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Schule ohne Schulhaus – letzter Tagebucheintrag der Schülerin: «Es war, als hätten wir die Zeit übersprungen»

In die Schule zu gehen, ist cool, findet die Oberstufenschülerin Alicia Caspari. Nach Corona bleiben ihr aber nur noch acht Wochen bis zum letzten Schultag.

Alicia Caspari
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Zwei Meter Abstand zwischen den Tischen, das gilt auch im Schulzimmer.

Zwei Meter Abstand zwischen den Tischen, das gilt auch im Schulzimmer.

Bild: Keystone/Georgios Kefalas

Am Montagmorgen, 11. Mai, ging ich zum ersten Mal wieder so richtig in die Schule. Klar, es war kein normaler Unterricht wie sonst, aber immerhin konnten wir in die Schule gehen. Am Anfang der Coronazeit habe ich ja gedacht, ich könnte nie mehr in die Schule gehen, was aber zum Glück nicht so war.

Bis jetzt ist der Schulunterricht eigentlich ganz normal. Anders ist, dass wir einfach nur die halbe Klasse sind, was man schon sehr merkt. Wir müssen den Abstand einhalten, deshalb haben wir das Klassenzimmer umgestellt, sodass wir alle genügenden Abstand zueinander haben. Wenn wir am Morgen ins Schulhaus kommen, müssen wir zuerst unsere Hände waschen, damit wir nichts von aussen nach innen nehmen. Dasselbe gilt, wenn wir nach Hause kommen.

Im Sport dürfen wir extrem viele Sachen nicht machen, was sehr blöde ist. Wir müssen schon mit den Sportkleidern in die Schule kommen, da wir uns nicht in der Schule für den Sport umziehen dürfen. Auch das Duschen nach dem Unterricht ist verboten, was ich sehr hässlich finde, da wir nach dem Schwitzen in den Unterricht zu den anderen Schülern gehen müssen.

«Die ersten zwei Stunden haben wir die ganze Zeit gelacht»

Ich habe mich sehr gefreut, wieder in die Schule zu gehen. Es war wirklich fast genau gleich wie vor dem Lockdown, auch die Stimmung innerhalb der Klasse ist genau dieselbe. Als wir die ersten zwei Stunden hatten, haben wir die ganze Zeit gelacht, sodass uns danach die «Lachmuskeln» wehtaten. Ich habe erst in der Schule richtig gemerkt, was ich alles nicht hatte und wie cool normale Schule eigentlich ist. Damit meine ich nicht den strengen Unterricht. Es mag vielleicht komisch tönen, aber es hat sich richtig gut angefühlt, wieder in die Schule zu gehen.

Es war, als wäre es einfach ein Montag nach einem ganz normalen Wochenende gewesen. Dies habe ich so empfunden, weil sich nichts verändert hat und niemand nur über Corona redet, was man gemacht hat und so weiter. Es war einfach, als hätten wir diese Zeit übersprungen.

Sehr verwirrend war, am Sonntagabend überlegen zu müssen, wann ich aufstehen muss, wann ich mich mit den anderen treffe. Ich musste sogar nachdenken, wie viele Lektionen man am Morgen jeweils hat und von wann bis wann sie gehen, was eigentlich klar sein sollte, bei mir aber überhaupt nicht der Fall war.

Ich bin froh, den normalen Alltag wieder ein bisschen zurückzuhaben und die letzten acht Wochen meiner Oberstufenschulzeit zu geniessen.

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