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Damals: Seit 51 Jahren im Einsatz

Aus vergangenen Zeiten – das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Für Agnes Räbsamen gehören Beten und Läuten in der Antoniuskapelle täglich um elf Uhr zum Tagesablauf.

Für Agnes Räbsamen gehören Beten und Läuten in der Antoniuskapelle täglich um elf Uhr zum Tagesablauf.

Bild: PD (27. Juli 2011)

Vor 100 Jahren

27. Juli: Obertoggenburg. Nachdem mit Hilfe von Staat, Gemeinde und Interessenten in Alt St.Johann die Strassenteerung durchgeführt worden war, sind die bezüglichen Arbeiten zurzeit in Nesslau im Gange. Damit dürfte die Staubplage, wie sie durch den grossen Autoverkehr verursacht, auf ein Minimum reduziert werden.

27. Juli: Wattwil. Die Anwohner der Staatsstrasse leiden zurzeit ganz empfindlich unter der Staubplage und glauben, bessern Schutz von der Gemeindebehörde verlangen und beanspruchen zu dürfen! Seit mehr als acht Tagen ist der schon früher zu wenig oft gefahrene Spritzwagen gar nicht mehr sichtbar geworden, angeblich wegen Wassermangel. Wenn das wirklich der Grund ist, müsste daraus die bedauerliche Schlussfolgerung gezogen werden, dass man mit der Ausdehnung des Wasserleitungsnetzes schon zu weit gegangen ist!

In diesem Falle ist es Pflicht des Gemeinderates, die Dorfbewohner auf andere Weise vor zu grosser Staubentwicklung zu schützen und da ist das Nächstliegende, dass er die Polizeiorgane anhält, die Vorschriften, welche eine reduzierte Fahrgeschwindigkeit für Automobile und Motorfahrräder beim Durchfahren der Ortschaften vorschreibt, endlich auch wirklich zu handhaben und die Fehlbaren, welche in rücksichtsloser Weise das Dorf durchrasen, zur Verantwortung zu ziehen!

Ferner wird die Gemeindebehörde ersucht, die Überteerung der Strassen im Dorfzentrum zu studieren, um nachher eine öffentliche Versammlung zur Besprechung dieser sehr zeitgemässen Neuerung zu veranstalten.

27. Juli: Bütschwil. Der hiesige Gemeinderat macht in einer Publikation darauf aufmerksam, dass es mit den gesetzlichen Bestimmungen im Widerspruch sei, dass auf demselben Velo zwei Personen fahren, geschehe es auch durch Stehen auf dem Hinterrade. Die polizeilichen Organe sind angewiesen worden, gegen Fehlbare einzuschreiten, da aus diesem Übelstand gar leicht Unglücksfälle entstehen.

Vor 50 Jahren

23. Juli: Toggenburg. Tipp für Toggenburgerinnen. Aktion saubere Schweiz. Haben Sie ein merkwürdiges Geschmäcklein in der Küche? Dann schauen Sie doch zuerst einmal nach, ob Sie den Plastik-Abfallsack auch richtig zugebunden haben, bevor Sie Ihren Hund oder Ihre Katze verdächtigen.

Denn die Abfälle geraten sehr rasch in Gärung und verbreiten einen unangenehmen Geruch, wenn der Sack nicht fest verschlossen ist. Und hier noch einen Tipp, den Sie vielleicht nicht kennen: Schnell faulende Reste, wie Fisch und dergleichen, geben Sie am besten zuerst in eine leere Konservendose und drücken den Deckel darauf, bevor Sie sie in den Sack werfen. Doch aufgepasst, dass die scharfe Kante der Dose nicht nach aussen zu liegen kommt.

Es braucht sehr wenig, um einen Riss im Plastik zu produzieren. Beim Heraustragen des Sackes auf die Strasse wird dieser Riss dann immer länger und es kann Ihnen blühen, dass Sie unterwegs die halbe Herrlichkeit verlieren. Es wäre doch etwas peinlich, wenn Sie unter dem schadenfrohen Lächeln der Nachbarinnen alles zusammenwischen müssten. Nicht wahr?

