzungen von der Personen- auf die Sachebene findet, ist zumindest zweifelhaft.

Zweiter Wahlgang nicht unwahrscheinlich

Dem gegenüber steht, dass Werner Scherrer sich in seinem Leben unermüdlich für Lütisburg und die Jugend eingesetzt hat und dies bestimmt auch als Schulchef tun würde. Zweifellos ist der Turner aufgrund seiner offiziellen Kandidatur in der Pole-Position, wobei auch ein zweiter Wahlgang nicht unwahrscheinlich ist. Ein solcher würde die Ausgangslage nochmals verändern, da am 19. Mai wegen der eidgenössischen Abstimmungen mehr Leute an die Urne gehen.

Eines ist klar: Der neue Schulchef der Brückengemeinde wird Ausdauer brauchen. Dass Lütisburg – besser früher als später – den Weg zur Einheitsgemeinde beschreitet, wird seine Hauptaufgabe sein. Gelingt dies, bleibt zu hoffen, dass alle Verantwortlichen dann nicht nur auf dem Papier, sondern buchstäblich eine Einheit bilden.

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