Interview

Samschtig-Jass-Schiedsrichter Jörg Abderhalden: «Für mich ist jede Sendung ein Training im Kopfrechnen»

Das Toggenburg ist mit Jörg Abderhalden, der als Schiedsrichter am Tisch sitzt, in jeder Sendung des Samschtig-Jass vertreten. Vor den Aufzeichnungen der Sendung im Dömli in Ebnat-Kappel erzählt der Nesslauer, was ihn an der Sendung besonders fasziniert.

Sabine Camedda
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Der ehemalige Spitzenschwinger Jörg Abderhalden amtet seit rund eineinhalb Jahren als Schiedsrichter beim Samschtig-Jass.

Der ehemalige Spitzenschwinger Jörg Abderhalden amtet seit rund eineinhalb Jahren als Schiedsrichter beim Samschtig-Jass. 

Bild: PD

Sie sind seit rund eineinhalb Jahren Schiedsrichter beim Samschtig-Jass. Hat sich Ihr Jassverhalten verändert?

Jörg Abderhalden: Nein, mein Jassverhalten hat sich nicht verändert. Aber in meiner Funktion als Schiedsrichter bin ich auch nicht direkt ins Spielgeschehen involviert. Ich bin ja nur derjenige, der die Punkte zählt. Dadurch jasse ich gar nicht so viel, wie man vielleicht meinen könnte.

Spielen Sie seit Ihrem Engagement lieber den Differenzler, der beim Samschtig-Jass gespielt wird?

Nein, das nicht. Aber ich spiele hin und wieder mit meinen Kindern mit den französischen Karten. Mein Sohn hat Spass daran und ich kann üben, die französischen Karten zu zählen. Wir sind uns ja die deutschen Karten gewohnt.

Sind Sie noch gleich beliebt als Jasspartner wie zuvor?

Ja, da hat sich nichts geändert. In unserer Familie gibt es Phasen, in denen wir mehr jassen. Aber gerade über die Festtage greifen wir sicher immer wieder zu den Jasskarten.

Der Samschtig-Jass gastiert im Dömli in Ebnat-Kappel. Ist das Ihr Verdienst?

Nicht direkt, ich habe mich aber sehr gefreut, dass das Schweizer Fernsehen diese Option geprüft hat und die Sendungen dort aufzeichnet.

Der kurze Weg zum Aufzeichnungsort kommt Ihnen sicher entgegen?

Das ist so. Normalerweise übernachte ich bei den Aufzeichnungen auswärts und hier kann ich nach Hause fahren. Das ist für mich sehr angenehm.

Wie gross ist Ihr Aufwand für eine Sendung?

Wir rechnen mit etwa einem halben Tag pro Sendung. Hier in Ebnat-Kappel haben wir ein bisschen früher mit den Proben angefangen, weil es die ersten Sendungen mit Moderatorin Fabienne Bamert sind. Der Tag besteht aus Proben und dann werden noch zwei Sendungen aufgezeichnet.

Das sind dann lange Tage?

Normalerweise dauert die Arbeit rund zehn Stunden. Hier sind die Tage wie gesagt noch ein bisschen länger.

Wie stark müssen Sie als Schiedsrichter den Kopf bei der Sache haben?

In der Sendung muss ich mich fest konzentrieren. Wenn bei den Proben oder bei der Generalprobe ein Fehler passiert, ist das nicht so schlimm, in der Sendung hingegen schon. Ich zähle ja nicht nur die Punkte des Telefonjassers, sondern die von allen vier Spielern am Tisch.

Zählen Sie fortlaufend bei jedem Stich?

Ja, ich zähle jeweils nach dem Stich und notiere mir die Punktzahl. Gerade bei der ersten und der dritten Runde habe ich nicht viel Zeit. Ich muss wissen, was jeder einzelne Spieler angesagt und gemacht hat. Dazu, wie viele Punkte insgesamt angesagt worden sind. Wenn es am Schluss 157 Punkte gibt, dann stimmt es auch.

Das heisst, Sie kontrollieren jeweils die Resultate?

Ja, ich zähle am Schluss alle Resultate zusammen und es muss die 157 Punkte geben.

Sind Sie sehr gut im Kopfrechnen?

Ich konnte schon immer gut Kopfrechnen und dies ist ein gutes Training für mich. Im Berufsalltag brauche ich das Rechnen nicht mehr so häufig.

Fabienne Bamert ist die neue Moderatorin der Sendung. Bringt das für Sie Umstellungen mich sich?

Ich hatte eine gute freundschaftliche Beziehung zum ehemaligen Moderatoren Reto Scherrer. Es ist natürlich etwas Anderes, wenn zwei Männer miteinander die Sendung machen, als wenn es eine Frau und ein Mann sind. Fabienne Bamert kann selber gut jassen, das ist eine Erleichterung. Wir müssen uns aber schon noch aufeinander einstellen.

Müssen Sie sich auch um die Jasser am Tisch kümmern?

Meistens zeige ich dem prominenten Jasser, wie es bei uns am Tisch funktioniert. Einige von ihnen kenne ich bereits, andere lerne ich erst kennen. Die andren Tischjasser werden von einer Person aus dem Team im Hintergrund instruiert.

Und der Telefonjasser?

Der ist aus technischen Gründen nicht zu Hause, sondern sitzt bei uns im Übertragungswagen und er wird auch während der ganzen Sendung von jemandem aus dem Team betreut.

Auf Ihrer Internetseite steht, dass Sie sich jeweils auf die Aufzeichnungen des Samschtig-Jass freuen. Was ist daran so besonders?

Für mich ist es eine gute Abwechslung zum Alltag. Ich bin als Schreiner tätig und führe mit einem Partner in Ulisbach ein eigenes Geschäft, das sehr gut läuft. Die Aufzeichnungen für den Samschtig-Jass sind für mich zwei Tage Auszeit. Ich bin nicht im Geschäft und habe andere Menschen um mich als im Alltag. Weil ich auch viele Leute kennen lerne, ist es für mich eine spannende Abwechslung.

Wie häufig werden Sendungen aufgezeichnet?

Wir zeichnen ungefähr alle zwei Monate jeweils vier Sendungen vom Samschtig-Jass auf. Das ergibt somit etwa 24 Sendungen im Jahr.

Schauen Sie mit der Familie die Sendungen an?

Mittlerweile schaue ich nicht mehr jede Sendung an, es kommt darauf an, was wir sonst machen. Und ich weiss ja, was passiert.

Betrachten Sie sich kritisch?

Ja, ich sehe es als meine Aufgabe, die Sendungen und vor allem mich kritisch anzuschauen. Ich finde immer wieder etwas, das ich verbessern kann.