Big Band Kanti Wattwil eröffnet die Saison zusammen mit internationalem Solisten

Die Big Band Kanti Wattwil spielt am ersten Konzert Jazz-Standards und Arrangements berühmter Namen. Gastsolist ist der Vibrafonist Jean-Lou Treboux.

Peter Küpfer
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Gefördert und gefordert: Die jugendlichen Mitglieder der Big Band bei der Probe. (Bild: Peter Küpfer)

Gefördert und gefordert: Die jugendlichen Mitglieder der Big Band bei der Probe. (Bild: Peter Küpfer)

Trotz Schallisolierung dringt die Musik durch die Eingangshalle vor der Aula der Kanti Wattwil. Öffnet man die schwere Tür, ist man mitten in der Probe für das bevorstehende Konzert. Auf der Bühne sitzen gestaffelt die jungen Musiker, darunter auffallend viele sehr junge Gesichter, unübersehbar auch die jungen Bläserinnen in den Reihen der Saxofonisten und Posaunisten. An der Fensterwand, auf der ganzen Fläche der Seitenbänke liegen in malerischem Chaos Kleidungsstücke, Schultaschen, Sonnenbrillen, Mineralwasserflaschen und was der Schulalltag halt sonst noch in die Probe spülte: Das Schulleben hat begonnen, die Musik ist eine Sonderleistung.

Links vor seinem Instrument, gleichzeitig gelassen und konzentriert, Gastsolist Jean-Lou Treboux, international gefragter Vibrafonist. Nur selten blickt er in die Partitur, dafür umso mehr ins Ensemble, wobei er nur spärlich Kommentare und Hinweise gibt. Die Musik fliesst quasi aus seinem Körper über die Hände, welche manchmal nur tastend, dann wieder energisch-pointiert über die Klangflächen gleiten. Im Hintergrund wacht Jan Geiger über das Geschehen, im Hauptfokus die von ihm auch diesmal gecoachte Rhythmusgruppe.

Es wird noch an Feinheiten gefeilt

Das Programm hat dem Gastsolisten entsprechend denn auch «Schlagseite» in Richtung auf das Vibrafon. Jean-Lou Treboux ist in Nyon aufgewachsen und Jazzmusiker seit seiner Kindheit. Vom Schlagzeug herkommend, hat sich der national und international gefragte Solist und Komponist schon früh dem Vibrafon gewidmet.

An der letzten Probe vor dem Konzert ist durch die Gegenwart dieses professionellen Exponenten der Westschweizer Jazzszene die Konzentrationsstufe des verdienten Jugendensembles noch einmal eine Spur angewachsen. Nur selten noch unterbricht Martin Winiger, Bandleader der Formation seit ihren Anfängen, das Spiel. Es geht «nur» noch um Akzente und Feinheiten. In «Since I feel for you» darf beim Bläser-Tutti die Spannung nie abflauen: «Do hemmer de Schub», stellt Winiger nach erfolgter Korrektur befriedigt fest.

An anderen Stellen, etwa im «April in Paris», ist noch eine Spur mehr «Bodensatz» gefragt, ein ganz homogener Klangteppich, auf und über den sich das helle Soloinstrument abhebt. In «Dance for Victor» muss Nachwuchstalent Lino Nüesch an den Drums seine Intensität nicht dämpfen. «Man hört mich schon», wirft Jean-Lou Treboux schmunzelnd ein, übrigens auf Englisch.

Qualitativer Sprung in Gegenwart der «Grossen»

Das Programm des Eröffnungskonzerts stellt bekannte Jazz-Standards ins Zentrum, unter anderen «Stompin’ at the Savoy», «April In Paris» oder «Sing Sing Sing». Es wird damit den grossen Jazzvibrafonisten wie Milt Jackson, Bobby Hutcherson oder Terry Gibbs gehuldigt. In den anspruchsvollen Arrangements der besten Big Band-Schreiber wie Bob Mintzer, Bert Joris, Don Sebesky oder Peter Herbolzheimer ist das immer wieder bestätigte erstaunliche Können der Big Band Kanti Wattwil einmal mehr gefordert. Den Gesichtern nach zu urteilen, wird das von den Spielenden sehr geschätzt.

Bandleader Martin Winiger stellt immer wieder fest, wie die eh schon vorhandene Bereitschaft, sein Bestes zu geben, mit der Gegenwart der «Grossen» der Musikszene noch einmal einen qualitativen Sprung macht. «Das ist der willkommene Miteffekt bei unseren Konzerten. Wir können sie nur weiter beibehalten, wenn uns unsere Sponsoren auch in Zukunft unterstützen», sagt Winiger in der Probenpause. Wie alles andere brauche auch das viel Engagement. Und Zeit.

Konzertdaten

Das Konzert ist morgen Samstag, 25. August, um 20 Uhr, im Stadtsaal in Wil zu hören und am Sonntag, 26. August, um 19 Uhr, im Thurpark in Wattwil.