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Damals: Manhattan im Toggenburg

Aus vergangenen Zeiten – das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Ja, Fensterakrobat müsste man halt sein…

Ja, Fensterakrobat müsste man halt sein…

Bild: PD

Vor 100 Jahren

16. Juli: Starkenbach. Letzten Freitagabend ca. 8 Uhr kamen zwei Motorradfahrer von Alt St.Johann gegen die Burg gefahren. Aus nicht aufgeklärter Ursache fuhr der eine mit seinem Vehikel unterhalb des Steinbruches bei Starkenbach direkt gegen die wildschäumende Thur hinaus. Mit einem komplizierten Unterschenkelbruch blieb dieser in seiner bejammernswerten Lage, bis sein Kamerad, durch das lange Ausbleiben beunruhigt, ihn endlich fand und die nötigen Bergungs- und Hilfeleistungen beschaffen konnte.

16. Juli: Wasserfluh. Prof. Beckerelli, der bestbekannte und beliebte Zauberkünstler, gibt am nächsten Samstagabend und Sonntagnachmittag im Saale des «Ochsen» in Wasserfluh zwei seiner überall gerne gesehenen Zaubervorstellungen. Die vorzüglichen Leistungen Beckerellis sind allgemein bekannt genug, sodass wir keine Extra-Reklame für ihn machen müssen. Wer sich am Samstag oder Sonntag gut amüsieren will und der seine täglichen Sorgen und Grillen sich fortzaubern lassen will, gehe nach der Wasserfluh in den «Ochsen».

20. Juli: Bazenhaid. In Unterbazenhaid fuhr letzten Mittwoch nachts 11 Uhr ein Auto, von Wil kommend, an eine Mauer neben dem Strassengraben. Das Auto wurde schwer beschädigt. Die vier Passagiere wurden aus dem Auto geworfen und erlitten Verletzungen. Der Arzt musste zur Stelle gerufen werden, worauf die Verunglückten per Kutsche nach Wil, ihrem Wohnort, überführt wurden.

Vor 50 Jahren

16. Juli: Wattwil. Manhattan im Toggenburg. So könnte man fast meinen, wenn man die beiden Schwindelfesten wie hier mit ihrem Lift in freier Luft hängen sieht. Gestern wurden im Hochhaus 1 in der Grüenau auf diese Weise von oben bis unten die Fensterrahmen ausgebessert. Für solche, die es noch nicht wissen sollten: So lassen sich in Wolkenkratzern auch die Scheiben putzen. Dass es den beiden Arbeitern sichtlich Spass machte, verrieten sie übrigens mit ihrer Bemerkung: «Du, do chunnt scho wieder eine go fotografiere!» Offenbar sind sie ein beliebtes Objekt schnappschussdurstiger Knipser.

19. Juli: Nesslau/Krummenau. Zwischen Nesslau und Krummenau entsteht ein Strassentunnel. Kurz vor Nesslau haben die Vorarbeiten für den geplanten Autotunnel, der die enge Strasse im Kesseltobel sanieren soll, begonnen. Nach langwierigen Verhandlungen zwischen Bund und Kanton hat man sich darauf geeinigt, den Tunnel mit einer Fahrbahnbreite von 9 m, einem Gehweg von 1 m 75 und einem Bankett von 50 cm zu bauen. Die ganze Umfahrung des Kesseltobels wird 1128 m betragen, wovon auf den Tunnel allein 225 m entfallen. Die Oberbauleitung hat das kantonale Bauamt inne und die Bauzeit wird vom Bauunternehmer mit 2–3 Jahren angegeben.

Vor 20 Jahren

19. Juli: Toggenburg. Gleitschirmclub Toggenburg trug Klubmeisterschaft am Stockberg aus. Die auf den Samstag angesagte Klubmeisterschaft des Gleitschirmclubs Toggenburg musste wegen starken Westwinds um einen Tag verschoben werden. Am Sonntag wurden die Geduldigen mit beinahe Traumverhältnissen belohnt. Zwar wurde die Thermik um den Stockberg erst gegen den späteren Nachmittag so richtig gut, wer sich aber bis dahin gedulden konnte, staunte nicht schlecht über Steigwerte von mehr als sechs Metern pro Sekunde. Da sich der Südwestwind allerdings immer noch bemerkbar machte, war an eine Querung in Richtung Churfirsten nicht zu denken. Diejenigen, die es trotzdem versuchten, bezahlten das Abenteuer mit einem Fussmarsch.

20. Juli: Hemberg. Damit es beim «Güllen» nicht stinkt. Bei besten Witterungsverhältnissen fand die durch den Maschinenring Toggenburg organisierte Vorführung der Schleppschlauchverteiler auf dem Hemberg statt. Rund 300 interessierte Landwirte wollten sich das nicht entgehen lassen. Einen solchen Publikumsaufmarsch hat man in der Region noch nicht so oft gesehen. In unregelmässigen Abständen will man Interessierten Neuheiten präsentieren oder Angebote vorstellen. Vor wenigen Monaten hat man so etwa eine Holzschälmaschine gezeigt oder eine Kompostieranlage erklärt. Ein immer wieder aktuelles Thema für Landwirte und Dorfbewohner ist das Jaucheausbringen. Wo Hofdünger anfallen, gelagert und ausgebracht werden, entsteht stets flüchtiges Ammoniak. Für den Landwirt bedeutet dies in erster Linie einen Verlust an wertvollem Stickstoff für die Düngung. Die Dorfbewohner beklagen sich, dass es stinkt. Mehr als die Hälfte des Verlustes entsteht bei der Ausbringung der Jauche. Ziel ist die verlustarme Gülleausbringung, indem die Kontaktfläche zwischen Gülle und Luft sowie die Verweilzeit der Gülle auf dem Boden reduziert wird. Mit der neuen Schleppschlauchverteiltechnik ist dies möglich.

Vor 10 Jahren

21. Juli: Unterwasser. Der Chäserrugg – Top of Toggenburg hat sein Wandergebiet mit neuen Sitzgelegenheiten ausgerüstet. 15 grosszügige Holzbänke laden einen geradezu ein, auf ihnen Platz zu nehmen und darauf zu verweilen. Neue Genussbänke auf dem Chäserrugg lassen die Zeit vergessen. Auf den Wunsch der Gäste des Chäserruggs hin, auf dem Rosenboden mehr Sitzgelegenheiten zu bieten, startete die Toggenburg Bergbahnen AG das Sitzbank-Projekt. Welche Art von Bänken ist jedoch besonders geeignet? Das finale Konzept ist durchdacht. Die neuen Holzbänke haben beispielsweise keine «klassische» Rückenlehne. So wird der Sitzende immer von der Sonne angelacht respektive kann sich entsprechend seinen Wünschen der Sonne oder der Aussicht entgegen richten. Massive, gekürzte Baumstämme, welche sich seitlich an den Sitzenden befinden, können kurzerhand zum Ess- und Abstelltisch umgenutzt werden. Oder sie dienen als Rückenlehnen, um das Liege-Erlebnis perfekt zu machen.

21. Juli: Mosnang. Zwei Linden und ein Lindenplatz. Ob von Bütschwil, von Libingen oder aus Richtung Hulftegg: Wer durch Mosnang fährt, überquert den Lindenplatz. Die Schönheit der beiden Bäume ist überwältigend. Vor der Kirche die junge aufstrebende Linde, Richtung Gemeindehaus der wuchtige Baum mit weit ausladenden Ästen: Kaum ein anderer Ort kann sich rühmen, gleich zwei Namensgeberinnen für einen Platz zu besitzen.