SC Ulisbach
Spezieller Sieg neben der Skipiste: Wie die jungen Skirennfahrer auf der Rolltreppe punkten

Die JO-Renngruppe des SC Ulisbach hat in diesem Winter nicht nur auf der Piste für Furore gesorgt. Die jungen Skirennfahrerinnen und Skirennfahrer entschieden mit originellen Videos die Challenge 21 für sich.

Beat Lanzendorfer
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Die JO-Renngruppe des Skiclubs Ulisbach mit Trainerin Regina Göldi.

Die JO-Renngruppe des Skiclubs Ulisbach mit Trainerin Regina Göldi.

Bild: PD

Die Skisaison ist bald zu Ende, die Luft ist aber noch nicht ganz draussen. Beim skifahrenden Nachwuchs drehte sich in diesem Winter nicht alles um die Geschwindigkeit. Schauspielerisches Talent war genauso gefragt. Und es scheint, als sei der Nährboden für die Umsetzung kreativer Ideen im Toggenburg besonders ausgeprägt.

Nur so ist es zu erklären, dass die JO-Renngruppe des Skiclubs Ulisbach als Sieger der Challenge 21 hervorging. Die Nachwuchstalente setzten sich bei den auf Videos aufgenommenen Darbietungen gegen schweizweit 120 Konkurrenten durch.

Aus dem Grand Prix Migros wird Challenge 21

Weil in diesem Jahr aufgrund der Covid-19-Situation der Migros Grand Prix, nach Angaben von Swiss Ski das grösste Kinderskirennen der Welt, nicht stattfinden konnte, hat der nationale Verband von Januar bis März die Challenge 21 als Alternative organisiert.

Diese bestand aus fünf Challenges mit den Themen dynamische Grundposition und parallele Skistellung, aktives Skifahren, stabiler Oberkörper und Hauptdruck auf den Aussenski. Die fünfte Challenge wurde als Produkt der ersten vier als Formation vorgetragen. Für jedes dieser Elemente blieb jeweils zwei Wochen Zeit, um die Vorgaben möglichst kreativ umzusetzen und in einem 45 Sekunden dauernden Video festzuhalten. Die finale Challenge durfte sogar 60 Sekunden lang sein.

JO-Renngruppe-Trainerin Regina Göldi.

JO-Renngruppe-Trainerin Regina Göldi.

Bild: PD

Die Jury der einzelnen Challenges war zusammengesetzt aus Mitgliedern von Swiss Snowsports, Swiss Ski und Sponsoren. Sie nominierte jeweils fünf der rund 120 eingereichten Videos der mitmachenden Skiklubs. Der Sieg wurde dann jenem Beitrag zugesprochen, der auf Facebook und Instagram die meisten Likes erhielt. Mit Ausnahme der ersten Challenge war der Videobeitrag der JO-Renngruppe des SC Ulisbach immer unter den besten fünf.

Mit diesem Video gewann die JO-Renngruppe die finale Challenge

Die Aufnahmen waren anspruchsvoll

Beim Skiclub Ulisbach hat sich als Drehbuchautorin Eliane Hüberli zur Verfügung gestellt. Sie erzählt lachend:

Eliane Hüberli: Drehbuchautorin und eine von acht Leiterinnen.

Eliane Hüberli: Drehbuchautorin und eine von acht Leiterinnen.

Bild: PD
«Ich bin in die Aufgabe hineingewachsen, die anderen haben ihre Ideen auch eingebracht. Die Aufnahmen waren ziemlich streng, weil es nicht immer auf Anhieb klappte.»

Sie hatten etwas im Kopf, probierten die Kameraposition. Dabei habe einiges funktioniert, anderes überhaupt nicht. «Wir hatten null Vorbereitung und lediglich zwei Wochen Zeit für die Produktion eines Videos. Wir alle waren keine Vollprofis und sind mehr oder weniger ins kalte Wasser geworfen worden.» Die Aufnahmen seien mit einem herkömmlichen Smartphone gemacht worden.

Weil dem Ideenreichtum keine Grenzen gesetzt waren, blieb es nicht bei Aufnahmen auf der Skipiste. «In Absprache mit dem Filialleiter der Migros Wattwil durften wir sogar die Rolltreppe benutzen. Dieser Input ist von den Kindern gekommen», erzählt Eliane Hüberli weiter.

Klar sei es im Sinne der Sponsoren gewesen, wenn ihr Name im Video zu sehen war. Als persönlich bestes Video bezeichnet Eliane Hüberli jenes der Brack-Challenge, obwohl die JO-Talente damit «nur» den vierten Platz belegten. In diesem geht es darum, wie ein Paket den Weg via Post zum Adressaten findet, der beim Online-Lieferdienst eine Bestellung aufgegeben hat.

Viele Helfer im Hintergrund

Die Hauptdarsteller des Skiclubs Ulisbach waren die 9- bis 16-jährigen Kinder der JO-Renngruppe. Hinter den Kulissen war aber der Einsatz der acht Leiterinnen und Trainerin Regina Göldi erforderlich, damit letztlich fünf überzeugende Videos entstanden ist. «Wichtig waren auch die Drohnenaufnahmen von Dario Göldi, ein nicht unwesentlicher Faktor auf dem Weg zum Sieg», erwähnt die Drehbuchautorin.

Für die Aufnahmen standen die üblichen Trainingstage Mittwochnachmittag und Samstagmorgen zur Verfügung. Das Training durfte dabei aber nicht zu kurz kommen.

Unterstützung bekamen die Kinder vom Demoteam Powderwomen Toggenburg. Ehemalige Skirennfahrerinnen von denen mehrere dem Skiclub Ulisbach angehören. Sie holten schon mehrmals den Schweizer-Meister-Titel im Formationsfahren und gaben den Teilnehmenden des SC Ulisbach wichtige Tipps.

Die Skiklubs leisten gute Nachwuchsarbeit

Für den ersten Platz in der finalen Challenge hat der SC Ulisbach Migros-Gutscheine im Wert von 2500 Franken erhalten. Die siegreichen Teilnehmerinnen und Teilnehmer hätten bereits kreative Ideen, was sie damit anfangen.

Die Sieger beanspruchen die Lorbeeren aber nicht nur für sich allein. Alle Skiklubs würden Ausserordentliches bei der Nachwuchsförderung leisten.

Was nimmt Eliane Hüberli aus dieser Challenge an Erfahrung mit? «Das Feuer ist von Challenge zu Challenge mehr entfacht worden. Die entstandene Dynamik war einmalig. Als ich mich bereit erklärte mitzumachen, war mir klar, ich setze mich voll und ganz für die Sache ein. Es war zwar intensiv, der Aufwand aber hat sich gelohnt, nicht nur ich freue mich riesig über den Erfolg.»

Corona hat einige Nachteile gebracht

Trotz Sieg in der Challenge 21 hatten die Mitglieder des SC Ulisbach im Coronawinter auch Tiefschläge zu verdauen. «Wir durften in diesem Winter nicht in unsere Skihütte in Unterwasser, die sich direkt an der Skipiste befindet. Dies haben vor allem die Kinder vermisst, ihnen hat dadurch die Möglichkeit gefehlt, sich aufzuwärmen», erklärt Eliane Hüberli.

Profitiert hätte der Skiklub hingegen davon, dass im Skigebiet Unterwasser jederzeit perfekte Trainingsbedingungen zur Verfügung standen.

Nun neigt sich die Rennsaison des JO-Rennteams ihrem Ende entgegen. Die Rennsaison werde am Osterwochenende mit den Finalrennen des Ostschweizer Skiverbandes im liechtensteinischen Malbun abgeschlossen.