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Interview

Schulratspräsident Christian Rufer nach 100 Tagen im Amt: «Ich sehe die Schule als ein Ganzes»

Christian Rufer hat Anfang März in Ebnat-Kappel das Amt des Schulratspräsidenten angetreten. In den ersten 100 Tagen im Amt gewann er viele neue Eindrücke und er sagt jetzt, warum er sich auf das übernächste Schuljahr freut.
Sabine Camedda
Christian Rufer fühlt sich wohl im Büro des Schulratspräsidenten von Ebnat-Kappel. (Bild: Sabine Camedda)

Christian Rufer fühlt sich wohl im Büro des Schulratspräsidenten von Ebnat-Kappel. (Bild: Sabine Camedda)

Sie waren im Winter als Nationalcoach der Snowboarder unterwegs, seit Anfang März sitzen Sie vorwiegend in Ihrem Büro im Gemeindehaus. Was haben Sie bei diesem Wechsel nicht erwartet?

Christian Rufer: Es stimmt, ich habe von einer Arbeit, die sich vorwiegend draussen abgespielt hat, in einen Bürojob gewechselt. Das war aber bei dem Frühling, wie wir ihn hier erlebt haben, nicht unbedingt negativ.

Da ich in etwa gewusst habe, was meine neue Aufgabe mit sich bringt, gab es nichts Unerwartetes. Ich hatte auch kaum Möglichkeiten, um mir zu überlegen, ob etwas ungewohnt ist. Das ganze Tagesgeschäft war für mich neu und so war ich aufmerksam und auch das etwas Unattraktivere war noch spannend. Diese ersten drei Monate sind für mich wie vorbei geflogen.

Wie haben Sie die Schule und die Arbeit des Schulrats kennen gelernt?

Das Tagesgeschäft läuft vor allem über die Schulleiter, mit denen ich mich intensiv austausche. Die Berührungspunkte mit dem Schulrat sind die Sitzungen, von denen wir in der Regel eine im Monat haben. Dazu arbeite ich in besonderen Projektgruppen mit. Alle Begegnungen in diesen Gremien, mit Eltern und Lehrern waren von einem sehr guten Umgang untereinander geprägt und ich denke, wir arbeiten gut zusammen.

Im Wahlkampf sagten Sie, dass Sie die Schule aus Sicht des Vaters kennen. Jetzt haben Sie die Sicht des Schulratspräsidenten. Wie unterschiedlich sind diese?

Als Vater sieht man die Schule von aussen. Die Kinder erzählen, was sie erlebt haben, dazu gibt es wenige Schulbesuche und Elterngespräche. Als Schulratspräsident bin ich vor allem auf der Führungsebene tätig, ich arbeite eng mit der Schulverwaltung und mit den Schulleitungen zusammen.

Aber ich verkehre nicht dauernd im Lehrerzimmer. Somit habe ich auch in der Innensicht einen anderen Platz. Ich sehe nicht, was die einzelnen Schüler und Lehrer erleben, sondern wie die Schule als ein Ganzes funktioniert. Der Kontakt zu den Lehrpersonen ist mir aber wichtig und ich werde diesen im neuen Schuljahr intensivieren.

Ihr Amtsantritt war rund drei Monate vor Ende des Schuljahrs. Inwiefern haben Sie den Fokus schon auf das neue Schuljahr gelegt?

Ich kam in einen Auslaufprozess hinein und beschäftigte mich beispielsweise mit Arbeitsverträgen, die auslaufen oder die neu gemacht werden mussten. Ich musste also nicht sofort etwas Neues entwickeln, sondern konnte Grundsätzliches verstehen lernen und parallel dazu das neue Schuljahr planen.

Dann wird das nächste Schuljahr 2020/21 Ihr erstes selbst geplantes Schuljahr?

Genau, das wird das Schuljahr sein, das ich in seinem ganzen Umfang, inklusive der Planung, erlebe. Nächstes Jahr um diese Zeit habe ich ein ganzes Jahr durcherlebt und durchbegleitet.

Bis zu diesem Zeitpunkt wird im Wier das neue Schulhaus gebaut. Wie häufig sind Sie selber auf der Baustelle anzutreffen?

Die Baustelle besuche ich nicht oft. Wenn ich aber eine Sitzung im Schulleiterbüro im Wier habe, schaue ich aus dem Fenster und sehe, wie das Gebäude wächst. Als Mitglied in der Baukommission sehe ich, welche baulichen und planerischen Prozesse gerade anstehen und welche Entscheidungen gerade anstehen.

Wie kommt das Projekt voran?

Es ist auf Schienen. Der Bau ist leicht verzögert gegenüber dem Bauplan, aber mit einem guten Sommer lässt sich das vielleicht aufholen. Es ist immer noch geplant, im kommenden Sommer das Gebäude zu beziehen.

Durch den Bezug der neuen Schulanlage Wier gibt es auf dem Schafbüchelareal Platz für Neues. Haben Sie sich bereits Gedanken gemacht, wie dieser Raum gefüllt werden könnte?

