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Sakrale Musik ist seine Berufung

Seit August leitet der Italiener Stefano Bertoni die Kantorei Toggenburg. Ihr nächster Auftritt findet am Samstag in Lichtensteig statt. Das Konzert nimmt das Thema «Warten» auf.
Cecilia Hess-Lombriser
Stefano Bertoni wohnt in der Altstadt Lichtensteigs und ist seit August Leiter der Kantorei Toggenburg. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Stefano Bertoni wohnt in der Altstadt Lichtensteigs und ist seit August Leiter der Kantorei Toggenburg. (Bild: Cecilia Hess-Lombriser)

Obwohl Stefano Bertoni wenig Zeit hatte, mit den 13 Sängerinnen und Sängern das Konzert «Zeit des Wartens» einzustudieren, ist er nach der ersten Aufführung von Mitte November in Oberuzwil sehr zufrieden. «Es ist gut gelungen, die Akustik in der evangelischen Kirche war grossartig. Die Konzentration und die Aufmerksamkeit der Zuhörenden waren spürbar. Es war eine Freude, auf diese Weise beginnen zu können», fasst der gebürtige Italiener zusammen.

Die Kantorei Toggenburg führt das Konzert am kommenden Samstag, 1. Dezember, um 19 Uhr in der katholischen Kirche Lichtensteig nochmals auf. Die Literatur nimmt das Thema Warten auf. Maria stehe dabei im Mittelpunkt und damit die bedeutendste Botschaft, dass Jesus der Retter erwartet wird.

Von Italien über Deutschland ins Toggenburg

Stefano Bertoni wohnt seit zwei Jahren zusammen mit seiner Frau Emi Takada, Querflötistin, und ihren zwei kleinen Kindern in Lichtensteig. «Es war Zufall, dass wir ins Toggenburg gekommen sind; die Wohnung hat uns gefallen», zeigt er seine Spontanität. Dass er nun mehrmals pro Woche über den Ricken fahren muss, um nach Unteriberg und Studen zu gelangen, wo er hauptberuflich als Kirchenmusiker angestellt ist, hatte er damals zwar realisiert, aber nicht an möglichen Schnee gedacht, vor allem, wenn er spät in der Nacht nach Hause fährt.

Er ist 1984 in Legnano, Provinz Verona, geboren. Dort, wo sich die Landschaft Richtung Mailand weitet. Trotzdem sieht er in den Hin- und Rückfahrten einen Vorteil. «Ich kann von einem Ort zum anderen abschalten und mich wieder der jeweiligen Aufgabe widmen, wenn ich ankomme.»

Stefano Bertoni hat am Konservatorium F. Venezze in Rovigo Orgel und Komposition studiert und schloss mit der Bestnote ab. 2011 gewann er ein Stipendium, das ihm ermöglichte, an der Musikhochschule Trossingen in Deutschland zu studieren. Hier schloss er mit dem Orgelmaster und mit dem Diplom Kirchenmusik ab. Als Konzertorganist gastierte er in verschiedenen Ländern. Nebst der Leitung von zwei gemischten Chören im Kanton Schwyz, unterrichtet er auch Klavier und Orgel an der Stiftsschule im Kloster Einsiedeln

Geistliche und weltliche Musik aufführen

Zum Gespräch ist Stefano Bertoni zusammen mit Barbara Jäger, Präsidentin der Kantorei Toggenburg, gekommen. Sie war die erste Kontaktperson für die neue Aufgabe. «Als ich das Inserat gelesen hatte, informierte ich mich auf der Homepage der Kantorei und es gefiel mir, was da schon gesungen worden war. Ich hatte Lust, mit den Sängerinnen und Sängern zu musizieren. Ich liebe die Kirchenmusik, aber ich leite auch gerne einen Chor ausserhalb des Gottesdienstes, der geistliche und weltliche Musik singt.»

So kam es zur Anstellung. Sowohl Barbara Jäger als auch Bertoni betonen, dass es eine Zeit brauchen werde, um sich gegenseitig kennenzulernen. «Ich muss erst verstehen lernen, was und wie viel ich verlangen kann», meint er. Bei jedem Dirigentenwechsel gebe es Änderungen. Das sei für beide Seiten gut.

