Schiesssport
Drei Wochenenden zu Hause statt eine Woche in Luzern: So erleben die Neckertaler Schützen das Eidgenössische Schützenfest

Alle fünf Jahre führen die Schützen das «Eidgenössische» durch. 2020 wurde es wegen Corona um ein Jahr verschoben. Noch bis zum 11. Juli finden die Wettkämpfe statt, vor allem im «Home-Shooting». Die Mitglieder der Sportschützen Neckertal machen trotzdem engagiert mit.

Sabine Camedda
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Der Warner prüft, dass die Schützen das richtige Schiessprogramm erfüllen.

Der Warner prüft, dass die Schützen das richtige Schiessprogramm erfüllen.

Bild: Sabine Camedda

«Jetzt wären wir in Luzern. Die ganze Woche.» Ein bisschen Bedauern schwingt in der Stimme mit. In Wirklichkeit sitzen die Herren nicht in einem Festzelt in Luzern, sondern in der Schützenstube des Schiessstands der Sportschützen Neckertal in Brunnadern. Ein anderer Ort zwar, aber dasselbe Schiessprogramm.

«Wir machen am Eidgenössischen Schützenfest mit.»
Das «Eidgenössische» in Brunnadern: Die Schützen sind froh über die Coronalockerungen.

Das «Eidgenössische» in Brunnadern: Die Schützen sind froh über die Coronalockerungen.

Bild: Sabine Camedda

Eigentlich wäre das Eidgenössische Schützenfest (ESF) im vergangenen Jahr auf dem Programm gestanden. Wegen der Coronapandemie wurde es um ein Jahr verschoben. Nun kann es stattfinden, doch nur wenige Wettkämpfe werden vor Ort ausgetragen. «Die Schützinnen und Schützen sind angehalten, im heimischen Stand zu schiessen», heisst es seitens der Organisatoren.

Drei Schützen waren am Eröffnungsschiessen dabei

Dem folgen die Sportschützen Neckertal. An drei Wochenenden absolvieren sie das Programm des ESF: einmal für Kleinkaliber über 50 Meter, einmal für Gewehr über 300 Meter und einmal für die beiden Pistolen-Disziplinen über 25 und 50 Meter.

Dennoch reisten vier Schützen aus ihrem Verein ans Eröffnungsschiessen nach Luzern. Es war einer der wenigen Anlässe, die vor Ort durchgeführt werden, mit rund 1500 Teilnehmenden aus der ganzen Schweiz. Bei diesem Wettbewerb müssen 30 Schüsse innerhalb von vier Minuten abgegeben werden. «Das geht mir zu schnell», sagt ein älterer Schütze, der nicht mehr teilgenommen hat. Andere kamen damit bestens zurecht. Der beste Neckertaler Schütze, Remo Knaus, klassierte sich mit 271 Punkten auf Platz 89. Auch Carlo Moser ist mit seinem Resultat nicht unzufrieden, er wurde 250.

Am vergangenen Freitagabend sitzt er am runden Tisch in der Schützenstube, neben ihm Beni Schweizer und Oliver Blatter. Gebannt schauen sie auf die Bildschirme, auf denen die Treffer angezeigt werden. Zeitgleich wie den Schützen, die im Schiessstand einen Stock tiefer am Abzug ziehen. Die Zehner werden bejubelt, bei den Aussentreffern verziehen die Zuschauer leicht das Gesicht. Trotzdem: Sie sind zufrieden.

Froh, dass sie einen Vereinsanlass durchführen können

Die Schützen auch. Leicht verschwitzt, noch in der Schiessjacke, gesellt sich Andreas Schweizer an den Tisch. Er hat gerade 20 Schuss stehend abgegeben und gönnt sich nun eine Pause. Er ist bei den Sportschützen Neckertal für das ESF zuständig.

Dass sie am grossen Schiessanlass teilnehmen, stand ausser Frage. Angemeldet haben sich die Schützen bereits fürs vergangene Jahr, das Sportliche wird jetzt nachgeholt. Es sei jedem Verein freigestellt, wie sie das Schiessen zwischen dem 11. Juni und dem 11. Juli organisieren wollen.

Die Teilnahme am Eidgenössischen Schützenfest ist Ehrensache. 47 Schützen der Sportschützen Neckertal haben sich angemeldet.

Die Teilnahme am Eidgenössischen Schützenfest ist Ehrensache. 47 Schützen der Sportschützen Neckertal haben sich angemeldet.

Bild: Sabine Camedda

Die Neckertaler haben sich für drei Wochenenden entschieden. «So können auch die Geselligkeit pflegen», sagt Andreas Schweizer. Besonders freut er sich, dass der Bundesrat rechtzeitig weitere Lockerungen durchgegeben hat. «Es ist schön, dass wir das ‹Eidgenössische› als Vereinsanlässe machen dürfen.»

Ziel: Möglichst weit nach vorne kommen

Ein bisschen Bedauern schwingt bei den Voten von Andreas Schweizer mit. «Mir fehlt das Wettkampf-Feeling», sagt der junge ambitionierte Schütze. Einige seiner Kameraden mögen ähnlich denken, aber letztlich gibt jeder das Beste. Welche Stiche ein Schütze schiesst, konnte er vorgängig selbst entscheiden. Ausser:

«Der Vereinsstich ist obligatorisch».

Jeder der 47 Teilnehmer müsse diesen absolvieren, erklärt Andreas Schweizer. Mit diesem treten die Neckertaler gegen viele andere Vereine an. Anvisiert wird ein Lorbeerkranz, was nicht einmal so unrealistisch ist, denn die Wände in der Schützenstube sind dekoriert mit goldenem und silbernem Eichenlaub.

170 Schuss in einer von drei Disziplinen

Ambitioniert sind auch einige Einzelschützen. Einer von ihnen ist Andreas Schweizer. Er sei einer von zwei Schützen aus dem Verein, der mit allen drei Waffenarten antritt. Gelöst hat er jeden Stich einmal – das Maximum von dem, was möglich ist. Allein über die 300 Meter sind das 170 Schuss.

170 Schuss über die 300-Meter-Distanz, dazu Kleinkaliber und Pistole: Andreas Schweizer schiesst beim «Eidgenössischen» alle Stiche.

170 Schuss über die 300-Meter-Distanz, dazu Kleinkaliber und Pistole: Andreas Schweizer schiesst beim «Eidgenössischen» alle Stiche.

Bild: Sabine Camedda

Für die Schützen sei es strenger, das Programm zu Hause zu schiessen, findet Andreas Schweizer. Aus Rücksicht auf die Nachbarn haben die Neckertaler ihre Schiesszeiten begrenzt. Das wiederum hat zur Folge, dass die Schützen für das Programm weniger Zeit zur Verfügung haben als in Luzern vor Ort. Hingegen sei es ein Vorteil, dass ihnen die Umgebung vertraut ist, dass sie den Stand kennen.

«So hält sich die Nervosität in Grenzen.»

Ob die Neckertaler und andere Schützen aus der Region zum Schützenkönigsausstich antreten können, steht erst kurz vor dem Festende fest. Klar ist an diesem Abend hingegen, dass die Schützen noch für einen Zwick zu den Jasskarten greifen. Das hätten sie in Luzern wohl auch gemacht. So anders ist das «Home-Shooting» letztlich doch nicht.

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