Schiesskeller statt Kegelbahn: Im ehemaligen «Kapplerhof» wird jetzt scharf geschossen

Das Toggenburg bekommt eine Indoor-Schiessanlage im ehemaligen Hotel Kapplerhof in Ebnat-Kappel. Die langjährigen Freunde Marcel Egli und Alexander Brunner haben während des Lockdowns die Kegelbahn umgebaut. Nun kann hier mit fast allen Kalibern geschossen werden.

Dinah Hauser
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Alexander Brunner (links) und Marcel Egli haben innert weniger Monate die Kegelbahn zu einer Schiessanlage umgebaut.

Alexander Brunner (links) und Marcel Egli haben innert weniger Monate die Kegelbahn zu einer Schiessanlage umgebaut.

Bild: Dinah Hauser

Über einen Seiteneingang geht es ins Untergeschoss des Kapplerhofs in Ebnat-Kappel. Die Luft ist kühl und abgestanden. Durch mehrere Türen geht es durch das ehemalige Hotel. In einem Innenhof ragen zwei Palmen in die Höhe. Es scheint, als wäre schon länger niemand mehr hier gewesen, was nicht ganz stimmt. Die Kegelbahn Schibestoll hat nämlich seit kurzem eine neue Funktion: Sie dient als Schiessanlage. Diese haben die langjährigen Freunde Marcel Egli und Alexander Brunner mit drei Freunden innerhalb weniger Monate umgebaut. Der 45-jährige Alexander Brunner witzelt:

«Man könnte es auch als Coronaprojekt bezeichnen.»

Ganz so ist es aber nicht. Der Umbau fand zwar während des Lockdowns statt, eine Schiessanlage war aber schon seit mehreren Jahren in Planung. Den beiden Pistolenschützen missfiel es, dass es in der Region keine solche gibt. Anlagen im Freien gibt es zwar viele. Diese werden von den Schützenvereinen gepflegt. Dort sind meist nur Ordonnanzwaffen zugelassen – andere Schusswaffen sind nicht gerne gesehen oder gar verboten. So nahmen sie es selbst an die Hand. Mit dem Ziel, eine Anlage für jedermann zu schaffen.

Am schwierigsten war die Standortsuche

Erste Abklärungen zu Auflagen folgten. «Am schwierigsten war es, einen geeigneten Standort zu finden», sagt der 46-jährige Marcel Egli. Mehrere Standorte hätten sie besichtigt, vorwiegend in Industriegebieten. «Uns ist es wichtig, dass die Lärmemissionen gering sind und sich niemand gestört fühlt», sagt Alexander Brunner.

Ein Schild weist noch auf die Ursprüngliche Form der Schiessanlage hin.

Ein Schild weist noch auf die Ursprüngliche Form der Schiessanlage hin.

Bild: Dinah Hauser

Über einen Bekannten hätten sie den Tipp erhalten, beim Kapplerhof anzufragen. Dort seien sie auf offene Ohren gestossen. Ein Platz für «Toggenburg Indoor Shooting» war gefunden. Zwar nicht die gewünschten 15 Meter Länge aber immerhin 13. Die Pistolenschüsse höre man aussen nicht, diejenigen von Gewehren fast nicht. Während des Testschiessens hätten die oberirdisch weidenden Rösser jedenfalls nicht reagiert.

Hotelventilator als Lüftung

Sie durften den Lüftungsventilator des Hotels umnutzen. Eigentlich ist dieser für das ganze Gebäude konzipiert, nun zieht er Rauch und Schiesspulver effizient ab: Läuft die Lüftung, bringt selbst Marcel Egli die Türe kaum zu; der Unterdruck ist in den Ohren merklich spürbar. Auch der Kugelfang ist solide. Schichten von 90 Zentimeter Sand, 1,5 Meter Holzschnitzeln, 50 Zentimeter Beton und Sandsäcke stellen sicher, dass keine Kugel verloren geht. Marcel Egli sagt:

«Man könnte sogar mit einem Sturmgewehr hier schiessen. Ob es sinnvoll ist, darüber kann man sich streiten.»

Eine Anlage für fast alle Kaliber also.

Die Betonwände sind mit weichem Holz verkleidet. Geht einmal ein Schuss daneben, dient das Holz als Rücksplitterschutz. Die Kugel zerschellt am Beton, die Splitter werden vom Holz aufgefangen. Löcher im Holz wollen beide nicht sehen, «denn dann wäre etwas gewaltig schief gegangen». Sicherheit steht denn auch an oberster Stelle, nicht nur bei den baulichen Vorkehrungen. «Es geht nicht primär darum, zu treffen. Sondern um die sichere Handhabung.»

Beide fühlten sich in anderen Schiessanlagen nicht wohl, wenn sie neben Unbekannten trainierten. Deswegen nehmen sie pro Zeitfenster nur eine Reservation von einer Gruppe oder Einzelpersonen entgegen. Dies auch, weil die Scheiben händisch aufgehängt werden müssen. Als positiver Nebeneffekt können die Coronamassnahmen einfacher eingehalten werden. Alleine halten sich die Schützen aber nie in der Anlage auf. «Stellen wir fest, dass es Fragen oder Probleme bei der Handhabung der Waffen gibt, sind wir sofort zur Stelle», sagt Marcel Egli.

Für den Bau holten sich die Freunde Hilfe im Bekanntenkreis. So erhielten sie von einem ehemaligen Schiessoffizier und einem Schützenmeister Tipps. Die Abnahme erfolgte schliesslich durch den zuständigen eidgenössischen Schiessoffizier. Zwei Stunden dauerte die intensive Inspektion. «Wir mussten alles zeigen und viele Fragen beantworten», sagt Marcel Egli. Der Aufwand hat sich gelohnt: «Wir haben auf Anhieb bestanden. Da sind wir schon ein bisschen stolz darauf.»

Verschossene Munition wird in Eimern gesammelt.

Verschossene Munition wird in Eimern gesammelt.

Bild: Dinah Hauser

Test, ob das Angebot genutzt wird

Der Mietvertrag ist zwar befristet, die Anlage läuft daher als Provisorium. Jedoch läuft der Vertrag erst bei Abbruch des Hotels aus. Das kann in 1,5 Jahren der Fall sein oder aber auch erst in zehn. Solange wollen sie denn auch bleiben. «Das gibt uns die Möglichkeit, zu testen, ob das Angebot genutzt wird», sagt Marcel Egli. Wenn dem so ist, würden sie nochmals auf Standortsuche gehen. Bis dahin hoffen sie, mit dem Betrieb die Investitionen aus eigener Tasche zumindest wieder reinholen zu können. Wie gross diese waren, können sie spontan nicht beziffern.

Über die Feuerwehr – Marcel Egli ist der örtliche Kommandant, Alexander Brunner ein ehemaliges Kadermitglied – hätten sie Kontakte zur Polizei, Sicherheitsdiensten oder Jägern. Erste Kunden seien seit der Eröffnung Ende August bereits gekommen; einige Kilo Hülsen in den Entsorgungseimern zeugen davon.

Die Preise: 60 Franken pro Person und Stunde, ab zwei Personen 100 Franken für den Raum. «Wir sind beide berufstätig und müssen nicht vom Schiessen leben», erklärt Marcel Egli die Preisstrategie. Nicht inbegriffen sind Munition und Zielscheiben. Mietwaffen sind vorhanden. Interessierte und Anfänger können sich für ein Schnuppertraining anmelden.

Die Anlage ist bei Bedarf geöffnet. Reservationen und weitere Informationen unter www.toggenburg-indoor-shooting.business.site.

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