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Die Schule muss mit dem Strukturwandel mithalten

Der Sozialpädagoge David Mächler kandidiert für den Schulrat in Kirchberg. «Das Toggenburg Tagblatt» besuchte Mächler in der Kindertagesstätte Mühleli, die er mit seiner Frau gegründet hat.
Sascha Erni
David Mächler kandidiert für den Kirchberger Schulrat. (Bild: Sascha Erni)

David Mächler kandidiert für den Kirchberger Schulrat. (Bild: Sascha Erni)

Durch den Wald, vorbei an Schafwiesen, Biotopen, Permakulturen und Abenteuerspielplatz gelangt man zu David Mächler. In einem Bazenheider Tobel führt er zusammen mit seiner Frau Nicole und viel Handarbeit die Kindertagesstätte «Mühleli». Er möchte ab Februar 2019 in die Fussstapfen von Claudia Aguado treten, die nach knapp sechs Jahren aus dem Kirchberger Schulrat zurücktritt. Dabei ist er bisher nicht politisch aktiv gewesen. Aber seine Familie sei durchaus direkt betroffen, sagt der Vater zweier schulpflichtiger Kinder. Wie auch in Garten, Wald und Kita möchte er mehr, als nur zusehen. Mächler möchte anpacken.

Geänderte Lebensrealitäten respektieren

David Mächler zog 2010 mit seiner Familie ins Toggenburg. Der heute 36-Jährige hatte ursprünglich Bauspengler gelernt, schulte dann auf Sozialpädagoge um. Zwölf Jahre arbeitete er im Sonderschulbereich, sieben Jahre lang in der Krisenintervention. Kinderschutz und so genannt «schwierige Kinder» wurden zu seinem Metier. Er studierte später Sozialmanagement und schloss mit einem Master ab. Heute unterrichtet er auch Sozialpädagogik an den höheren Fachschulen St. Gallen und Winterthur, sein Herz schlägt aber für die Kita. «Ich bin Geschäftsführer, Hausmeister, Koch und Gärtner in einem», lacht er.

Am Anfang hätte es schon die eine oder andere gerunzelte Stirn im Dorf gegeben, erinnert er sich. Mittlerweile habe sich die Frage, ob es in Kirchberg überhaupt Kita-Plätze brauche, erledigt. Die Gemeinde wachse, sei faktisch zur Kleinstadt geworden. Der Strukturwandel ist im vollen Gange. «Die Lebensrealitäten der Eltern haben sich geändert, immer häufiger müssen oder wollen beide Elternteile arbeiten». Ob es an steigenden Mieten liegt oder an den Lebensentscheidungen der Eltern sei nicht so wichtig, man müsse dem so oder so Rechnung tragen.

Auch deshalb kandidiert David Mächler für den freigewordenen Sitz im Schulrat: Mit dem wachsenden Mittelstand würde die Gefahr einer gesellschaftlichen Spaltung steigen. Wer es sich leisten kann, könne die Kinder in einer Privatschule unterbringen. Diese entsprächen oft besser den Betreuungswünschen der Eltern als die Volksschule. So entstehe aber eine geteilte Gesellschaft. «Die Schule muss für alle attraktiv sein.» Das heisse, dass sie der erlebten Realität der Familie entsprechen muss – ob Doppelverdiener-Haushalt oder nicht. «Die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und eben auch die Qualität der Schule ist zentral.»

Wertschätzung für die Integrationsleistung

Umgekehrt ginge es aber auch nicht an, dass Zugezogene ihre Kinder ohne jegliche Deutschkenntnisse in den Kindergarten schicken und so auch in Primar- und Oberstufe die Integration erschweren. Damit sei niemandem gedient: Dem Kind nicht, das keine guten Berufschancen erhält, und der Gesellschaft nicht, die Sozialfälle aushalten muss. Die Schule mache ihre Arbeit gut, deren enorme Integrationsleistung müsse wertgeschätzt werden. David Mächler denkt hier pragmatisch. «Man muss Kinder und Eltern vorher abholen.» Er sieht gute Chancen mit der neuen Einheitsgemeinde. Die Gemeinde habe etwa die Geburtendaten und so den Hebel, um vor der Einschulung anzusetzen: «Je früher ein Franken in Bildung investiert wird, desto mehr Wirkung zeigt er.»

Kindertagesstätte als Familienunternehmen

David und Nicole Mächler gründeten die Kindertagesstätte Mühleli 2016. Angefangen hatte alles in zwei Stockwerken mit zwei Angestellten. Heute betreuen 12 Mitarbeitende gesamthaft 60 Kinder pro Woche, vom Baby bis zum Primarschüler.

Als ehemaliger Handwerker hat Mächler die meisten Renovationsarbeiten im Haus selbst erledigt und übernahm für die aufwendigeren Sanierungen die Bauleitung. Die Mächlers führen die Kita gemeinsam als Familienunternehmen. Dabei setzten sie auf Naturpädagogik. Die Kinder verbringen oft mehr Zeit draussen im Tobel als drinnen in der Kita. Wald, Wiesen, Obstbäume, Biogärten und Spielplätze, alles gehört zum Konzept. Viele Kinder hätten heute gar nicht mehr die Möglichkeit, im Freien zu toben, dabei biete das für die Entwicklung wichtige Impulse. «Unsere Betreuung soll nicht besser sein als die der Eltern», so David Mächler. «Nur anders, eine Ergänzung.»

Im Sommer erweiterte das Mühleli sein Angebot um eine Hort-Gruppe. Die letzten drei Jahre hätten sie praktisch Tag und Nacht gearbeitet, erklärt Mächler. Nun sei nicht mehr Wachstum das Thema, sondern das Optimieren der Qualität, auch in der Kooperation.

Die Kita arbeitet eng mit weiteren Betrieben und der Volksschule zusammen, bildet Lehrlinge aus, bringt sich immer wieder mit Anlässen in der Öffentlichkeit ein. Der nächste solche Anlass findet am 4. Dezember statt: Dann öffnet die Kindertagesstätte Mühleli ihr Adventsfenster.

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