Sanierung
Wegen Kalk und einer verfaulten Leitung: ARA Bazenheid muss für eine Million Franken saniert werden

Seit über 50 Jahren reinigt die Abwasserreinigungsanlage Bazenheid Abwasser. Nun sind nach einer Totalsanierung in den Jahren 1999 bis 2009 weitere Arbeiten nötig. In den kommenden Wochen wird die Sanierung des zweiten Faulturms in Angriff genommen.

Beat Lanzendorfer
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Der rechte Faulturm der ARA Bazenheid wurde im letzten Jahr saniert. Nun ist ab Ende Januar der linke an der Reihe.

Der rechte Faulturm der ARA Bazenheid wurde im letzten Jahr saniert. Nun ist ab Ende Januar der linke an der Reihe.

Bild: Beat Lanzendorfer

Für welche Verschmutzung der Mensch verantwortlich ist, wird erst ersichtlich, wenn man sich das Ausmass vor Augen führt. Jede Sekunde gelangen über die Kanalisation 30 bis 180 Liter Schmutzwasser zur Abwasserreinigungsanlage Bazenheid (ARA). Bevor dieses der biologischen Reinigung zugeführt werden kann, damit es für den Mensch und die Umwelt nicht mehr schädlich ist, sind vorgängig mehrere automatisierte Prozesse erforderlich.

Zu diesen zählt die Umwandlung des Klärschlammes in Gas, was in den sogenannten Faultürmen geschieht. Insgesamt verfügt die ARA über vier Faultürme. Von denen sind aktuell nur die beiden mit Baujahr 1980 in Betrieb. Einer der beiden älteren aus dem Jahr 1968, dem Jahr, als die ARA ihren Betrieb aufnahm, wird als Stapel (Pufferbehälter) eingesetzt. Der andere wird zurzeit nicht genutzt.

Nun sind bei den beiden neueren Faultürmen Schäden in den Leitungen aufgetreten. Diese bedingen eine Sanierung. Bereits im vergangenen Jahr wurden Arbeiten am einen ausgeführt, nun kommt der zweite dran.

Verstopfte Leitungen waren Ursache der Sanierung

Die Kalkschicht im Inneren der Rohre.

Die Kalkschicht im Inneren der Rohre.

Bild: PD

Die Sanierung der Faultürme wurde nötig, weil sich in den Leitungen, die zu den Faultürmen führen, eine mehrere Zentimeter dicke Kalkschicht gebildet hat. An dieser blieben Feststoffe hängen und verstopften die Leitungen. ARA-Leiter Adrian Raschle sagt:

Adrian Raschle, Leiter ARA Bazenheid.

Adrian Raschle, Leiter ARA Bazenheid.

Bild: Beat Lanzendorfer
«Das Problem hat sich durch eine von innen durchgefaulte, verzinkte Leitung zusätzlich verschärft.»

Bei der Überprüfung des Betons, dies war erst nach der Entleerung des ersten Faulturms möglich, hätten die Experten hingegen Entwarnung gegeben. Dieser ist auch nach vier Jahrzehnten noch in gutem Zustand und musste nicht saniert werden.

Dazu erklärt Adrian Raschle weiter: «Der Kalk, der in den Leitungen die Schäden verursachte, erwies sich hier als Segen und diente als Schutzschicht.» Beide Faultürme verfügen über ein Fassungsvermögen von 2000 Kubikmetern. Die gesamten Sanierungsarbeiten sind mit rund einer Million Franken veranschlagt.

Die von innen durchgefaulte, verzinkte Leitung.

Die von innen durchgefaulte, verzinkte Leitung.

Bild: PD

Arbeiten beginnen Ende des Monats

Nachdem im letzten Jahr der erste Faulturm saniert wurde und zwischenzeitlich seinen Betrieb wieder aufgenommen hat, werden die Sanierungsarbeiten am zweiten Faulturm Ende Januar in Angriff genommen.

Letztendlich werden Total rund 600 Meter Leitungen ersetzt. Bis zum Beginn der Sommerferien soll auch im zweiten Faulturm die Umwandlung von Klärschlamm in Gas wieder möglich sein. «Wir erzeugen aus dem Gas Strom zur Selbstversorgung, zusätzlich führen wir einen Teil dem öffentlichen Stromnetz zu», sagt Adrian Raschle.

Immerhin: Ein Drittel des anfallenden Klärschlamms könne in Gas umgewandelt werden. Zweidrittel müssten entsorgt werden. Der sogenannte ausgefaulte Schlamm werde gepresst (entwässert) und dem Zweckverband Abfallverwertung Bazenheid (ZAB) zur Verbrennung zugeführt.

Für mehrere Gemeinden zuständig

Die ARA in Bazenheid ist im Besitz der Gemeinde Kirchberg. Ihr Einzugsgebiet erstreckt sich über die Gemeinden Kirchberg und Lütisburg sowie einzelnen, kleineren Abschnitten der Gemeinden Jonschwil, Bütschwil-Ganterschwil, Oberuzwil und Mosnang. Für 50 Prozent der Betriebskosten kommt die Besitzergemeinde auf. Die andere Hälfte tragen die Gemeinde Lütisburg sowie die vier grössten Industriebetriebe der Gemeinde Kirchberg.

Zur Infrastruktur der ARA Bazenheid gehören rund 180 Kilometer Abwasserkanäle, zwölf Abwasserpumpwerke sowie vier Regenbecken. Die Anlage ist auf 35'000 Einwohnerinnen und Einwohner ausgelegt. Von den 40 Kläranlagen des Kantons St.Gallen ist diejenige in der Bazenheider Mühlau die zehntgrösste. Die Inbetriebnahme geht auf das Jahr 1968 zurück. Im selben Jahr eröffnete die Micarna ihre Produktionsstätte in Bazenheid.

Die ARA in Bazenheid ist seit 1968 in Betrieb.

Die ARA in Bazenheid ist seit 1968 in Betrieb.

Bild: Beat Lanzendorfer

Pro Tag werden zwischen vier und zwölf Millionen Liter Wasser (4000 bis 12'000 Kubikmeter) durch die ARA gereinigt. Dies entspricht einer jährlich zu reinigenden Wassermenge von etwa zwei Milliarden Litern. Dafür zuständig ist ein vierköpfiges Team um ARA-Leiter Adrian Raschle. Dieses Team leistet auch Pikettdienst, denn die Anlage ist während 24 Stunden über 365 Tage im Jahr in Betrieb.

«Jährlich werden rund 80 bis 100 Störungen ausserhalb der regulären Arbeitszeit ausgelöst. 95 Prozent davon können aber online von zu Hause aus erledigt werden», erklärt Adrian Raschle abschliessend.

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