Schulpräsidenten-Knatsch:  Kirchberger Gemeindepräsident will sich mit anonymen Kritikern treffen

Die Kritiker der Plattform «Pro Gemeinde Kirchberg» geben sich weiter bedeckt.

Fabio Giger
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Schulhaus Sonnenhof in Kirchberg. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Schulhaus Sonnenhof in Kirchberg. (Bild: Beat Lanzendorfer)

In der Gemeinde Kirchberg reibt man sich ungläubig die Augen. Die unabhängige Plattform «Pro Gemeinde Kirchberg» hat unter ostjob.ch ein Stelleninserat geschaltet, mit dem ein neuer Schulratspräsident oder eine neue Schulratspräsidentin gesucht.

Der derzeitige Amtsinhaber Orlando Simeon will seinen Posten aber gar nicht räumen. Das Ziel der Inserateersteller ist offensichtlich: Man will Simeon mit einem Gegenkandidaten an der Urne stürzen.

Kritiker wollen lieber anonym bleiben

Welche Köpfe diesen Plan ausheckten, ist unbekannt. Am Montagmorgen waren auf der Website noch vier Nachnamen aufgelistet. Seit Dienstag sind diese unauffindbar. Einzig Otto Noger steht hin und erklärt: «Wir sind unzufrieden mit der jetzigen Situation.»

Ein Kandidat für den Präsidialposten sollte kommunikativ und führungsstark sein. «Eigenschaften, die dem derzeitigen Schulpräsidenten fehlen», poltert ein zur Plattform zugehörender Lokalpolitiker. Er will seinen Namen nicht in der Zeitung sehen. Fehlt ihm der Mut?

«Wir machten schlechte Erfahrungen, politisch unangenehme Ideen öffentlich kundzutun. Insbesondere wenn diese dem Gemeinderat widersprachen.»

Das führte so weit, dass Leute ihre Arbeitsstelle verloren hätten oder von der Gemeinde geschnitten worden seien. «Und sowieso geht es nicht um Namen, sondern darum, gemeinsam Lösungen zu finden.» Es gebe in ihren Reihen durchaus Leute, die hinstehen würden, allerdings nicht in der jetzigen Phase der Kandidatenfindung.

Gemeindepräsident lädt zum Gespräch ein.

Roman Habrik, Präsident der Gemeinde Kirchberg. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Roman Habrik, Präsident der Gemeinde Kirchberg. (Bild: Beat Lanzendorfer)

Der Kirchberger Gemeindepräsident Roman Habrik hat aus der Bevölkerung über das Vorgehen vor allem Unverständnis und Kopfschütteln gespürt. «Anonymen Aktionen und Briefen sollte man nicht allzu viel Raum geben», sagt Habrik. In der Gemeinde Kirchberg pflege man eine offene Diskussionskultur. «Ich denke, die Einwohnerinnen und Einwohner haben etwas Besseres verdient, wie man miteinander umgeht.»

Carola Etter-Gick, Dozentin für politische Kommunikation an der ZHAW Winterthur deutet die Plattform als eine Art Bürgerbewegung. Sie sieht im Vorgehen der anonymen Initianten klare Anzeichen dafür, dass sich die Bürgerinnen und Bürger über Entscheidungen der Gemeinde zu wenig informiert und in diese zu wenig einbezogen fühlen. Etter-Gick sagt:

«Solche Bewegungen fruchten meist erst, wenn sich die Initianten dazu bekennen und mit Namen hinstehen. Dann können Entscheidungsträger auch den Dialog mit den Bürgern suchen und Lösungen finden.»

Genau das hat Habrik vor: «Gerne lade ich hiermit die vier Personen, die am Montag noch auf der Website standen, zu einem Gespräch ein, um sie kennen zu lernen.» Spätestens dann müssten die Masken fallen.

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