Wir prüfen, was möglich ist und was wir aufgeben wollen und können. Wir haben ja durch die Erweiterung nicht unendlich mehr Platz, sondern müssen auch Räume wie das Schulhaus Speer aufgeben. Der Neubau im Wier ist jedoch so konzipiert, dass wir auch Entwicklungsmöglichkeiten hätten und beispielsweise einen Gruppenraum bei Bedarf wieder als ein Klassenzimmer nutzen könnten.

Wie beurteilen Sie die Schule, wie sie jetzt läuft?

Die Schuleinheiten Schafbüchel, Gill und Wier sind gut aufgestellt. Sie funktionieren autonom und sehr gut. Die neuen Schulleiter in den Primarschuleinheiten, die am 1. August ihre Arbeit beginnen werden, brauchen noch Einarbeitungszeit. Ich begleite sie dabei und lasse einfliessen, wie die Schulteams in Zukunft miteinander arbeiten sollten. Wenn neue Leute eine Stelle antreten, ist das immer auch eine Chance.

Als Schulratspräsident müssen Sie zu allen schauen und dort mehr Unterstützung bieten, wo es nötig ist. Ist das mit Ihrem 60-Prozent-Pensum zu realisieren?

In den ersten drei Monaten habe ich mehr gearbeitet, aber ich wollte vieles spüren und erleben, anstatt nachher zu fragen. Im neuen Schuljahr wird sich zeigen, wie realistisch das Pensum angesetzt ist. Ich werde versuchen, die Prioritäten so zu setzen, damit ich mich darin zurechtfinden kann. Ich bin überzeugt, dass ich das schaffen werde, meinem Vorgänger ist das ja auch gelungen.

Vor kurzem teilte die Gemeinde mit, dass es in Ebnat-Kappel wegen zu schlechter Nachfrage kein schulergänzendes Betreuungsangebot gibt. Ist dies ein gutes Zeichen für das soziale Familienleben in Ebnat-Kappel?

Wir haben alles vorbereitet, um ein solches Angebot zu schaffen. Nun war die Resonanz so klein, dass ein Start nicht gerechtfertigt gewesen wäre. Anscheinend sind die Familien so strukturiert und die Arbeitswelt in der Familie so organisiert, dass die Kinder ausserhalb der Blockzeiten der Schule gut betreut sind, sodass man nicht auf externe Hilfe angewiesen ist. Aber vielleicht wird die schulergänzende Betreuung nach dem Bezug des neuen Schulhauses noch einmal ein Thema.

Ist ein solches Betreuungsangebot nach den Blockzeiten überhaupt eine Aufgabe der Schule?

Es ist kein Pflichtauftrag für die Schulen, den wir erfüllen müssen, wie der Mittagstisch. Wir wollten hier ein Ergänzungsangebot schaffen, mussten jetzt aber feststellen, dass es das zurzeit noch nicht braucht. Damit wir starten können, brauchen wir eine Mindestanzahl von Kindern.

Diese schulergänzende Betreuung hätte die Schule weitgehend selbst gestalten können. Wie frei ist die Schule oder sind Sie als Schulratspräsident bei Ideen für die Schule?

Wir haben viel Freiraum, aber es ist eine Kunst, sich nicht zu verzetteln. Wir müssen unser Hauptziel definieren und zusammen mit allen Beteiligen wie den Lehrern und auch den Eltern auf dieses hinarbeiten. Gerade bei Schulprojekten gibt es viel Spielraum, der auch genutzt wird. Die Frage stellt sich aber, wie viel man über den Alltag hinaus noch stemmen kann.

Wie gross schätzen Sie diesen Anteil?

Das kann ich noch nicht beurteilen. Erst wenn ich weiss, ob wir unser Hauptziel erreichen, was wir müssen, stellt sich die Frage, was wir darüber hinaus machen können. Wir sollten hin und wieder dieses «Drüberhinaus» machen, aber nicht auf Kosten von dem, was gut laufen muss.

Ihr Ziel ist also, dass die Ebnat-Kappler Kinder am Ende ihrer Schulzeit einen guten Rucksack mitbringen für den Rest ihres Lebens?

Genau. Ich möchte, dass wir den Schulstoff, den wir vermitteln müssen, auf eine gute Art vermitteln und dass die Kinder aus ihren neun Schuljahren auch etwas mitnehmen. Um das zu unterstützen, braucht es manchmal kreative Massnahmen wie Projekte, die sollten aber im Dienst des Ganzen stehen.

Jetzt stehen die Schulferien vor der Türe. Ist das die erste Möglichkeit zum Zurücklehnen?

Ja, wenn die Lehrer und die Schulleiter weg sind, kommen kaum Leute in die Schulverwaltung und wir machen Ferien, wie die meisten. Aber vorher und nachher gibt es noch viel zu tun.

Werden Sie den Sommer geniessen? In Ihrer früheren Arbeit waren Sie ja im Sommer schon häufig im Schnee unterwegs.

Ich habe immer versucht, den Sommer zu geniessen und zum Auftanken zu nehmen. Jetzt verlaufen die Jahreszeiten ausgeglichener, wie bei den meisten Menschen auch. Ich arbeite das ganze Jahr über im gleichen Pensum und habe im Sommer Ferien.

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