Schule ohne Schulhaus – Tagebucheintrag 2 der Lehrerin: Der Klassenraum wird virtuell

Noch immer erfordert der neue Schulalltag viel Improvisation. Doch das digitale Wissen wächst von Tag zu Tag.

Trudi Schönenberger-Hofmann
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Selbst korrigiert wird nun digital.

Selbst korrigiert wird nun digital.

Bild: PD

Ich habe mittlerweile verschiedene Tools ausprobiert, damit ich online arbeiten kann. Mit der Software Teams komme ich zu Beginn noch nicht ganz klar, deshalb kreiere ich Ideen, wie ich meine Schülerinnen und Schüler in ihrer Arbeit sonst unterstützen kann. Meine Staffelei ist nun eine Wandtafel, und mit einer Kamera auf einem Ministativ habe ich mir quasi ein kleines Studio gebastelt.

Schule ohne Schulhaus

Die Schule findet wegen des Corona-Virus nicht mehr vor Ort statt. Wie kommen die Direktbetroffenen mit der speziellen Situation klar? Eine Lehrerin und eine Schülerin der Oberstufe Kirchberg berichten wöchentlich.

Nachdem ich mich beim Lösen einer Aufgabe an der «Wandtafel» zum ersten Mal aufgenommen habe, merke ich, dass alles seitenverkehrt ist.

Situation ändert Verhalten nicht

Schon bald melden sich einige Schülerinnen und Schüler, welche Fragen zu den Aufgaben haben. Sie sind also tatsächlich schon am Arbeiten. Aber es gibt auch solche, von denen habe ich noch nicht mal die Bestätigung für den Hausaufgabenerhalt bekommen. Warum überrascht es mich nicht, welche diese sind? Auch diese Situation ändert das Verhalten von Schülerinnen und Schüler nicht.

Morgens bin ich für die Schülerinnen und Schüler jeweils ab 8 Uhr erreichbar. Also setze ich mich um 7 Uhr an den Computer. So habe ich ein wenig Zeit, um die E-Mails zu ordnen. Aber mein Posteingang überquillt. Kaum habe ich eine E-Mail abgearbeitet, kommt schon die nächste. Ich frage mich, wie ich mich organisieren kann. Und gleichzeitig muss ich mich selbst fit machen für den virtuellen Unterricht.

Agieren auf verschiedenen Ebenen

Das ist nicht immer ganz einfach, aber spannend! Den virtuellen Klassenraum, den ich nun zu Übungszwecken habe, «betrete» ich mit einem guten Gefühl. Es ist wenigstens ein bisschen wie Schule. Auch für meine E-Mails finde ich dann doch noch ein System, das mir hilft.

Weiterhin Mühe macht mir das Agieren auf verschiedenen Ebenen. Aufgaben vorbereiten, E-Mails bearbeiten, Chats mit anderen Lehrpersonen, erste eingereichte Hausaufgaben korrigieren – fürs Büro wäre ich definitiv nicht geeignet.

Videokonferenzen sind herausfordernd

Mit den Kolleginnen und Kollegen tausche ich mich jetzt auch in Videokonferenzen aus. Die erste läuft ab wie wohl so viele zu dieser Zeit: «Hört ihr mich?», «Könnt ihr mich sehen?», «Warum sehe ich nicht alle?» – Einzelne Probleme waren dann aber doch eher banal. Mich sah man beispielsweise nicht, weil ich noch eine Abdeckung über der Kamera hatte.

Mit meinen Schülerinnen und Schüler werde ich auch bald eine erste Videokonferenz oder eben virtuelle Unterrichtsstunde abhalten. Es dürfte ähnlich sein, denn die jungen Leute kommen nicht wirklich besser aus bei der Bedienung des Computers – ausser beim Gamen und auf den sozialen Netzwerken.

Kreative Lösungen für soziale Kontakte

Das digitale Wissen von uns allen steigt von Tag zu Tag. Das ist zwar spannend, aber ich bin nicht der Typ, der da im stillen Kämmerlein sitzen kann. Ich brauche den richtigen Kontakt mit Schülerinnen und Schüler und meinen Kolleginnen und Kollegen.

Noch schwieriger, als so Schule zu geben, ist es aber, auf alle sozialen Kontakte verzichten zu müssen. Da muss ich noch kreativ werden: Videokonferenzen mit den Kindern, Freundinnen und Freunden oder gemeinsames Kochen per Skype. Und was ich auch merke: Ich bin es nicht gewohnt, so häufig am Computer zu sitzen. Es zwickt doch schon an einigen Orten. Ich muss mir Fitnessübungen suchen.

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