Wichtig ist dem jungen Musiker, liebevoll, locker und dennoch konzentriert mit dem Chor zu arbeiten. «Ich will den Sängerinnen und Sängern in die Augen schauen und eine Freude sehen», sagt er und strahl dabei selber.

Musik und Wort gehören zusammen

«Sakrale Musik bedeutet mir alles. Sie ist meine Berufung», offenbart Stefano Bertoni. Dabei hat er eine ganzheitliche Sicht seiner Mission. «Ich bin ein offener Mensch und mag es locker und ich will als Mensch und Musiker für die Menschen da sein. Die Musik ist das beste Mittel, die Liebe Gottes zu vermitteln. Sie kommt mit ihrer flexiblen Weise direkt an, weckt Emotionen, schafft Verbindungen zwischen den Musizierenden und den Zuhörenden.» Er möge gut gemachte Musik, sagt Stefano Bertoni:

«Kunst, und in diesem Fall Musik machen, ist die handwerklichste Arbeit der Welt. Hinter einer Komposition etwa steht die handwerkliche Arbeit des Komponisten und dabei sind alle Sinne beteiligt.»

Grundsätzlich ist Stefano Bertoni zufrieden, wie der Gesang und die Musik in den Gottesdiensten gepflegt werden. «Hie und da spüre ich zwar, dass die Musik an zweiter Stelle steht. In der reformierten Kirche sind Wort und Musik ebenbürtig. Es würde gut tun, wenn es in der katholischen Kirche mehr protestantische Musik geben würde, dass man spüren würde, dass das Evangelium musikalisch lebt», regt er an.

«Wir müssen die Mechanismen verstehen»

Selber geht er nun den Weg mit reicher und vielfältiger Literatur mit der Kantorei Toggenburg. Dabei fordert er die Sängerinnen und Sänger, die mehrheitlich zusätzlich Stimmbildungsunterricht besuchen und seit fünf Jahren ein Vocalensemble bilden.

Die Arbeit mit dem Körper, der Atmung und der Stimme ist ihm wichtig. «Wir müssen den Gesang mit den Körpermechanismen verstehen, die Stimme optimal trainieren, damit sie nicht missbraucht wird, sondern heil und flexibel eingesetzt werden kann. Es ist auch im Alltag wichtig, die Stimme richtig einzusetzen und sich der Körperhaltung und der Atmung bewusst zu werden», zeigt der Dirigent die grossen Zusammenhänge auf. Er und Barbara Jäger freuen sich ausserdem, wenn Sängerinnen und Sänger mit Chorerfahrung zur Kantorei Toggenburg stossen möchten. Eine Person zusätzlich pro Stimme wäre ideal. Die Proben finden jeweils in Wattwil statt.

Aufführung am Samstag in Lichtensteig

Die Kantorei Toggenburg besingt den Adventsbeginn im Advent aus unterschiedlichen Perspektiven und Zeitaltern. Zum ersten Mal tritt sie unter der neuen Leitung von Stefano Bertoni auf. Passend zum a capella Gesang spielt Simona Umarov mit Theorbe und Laute – Vorläufern der Gitarre. Die Konzertmusik erstreckt sich über viele Jahrhunderte und immer wieder steht Maria im Zentrum: von der volkstümlichen Verkündigung «Angelus ad virginem» aus einem altirischen Gesangsbuch über Griegs romantisches «Ave maris stella» bis zur Adventskomposition des Ungarn Kodály. Die Zeit des Wartens ist das grosse Thema dieser Musik. «Die Kinder warten auf den Christbaum, Maria auf die Niederkunft, der Prophet Jesaia auf den Messias, wir alle auf den Bus» – und vielleicht auch auf Frieden, Liebe und gegenseitiges Verständnis?

Das Konzert der Kantorei Toggenburg, mit Lautenistin Simona Umarov und Musik aus fünf Jahrhunderten, findet diesen Samstag, 1. Dezember, um 19 Uhr, in der katholischen Kirche Lichtensteig statt. Freier Eintritt mit Kollekte.

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