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Schule ohne Schulhaus – Letzter Tagebucheintrag der Lehrerin: Zum Abschluss eine Mammutkonferenz

Die Oberstufenlehrerin aus Kirchberg hat den ersten Schultag hinter sich. Zum Abschluss der Zeit im Homeschooling sprach sie mit allen 22 Schülern – gleichzeitig in einer Konferenz.

Trudi Schönenberger-Hofmann
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Die Kirchberger Lehrerin freut sich, dass sie wieder im Schulzimmer unterrichten darf. Auch wenn es anders ist als vor der Coronazeit.

Die Kirchberger Lehrerin freut sich, dass sie wieder im Schulzimmer unterrichten darf. Auch wenn es anders ist als vor der Coronazeit.

Bild: Keystone/Gian Ehrenzeller

Früher zählte ich die Tage bis das Christkindli kommt. Jetzt zählte ich die Tage, bis ich wieder in die Schule gehen konnte. Im Schulhaus mussten wir uns natürlich auch vorbereiten. Ich musste Bücher zurückbringen und die Tische im Schulzimmer umstellen, damit die Schülerinnen und Schüler nicht zu nahe beieinandersitzen müssen.

Am letzten Fernunterrichtstag mussten die Schülerinnen und Schüler einen formativen Test machen, damit ich sehen konnte, wo sie stehen. Am Nachmittag dieses letzten Tages machte ich zum Abschluss eine Mammutkonferenz mit allen 22 Schülerinnen und Schülern. Ich erklärte ihnen nochmals, welche Regeln sie ab Montag befolgen müssen, damit wir diese Krise bald wirklich hinter uns lassen können.

Die Schülerinnen und Schüler haben gut mitgearbeitet

Ganz zum Schluss bedankte ich mich für die gute Arbeit in dieser Coronazeit. Ich bin mir aber schon bewusst, dass wahrscheinlich nicht alles genau so ausgeführt wurde, wie wir Lehrinnen und Lehrer es gerne hätten. Aber sind wir doch ehrlich: Das ist ja in Nicht-Coronazeiten auch so. Ich bin auf jeden Fall sehr zufrieden mit meiner Klasse.

Als ich am Montagmorgen ins Schulzimmer kam, stand ein Dankeschön von unserem Schulleiter auf dem Pult: «Eine Gerbera vom Gerber!» Solche Kleinigkeiten tun einfach gut. Dann kamen die Schüler und Schülerinnen und mussten als erstes ihre Hände waschen. Zuerst haben wir uns einfach mal unterhalten. Wir sind zwar wieder in der Schule sind, aber es ist halt schon noch nicht das Gleiche.

Ich liebe den Kontakt mit den Schülerinnen und Schülern, aber wenn man zwei Meter Abstand haben muss, fehlt mir einfach etwas. Aber was schön ist: Sie sind alle gut aufgelegt in die Schule gekommen und wir konnten wieder gemeinsam lachen.

Der Schulbeginn ist für einige noch zu früh

In der Rückbetrachtung des Fernunterrichts sagten die Schülerinnen und Schülern, dass ihnen die Vielseitigkeit des Unterrichts gefehlt habe. Sie freuten sich auch, wieder klare Strukturen zu haben; Arbeit und Pausen sind jetzt wieder klar. Die Halbklassen stossen aber nicht überall auf Begeisterung. Und der Schulbeginn um 7.20 Uhr macht einigen Mühe.

Die Pausen im Lehrerzimmer sind seltsam. Es ist viel lauter, da wir ja weiter auseinander sitzen und deshalb alle lauter sprechen müssen. Ich hoffe sehr, dass wir es schaffen, diese vier Wochen korrekt durchzuhalten und nachher wieder alle gemeinsam als ganze Klasse Schule haben können.

Viele gute Feedbacks

Ich möchte es nicht unterlassen, auch den Eltern zu danken für ihre Unterstützung und die netten kurzen Mails oder Statements, welche ich bekommen habe. Leider werde ich mich von den Eltern dieser Klasse nicht richtig verabschieden können. Auch von Leserinnen und Lesern gab es Rückmeldungen. Letzte Woche hat mich eine 90-jährige Frau angerufen und mir gesagt, dass sie das Tagebuch meiner Schülerin und mir jede Woche mit Interesse gelesen habe. Darüber habe ich mich sehr gefreut.

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