Serie

Schule ohne Schulhaus – Tagebucheintrag 7 der Lehrerin: «Welche digitalen ‹Dinge› will ich mitnehmen?»

Während sich die Kirchberger Lehrerin fragt, was vom digitalen Schulunterricht auch nach der Krise Sinn macht, helfen sich ihre Schülerinnen und Schüler auf kreative Weise selbst durch die Krise.

Trudi Schönenberger-Hofmann
Drucken
Teilen
Eine Schülerin hat sich zuhause ein Turngerät aufgebaut, um trotzdem trainieren zu können.

Eine Schülerin hat sich zuhause ein Turngerät aufgebaut, um trotzdem trainieren zu können.

Bild: PD

Langsam ist es courant normal. Ich setze mich zwischen 7 und 7.15Uhr an den Computer, schaue nochmals den Tagesablauf an, mache eine Pendenzenliste, checke meine E-Mails und starte dann normalerweise um 8 Uhr mit der Begrüssung.

Heute aber muss der Praktikant die erste Lektion übernehmen. Auch die Praktikantinnen und Praktikanten wurden ins kalte Wasser geworfen. Für sie ist es eine gute Übung. Ich denke, dass sie in der Zukunft viel mehr digital unterwegs sein müssen. Auch die Schülerinnen und Schüler sehen Positives wie Negatives in der Situation. Letzte Woche habe ich mit ihnen Einzelgespräche geführt. Fast alle wünschen sich die normale Schule zurück, weil ihnen Dinge wie das soziale Leben im Schulzimmer oder einfach der Schulweg fehlen.

Barren, Marke: Eigenbau

Doch mit einigen Punkten können sie sich gut abfinden. Sie können später aufstehen, selbstständiger arbeiten und man wird kreativer. Eine Schülerin hat sich zu Hause einen Barren gebaut, um trotz der Coronakrise turnen zu können.

Nach wie vor arbeiten fast alle sehr seriös und geben ihre Sachen rechtzeitig ab. Ich denke, sie lernen in dieser Zeit sehr viel, was sie dann in der Lehre auch benötigen. Immer häufiger melden sich die Schülerinnen und Schüler auch ausserhalb des Stundenplans, wenn sie eine Frage haben.

Wie die Kinder nach dem Fernunterricht sein werden?

Im Allgemeinen läuft es immer besser, ich wage sogar, neue Tools auszuprobieren. Ich denke, dass das Wissen, dass es bald zu Ende ist, das Ganze einfacher macht. Ich mache mir auch schon Gedanken, wie es dann ist, wenn wir wieder in der Schule sind: Welche digitalen «Dinge» will ich mitnehmen? Was werde ich nicht mehr nutzen? Hat der Fernunterricht auf die Schülerinnen und Schüler einen Einfluss gehabt? Sind sie noch gleich? Was sicher nicht mehr gleich ist, sind die Frisuren von einigen Jungs. Sie haben sich gegenseitig die Haare geschnitten!

Dass es so gut funktioniert, hat vor allem auch mit einem Kollegen aus Bazenheid zu tun, ohne dessen Unterstützung wir im Fernunterricht nicht so gut durchgekommen wären. Er hat mich diese Woche im virtuellen Klassenzimmer besucht und erneut Optimierungsvorschläge mitgegeben, die ich gerne anwenden werde. Anschliessend habe ich ihn in seinem «Klassenzimmer» besucht und unter anderem ein neues Tool für Videokonferenzen erlebt.

Lustig war auch zu hören, dass wir Lehrpersonen häufig die gleichen Sprüche bringen, egal ob älter oder jünger. Er stellte eine Frage und es blieb total ruhig in der Klasse. Dann sagte er eben den Spruch, den ich in solchen Situationen auch benutze: «Nicht alle miteinander!»

Mehr zum Thema