26. Juli: Brunnadern. Nach langem Planen und Suchen ist es der Evangelischen Kirchgemeinde Brunnadern gelungen, einen geeigneten Raum für die Jugend zu finden. Der Schulrat hat sich bereit erklärt, ihr einen im Keller des Schulhauses freigewordenen Raum zur Verfügung zu stellen. Die «Junge Kirche» will nun dort aus eigenen Kräften ein Klublokal einrichten.

Vor 20 Jahren

24. Juli: Wildhaus. Aus Feriengästen wurden Freunde. Die Schweiz kennen Ria und Adriaan Weijtmans fast wie ihren Hosensack, denn sie verbringen seit 45 Jahren Ferien in der Schweiz. Seit 20 Jahren sind sie jedes Jahr zu Gast bei Ursula und Hans-Rudolf Gygax in der «Bergrose» in Wildhaus. In dieser langen Zeit wurden sie und die Hausbesitzer Ursula und Hans-Rudolf Gygax aus Lichtensteig zu Freunden.

Dominik Hasler, Leiter vom Tourist-Info Wildhaus, überbrachte den treuen Feriengästen ein Zertifikat und einen Gutschein für eine Bahnfahrt auf die Gamsalp, mit einem Blick hinter die Kulissen. Er lobte das Ehepaar Weijtmans für seine Treue zu Wildhaus. «Sie sind Botschafter fürs Toggenburg», erklärte Dominik Hasler.

25. Juli: Bächli. Kunst fürs «stille Örtchen» vom Wettkönig. Nicht nur ein Denkmal für die «wettreichen» Zimmerleute ist in Bächli zu finden, sondern auch eine Erinnerung an jenen Mann, der mit seiner WC-Papier-Wette den Handwerkern aus dem Neckertal den Titel des Wettkönigs in der Februar-Sendung von «Wetten, dass..?» streitig gemacht hat.

Die Rede ist vom in Wädenswil wohnhaften Roger Weisskopf, der hauptberuflich als Künstler tätig ist und unter anderem WC-Deckel bemalt. Und eben ein solches Deckel-Unikat ziert seit einigen Tagen das «stille Örtchen» des Restaurants Frohheim.

Anlässlich eines Besuchs im Restaurant Frohheim – er kam auf Einladung der «Wetten, dass..?»-Zimmerleute zu Stande – erhielt Roger Weisskopf von der Wirtin Vreni Büchel den Auftrag, einen für die Gegend typischen WC-Deckel zu gestalten. Und wen wundert's, dass der Künstler in Anbetracht der gebirgigen Gegend eine grasende Kuh vor einer Gebirgskette als Sujet wählte.

Vor 10 Jahren

22. Juli: Mosnang. Der kurze Gang vom Wohnhaus zur Kapelle gehört für die 1934 geborene Agnes Räbsamen zur liebgewordenen Pflicht. Kurz vor elf Uhr lässt sie die Arbeit liegen, geht zur Kapelle, nimmt das Glockenseil zur Hand und betet das Ave-Maria, auch bekannt als «Englischer Gruss».

Nach Beendigung des Gebets und wenn der letzte Glockenton über die Hügel verklingt, geht die Bäuerin zurück und packt ganz selbstverständlich wieder dort an, wo sie kurz zuvor aufgehört hat. «Das tägliche Gebet gehört für mich zum Tagesablauf und wenn ich mich so umschaue, haben wir auch allen Grund, dankbar zu sein.» Sagt’s, und wendet sich wieder ihrem Tagwerk zu.

Dabei könnte sie nach 51 Jahren treuer Pflichterfüllung eigentlich etwas kürzertreten. Doch solange sie mag, ist es eine Ehre und Verpflichtung zugleich, persönlich für die Einhaltung des seinerzeit gemachten Gelübdes zu sorgen. Beruhigend sei aber, dass ihre Schwiegertochter Marianne bereits heute ab und zu einspringt. «So ist für mich sichergestellt, dass die Tradition weitergeführt wird.»

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