Schule ohne Schulhaus – Tagebucheintrag 2 der Schülerin: Manchmal fehlt’s an Disziplin

Sich zuhause gleich wie in der Schule konzentrieren zu können, ist nicht einfach. Ein strukturierter Alltag hilft.

Alicia Caspari
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Die Hausaufgaben werden weiterhin korrigiert, nun einfach digital.

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Bild: PD

Für das Homeschooling bekommt man von den Lehrern Aufträge per E-Mail, welche man bis zum nächsten Abgabetermin zu erledigen hat. Ich finde die Menge der Aufträge eigentlich ok, teilweise aber auch ein bisschen viel, da nicht alle Schüler das gleiche Tempo und Verstehen haben. Was mir am meisten fehlt, ist die Hilfe der Lehrpersonen.

Schule ohne Schulhaus

Die Schule findet wegen des Corona-Virus nicht mehr vor Ort statt. Wie kommen die Direktbetroffenen mit der speziellen Situation klar? Eine Lehrerin und eine Schülerin der Oberstufe Kirchberg berichten wöchentlich.

Ich finde, die Lehrer haben Vertrauen in uns Oberstufenschülerinnen und Oberstufenschüler. Sie kontrollieren uns zum Glück nicht zu sehr. In der Primarschule zum Beispiel wird von den Lehrern gesagt, wie viele Minuten man an welchem Fach arbeiten muss. Ich bin sehr froh, dass wir das nicht haben, da dies viel eingeengter wäre.

Ein strukturierter Alltag ist wichtig

Wichtig bei Homeschooling ist, dass man einen strukturierten Alltag hat, bei dem man zum Beispiel von 9 bis 12 Uhr an den Aufträgen arbeitet, nachmittags von 14 bis 16 Uhr weiter macht, und sich danach sportlich betätigt oder einfach relaxt. Bei der Aufteilung der Aufträge ist man eigentlich frei. Man kann zum Beispiel jeden Tag von allen Fächern etwas machen oder man macht pro Tag alle Aufträge eines Faches, wenn man durchkommt.

Ich habe pro Tag ein Fach gemacht. Wenn ich nicht durchkam, machte ich es am nächsten Tag noch fertig. Ich entschied mich für die zweite Variante, da ich ein Durcheinander bekommen würde, wenn ich bei einem Fach mitten drin aufhören würde, damit ich an einem anderen Fach weiterarbeiten könnte.

Zuhause will man immer andere Sachen machen

Es ging eigentlich gut, aber teilweise kam ich bei einzelnen Aufgaben nicht weiter. Der grosse Unterschied zur normalen Schule ist, dass man sich sehr gut ablenken kann und nicht gleich konzentriert ist. Ich muss zugeben, dass mir auch teilweise die Disziplin fehlt, etwas konzentriert fertig zu machen.

Ich finde, es kommt sehr auf die Umgebung an, in welcher man den Schulstoff erledigt. In der Schule hat man sich darauf eingestellt und weiss, dass man sich zu konzentrieren hat. Das ist zu Hause anders. Man will immer andere Sachen machen, welche natürlich mehr Spass bereiten. Seit wir Homeschooling machen müssen, sind wir im Klassenchat viel aktiver und es wird gegenseitig auch viel mehr geholfen, was ich sehr positiv finde.

Alles wirkt so friedlich und ruhig

Was ich seltsam an dieser Coronavirus-Situation finde, ist, dass im Radio zwar immer vom Coronavirus gesprochen wird, ich persönlich aber nichts mitbekomme. Wenn ich im Freien sitze und meine Aufträge erledige, wirkt alles so friedlich und ruhig. Wenn man nicht wissen würde, was gerade los ist, würde man nichts davon merken. Man kann froh sein – falls die Ausgangssperre kommen würde – wenn man einen Garten hat, um an die frische Luft zu gehen.

Ich finde, dies ist auch das Beste für die alten Leute, welche zur Risikogruppe gehören und sehr gerne mal an die frische Luft gehen. Ich finde, es ist jetzt wichtig, dass man sich um die alten Leute kümmert, indem man für sie einkaufen oder mit dem Hund Gassi geht. Man kann auch einen Videoanruf mit den Grosseltern machen oder ihnen wiedermal einen Brief schreiben. Ich denke, viele alte Leute, welche schon alleine leben, haben ein gewisses Risiko, dass sie vereinsamen.

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