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Schule ohne Schulhaus – Tagebucheintrag 6 der Lehrerin: Vermisst werden Pausen, «Aha» und Witze

Es sind alltägliche Kleinigkeiten, die beim Fernunterricht fehlen. Videokonferenzen sind da nur teilweise eine Abhilfe.

Trudi Schönenberger-Hofmann
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Der «normale» Schulalltag wird langsam von allen Beteiligten schmerzlich vermisst.Symbolbild: Kenneth Nars

Der «normale» Schulalltag wird langsam von allen Beteiligten schmerzlich vermisst.Symbolbild: Kenneth Nars

Gegen Ende der Woche stieg die Nervosität. Ich fühlte mich aber gut vorbereitet, um am Montag mit einem intensiver ausgebauten Fernunterricht starten zu können. Dieser wird strukturierter sein als bisher. Ich habe mit einigen Eltern gesprochen und gemerkt, dass viele froh sind, wenn die Schule wieder strukturierter wird und ihre Jugendlichen einen Zeitplan bekommen.

Schule ohne Schulhaus

Die Schule findet wegen des Corona-Virus nicht mehr vor Ort statt. Wie kommen die Direktbetroffenen mit der speziellen Situation klar? Eine Lehrerin und eine Schülerin der Oberstufe Kirchberg berichten wöchentlich.

Am Montag, um 8 Uhr, startete ich den ersten Schultag nach den Ferien und damit den ersten Tag des strukturierteren Fernunterrichts. Ich begrüsste meine Schülerinnen und Schüler mit einer kurzen Videokonferenz und es klappte wunderbar.

Ein Marathon an Videotelefonaten

Nachher begann mein Videomarathon mit Kleingruppen, damit ich sie bestmöglich auf die noch verbleibenden drei Wochen vorbereiten konnte. Denn, am 11. Mai, sollen wir alle wieder in die Schule dürfen. Das macht die Situation doch entspannter. Noch bin ich aber gespannt, wie der Unterricht dann genau funktionieren wird. Mit 22 Schülerinnen und Schülern wird ein Abstand von zwei Metern sicher nicht möglich sein. Ich bin aber zuversichtlich, dass hier noch genaue Angaben folgen werden.

Vorerst heisst es aber weiter Fernunterricht. Das funktionierte auch am zweiten Tag gut. Ich lerne immer noch Neues hinzu. Man kann Aufträge zum Beispiel nicht nur mit der Software OneNote gemeinsam bearbeiten, sondern auch auf anderen Plattformen. An diesem Nachmittag hatte ich die glorreiche Idee, einen 1:1-Chat einzurichten, in welchem sie mich bei Fragen direkt anrufen können. Es ging zu und her wie in einem Bienenhaus. Kaum hatte ich eine Frage geklärt, kam das nächste Telefon.

Alltägliche Sachen fehlen

Auch wenn der Fernunterricht gut funktioniert, merke ich nach wie vor, dass ich ganz alltägliche Sachen aus der Schule vermisse: Die «Aha», wenn die Schülerinnen und Schüler plötzlich etwas kapiert haben; die lustigen Episoden aus ihrem Alltag; hereingerufene Kommentare, die überraschen; die offenen Türen an ihrem Schrank – das Schliessen lernen sie jetzt wohl nicht mehr. Aber ich vermisse auch die Pausen mit meinen Kolleginnen und Kollegen, inklusive der Witze vom Hausdienst.

Aber einzelne Geschichten aus dem Alltag der Schülerinnen und Schüler habe ich auch diese Woche und im Fernunterricht erfahren. Eine Schülerin hat mir gesagt, dass eine Kollegin ihr mit Entsetzen erklärt hat, dass Frau Schönenberger sie angerufen hat, als sie gerade am Träumen war. Ihr Traumtyp wollte ihr gerade etwas sagen und da klingelte das Telefon! Die Entschuldigung kommt noch, wenn wir wieder in der Schule sind.