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Kolumne

«Schade, dass wir endlich gehen!»

Am Mittwochabend erhielten rund 150 Schülerinnen und Schüler der Kanti Wattwil ihre Abschlusszeugnisse. Aus Fremden wurden über vier Jahre Freunde, schildert Praktikantin Corinne Bischof.
Corinne Bischof
Maturand Basil Schnellmann empfängt die Rose von Prorektor Johannes Horschik. (Bild: PD)

Maturand Basil Schnellmann empfängt die Rose von Prorektor Johannes Horschik. (Bild: PD)

«Können Sie sich noch an Ihren ersten Schultag erinnern?» Mit dieser Frage eröffnet Martin Gauer, Rektor der Kantonsschule Wattwil, am Mittwochabend die Abschlussfeier der Fachmaturitäts- und Kantonsschule in der evangelischen Kirche in Wattwil. «Wissen Sie noch, wie aufgeregt, angespannt, ängstlich oder vielleicht auch voller Vorfreude Sie waren?», fährt er fort.

Eine gute Frage, denke ich, und versinke in den Erinnerungen an meinen ersten Schultag an der Kanti Wattwil vor rund vier Jahren. Genau wie jetzt sassen damals 150 Schülerinnen und Schüler vor Martin Gauer und warteten gespannt darauf, was dieser zu erzählen hatte. Ich weiss noch genau, wie ich meine zukünftigen Mitschülerinnen und Mitschüler gemustert habe, das plappernde «Züridütsch» von denen «änet em Ricke» mit grossem Misstrauen angehört habe und mir dann dachte, dass ich eigentlich auch ohne Freunde auskommen kann.

Albträume wegen der Französischprüfung

Mit kindlicher Nüchternheit habe ich meine ersten Wochen in der Kanti problemlos gemeistert, die Angst einflössende Probezeit mit Bravour bestanden, mich zwischendurch in einer Art jugendlicher Rebellion hängen lassen, die Kurve spätestens im dritten Jahr wieder gekratzt, Herz und Blut in meine Maturaarbeit investiert, das Klassenlager wie auch den Sprachaufenthalt mit unvergesslichen Erinnerungen durchgestanden, an den Wochenenden ab und an eine Party zu viel besucht und schlussendlich auch die vier Wochen voller Abschlussprüfungen und regelmässigen Albträumen vor der mündlichen Französischprüfung erstaunlich entspannt überlebt.

Und jetzt sitzen wir hier. Mit einigen Ausnahmen genau dieselben 150 Schülerinnen und Schüler wie damals vor vier Jahren in der Eingangshalle der Kanti. Ich blicke durch die vordersten Reihen der evangelischen Kirche, auf denen sich die acht Abschlussklassen verteilt haben. Einige direkt in der Militäruniform, einige in Jeans und Pullover oder im glänzenden Anzug und vor allem die Frauen sind herausgeputzt wie Prinzessinnen aus einem Disney-Film.

Erschöpft nach Malta und Open Air

Doch trotz der Farbenpracht, trotz all den glitzernden Steinen auf den Kleidern und den charmanten Krawatten und Fliegen, die die Hälse meiner Mitschüler zieren – eines konnte kaum einer verbergen: die Erschöpfung, die den meisten Maturanden nach einer Woche Abschlussreise in Malta und anschliessendem Open Air schon von weitem anzusehen ist. Aber auch die Erregung, die Freude und die Erleichterung, endlich das kleine grüne Buch zu empfangen, das uns die Türen aller Hochschulen und Universitäten öffnet, stand allen im Gesicht geschrieben.

Der Reihe nach werden die Klassen auf die Bühne gerufen und jeder meiner Mitschüler und jede meiner Mitschülerinnen erhält sein eigenes grünes Buch vom Klassenlehrer, eine Rose vom Prorektor Johannes Horschik und eine Menge Applaus für ausserordentliche Leistungen. Ich gratuliere Laura Bauer, Jan Zikeli, Gabriel Baal, Mirjam Bachmann, Aita Gantenbein, Rena Schmucki, Atila Stocker und Chiara Tinner für die beste Maturitätsprüfung in ihrem Schwerpunkt.

Es zählen die Begegnungen und Erlebnisse

Ich klatsche für jeden und jede meiner Mitschülerinnen und Mitschüler. Denn jeder von ihnen hat es verdient, seinen Preis für die vier Jahre harte Arbeit, Durchhaltewillen und Nervenstärke zu erhalten. Doch das, was eigentlich zählt, ist nicht die schwarz gedruckte Zahl auf dem grün-weissen Papier, das in dem kleinen grünen Buch klebt. Was zählt, sind die unendlich vielen Begegnungen, Erlebnisse und Gemeinsamkeiten, die wir in völlig Fremden gefunden haben. Und könnte ich meinem alten Ich, das vor vier Jahren in der Eingangshalle der Kanti Wattwil stand und seine Mitschülerinnen und Mitschüler kritisch musterte, einen Rat geben, wäre es folgender: Du kannst hier nicht ohne Freunde auskommen, denn deine Freunde sind schon hier. Danke für die schöne Zeit oder um es in unseren eigenen Worten zu sagen: Schade, dass wir endlich gehen.

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