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Schülerinnen und Schüler erleben Abenteuer auf der Alp Selun – das Plumpsklo war schon besetzt

Eine Wohngruppe des Sonderschulheims Hochsteig übernachtete für ein Projekt auf einer Alp. Die Kinder: «Es war lässig, lustig, dreckig.»
Cecilia Hess-Lombriser
Die Kinder des Sonderschulheims Hochsteig in Lichtensteig übernachteten für ein Gruppenprojekt in einer einfachen Alphütte beim Selun. Andere Ausflüge führten die Schülerinnen und Schüler über Wanderwege durch ein Hochmoor (rechts). (Bild: PD)

Die Kinder des Sonderschulheims Hochsteig in Lichtensteig übernachteten für ein Gruppenprojekt in einer einfachen Alphütte beim Selun. Andere Ausflüge führten die Schülerinnen und Schüler über Wanderwege durch ein Hochmoor (rechts). (Bild: PD)

Für seine Abschlussarbeit zum Sozialpädagogen HF musste Yanick Hermann ein Projekt planen und umsetzen. Seit vier Jahren ist er in einer Wohngruppe im Sonderschulheim Hochsteig in Lichtensteig als Betreuer tätig. Zuerst ein Jahr lang als Praktikant und seither in der berufsbegleitenden Ausbildung an der Höheren Fachschule Agogis in St.Gallen. Ursprünglich hatte Hermann eine Lehre als Heizungsinstallateur absolviert und danach zwei Jahre im Beruf gearbeitet. Dabei merkte er, dass er sich weiter entwickeln möchte, und hat sich für den Weg im sozialen Bereich entschieden.

Für sein Projekt, das vom Sonderschulheim Hochsteig bewilligt worden war, stellte er die Förderung der Gruppendynamik der Wohngruppe Pluto ins Zentrum. Durch Ab- und Zugänge musste sich die Gruppe neu finden. Für das Projekt hatten sich die Kinder eine Übernachtung in der Nähe des Wildmannlisloch gewünscht.

Demokratischer Entscheid für Naturerlebnis

Yanick Hermann, Sozialpädagoge in Ausbildung. (Bild: PD)

Yanick Hermann, Sozialpädagoge in Ausbildung. (Bild: PD)

Für die Auswertung kam Hermann mit den Kindern und Jugendlichen auf die Idee, das «Toggenburger Tagblatt» um ein Interview mit den Kindern zu bitten. So kam es, dass die Kinder kürzlich nach Schulschluss von ihrem Abenteuer auf der Alp Selun erzählten. «Wir hatten mehrere Ideen, aber schliesslich gab es einen demokratischen Entscheid für die Übernachtung beim Wildmannlisloch», erzählte eines der Kinder. «Wir wollten schon immer einmal draussen in der Natur übernachten und mussten das Vorhaben bereits einmal verschieben», begründete ein Mädchen den Entscheid. Und was reizte sie an dieser Idee? «Die frische Luft, die Natur, zusammen mit der Gruppe im Zelt zu übernachten, und wir fanden es eine coole Idee», zählten weitere auf. Die Alternativen wären ein Möbel bauen gewesen, einen Sandkasten anlegen, sich mit der Abfallentsorgung zu beschäftigen oder ein Raum für Freizeitaktivitäten einzurichten. Die Beteiligung der Kinder, die Eigenmotivation und die Erfahrung, durch eigenes Handeln zu einem Resultat zu kommen, war Ziel des Unternehmens.

Das Vorhaben, das kurz vor den Herbstferien mit acht Kindern und zwei Betreuenden stattfand, verlangte nach Vorbereitungen. Davon berichteten die einen Kinder sprudelnd, andere hörten zu, nickten mal oder verwarfen die Hände. Ganz so demokratisch wie die Abstimmung verlief die Auswertung nicht. Es gab Zwischenbemerkungen und Zurechtweisungen unter den Kindern. Ab und zu Antworten, die nicht zur Frage passten, was Belehrungen auslöste.

Die Schülerinnen und Schüler waten durch ein Hochmoor. (Bild: PD)

Die Schülerinnen und Schüler waten durch ein Hochmoor. (Bild: PD)

Die drei anwesenden Personen vom sozialpädagogischen Team, Yanick Hermann, Simone Steffen und Livia Bänziger, mussten auch mal sanft intervenieren. Zu den Vorbereitungen hatte die Auswahl von Spielen gehört, die Planung der Kleidung, die Organisation eines Schlafsackes und einer Matte sowie die Wahl des Abend- und des Mittagessens.

Dann kam der Tag des Abenteuers. Das Wetter war wenig einladend und vor allem war das Terrain nass. «Dafür hatten wir vorgesorgt und eine Alphütte als Alternative organisiert», informierte Hermann. Die Hütte sorgte für Überraschungen und Herausforderungen, wie sich die Kinder teils grinsend und teils ablehnend erinnerten.

Plumpsklo und ein Abend ohne Strom

Von Starkenbach fuhr die eine Hälfte mit der Holzkisten-Seilbahn auf die Alp Selun und wanderte eine halbe Stunde bis zur Alphütte. Die anderen durften mit dem Bus hinauffahren und dafür bei den Vorbereitungen in der Unterkunft helfen. «Es war eine einfache Hütte. Es hatte einen Stall und einen Aufenthaltsbereich mit einem Tisch und Bänken, einem Holzofen und einem Holzherd. Wir haben Holz gehackt, den Raum gewischt, Feuer gemacht und das Essen vorbereitet», erzählten die Kinder. Das Überraschende war das Plumpsklo und – da mussten die Kinder lachen – die Frösche oder Kröten, die darin sassen. «Strom hatte es auch keinen und das hat mir auch nicht so gefallen», wagte einer der Stilleren zu äussern. «Beim Schlafplatz hatte es Spinnengewebe», warf der Jüngste ein. Für die Spiele am Abend mussten die Taschenlampen und die Gaslampe herhalten. Die Handys waren zu Hause geblieben. «Das war gut und hat nicht geschadet», meinte eines der Mädchen. Von echten Erlebnissen erzählen können ist eben auch eine gute Sache.

Nasse Schuhe und verbrannte Socken

Am Morgen kam die nächste Überraschung. Weil eine Sozialpädagogin ins Tal musste, lösten sie drei andere Sozialpädagoginnen ab und brachten das Frühstück mit. Später stiegen die Mutigen in das Wildmannlisloch und kamen sich vor wie Höhlenforschende. Zudem gab es gruppendynamische Spiele unter freiem Himmel und nasse Schuhe und Socken, die über dem Ofen getrocknet werden sollten. Dass ein Paar Socken dabei verbrannte, das gehörte mit zum Abenteuer, von dem die Kinder noch eine Weile zehren können. Ihre Bilanz am Schluss: «Es war lässig, lustig, dreckig, cool, es wäre schöner gewesen, mehr als eine Nacht zu bleiben und wir haben miteinander geteilt.» Die Stimmung in der Gruppe sei anders geworden. Wie genau, das konnten die Kinder nicht beschreiben.

Yanick Hermann zeigte sich zufrieden: «Ich habe Entscheidungen abgeben können, die Kinder haben Spiele und das Essen ausgewählt, sich spontan eingesetzt und angepackt.»

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