Damals
Da staunt nicht nur der Bauer

Aus vergangenen Zeiten – das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

Beat Lanzendorfer
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Glück im Stall: Stolz präsentiert die Familie Yvonne und Martin Hollenstein die Kuh Vögeli mit ihren fünf gesunden Kälbchen.

Glück im Stall: Stolz präsentiert die Familie Yvonne und Martin Hollenstein die Kuh Vögeli mit ihren fünf gesunden Kälbchen.

Bild: PD

Vor 100 Jahren

6. April: Wattwil. Im Schaufenster von Frl. Forrer z. «Toggenburg» ist gegenwärtig ein höchst eigenartiges, aus zerschnittenen Briefmarken zusammengesetztes Bild zu sehen. Dasselbe stammt von Herrn P. Huber. Als leidenschaftlicher Briefmarkensammler kam er anlässlich einer langwierigen Krankheit auf die Idee, derartige Bilder herzustellen. Er begann mit einfachen Darstellungen, die mit der Zeit immer vielseitiger wurden. So entstanden z.B. ganze Landschaften, Blumenarrangements, Fantasiestücke, Gemäldenachbildungen u.f.w. Das heute ausgestellte Kunststück ist eine Nachbildung des Wandgemäldes von Kunstmaler Tilke. Originell ist dabei, dass der Marronibrater und sein Wagen ausschliesslich aus italienischen Marken zusammengesetzt sind. Die Mosaikarbeit, wie sie Herr Huber meisterhaft versteht, erfordert Talent im Zeichnen, grosse Geduld, Markenkenntnis und genaueste Arbeit, sodass keine Lücken entstehen.

6. April: Oberhelfenschwil. Anlässlich der Primizfeier vom letzten Donnerstag dahier wurde während des Vormittagsgottesdienstes in die Wohnung von Herrn Lehrer Bühler eingebrochen. Der Dieb liess einen Posten Wäsche mitlaufen, dagegen blieben 400 Franken in bar unbemerkt.

6. April: Nassen. In Nassen zeigt sich eine Rarität in der Vogelwelt. Inmitten der schwarzen Starenscharen zieht auch ein weisser Angehöriger mit und erweckt allgemeines Interesse.

Vor 50 Jahren

2. April: Wattwil. Ab sofort wird es der Feuerwehr Wattwil möglich sein, innert weniger Sekunden nach Eintreffen am Brandort das Feuer wirksam zu bekämpfen. Gestern Abend wurde nämlich beim Mehrzweckgebäude Grüenau das neue Tanklöschfahrzeug der Gemeinde offiziell durch die Vertreter der Behörden, der Feuerwehrkommission und des Zivilschutzes übernommen. Der mit jeder Schikane ausgerüstete Wagen führt alles mit sich, was für den ersten Einsatz nötig ist: einen vollen Tank mit 2400 Liter Wasser, Hochdruckspritzwerk, 320 m Schlauch, Leitern, Sprungtuch, Rettungsschlitten, Sanitätsmaterial, Elektromaterial, 160 Liter Schaumextrakt für Schaumbekämpfung, Handlöschgeräte und natürlich eine Zugleitung. Sobald diese mit einem Hydranten oder mit einer andern Wasserquelle verbunden ist, wird der während der ersten Augenblicke benützte Vorrat des Reservetanks nachgefüllt. So wird eine zeitlich optimale Einsatzleistung erreicht. Auf dem elf Tonnen schweren Vehikel, das von einem 156-PS-Motor betrieben wird, kann eine Pikettgruppe von sieben Mann mitfahren.

2. April: Libingen. Wieder Glockenspiel. Im verträumten Toggenburgerdorf Libingen läuten ab April wieder die 60 Glocken des grössten Carillons Europas, das 1965 zu Ehren Albert Schweitzers errichtet wurde. Das automatische Spiel erklingt täglich. An Wochenenden und bei besonderen Gelegenheiten ist der Glockenspieler Walter Meierhans persönlich zu hören. Neben dem Glockenturm entstand in einer 200-jährigen «Zehntenscheune» ein Kino, in welchem den Besuchern Tonfilme über Albert Schweitzer und sein Urwaldspital in Lambarene gezeigt werden.

Vor 20 Jahren

2. April: Alt St.Johann. In Alt St.Johann besteht seit einigen Monaten ein Club für Höhlenforschung – erste GV fand statt. Das Gebiet der Churfirsten wird schon seit mehr als 50 Jahren erforscht und eine ganze Anzahl Höhlen wurde bereits vermessen. Im vergangenen Dezember hat sich nun eine Gruppe zur Toggenburger Gesellschaft für Höhlenforschung (TGH) zusammengefunden.

5. April: Wildhaus. Die Hotelszene im Obertoggenburg ist in Bewegung. Vorgestern wurde bekannt, dass das Hotel Acker in Wildhaus versteigert werden soll. Weitere Hotels stehen ebenfalls vor einer Veränderung. Das traditionelle Hotel Acker soll im Mai versteigert werden. Im kantonalen Amtsblatt war nachzulesen, dass die Bank die Verwertung fordere und Ende Mai eine Gant stattfinde, wenn es dem Hotelier nicht gelinge, vorher seine Schulden zu begleichen. Das Hotel Acker wurde in den Siebzigern ausgebaut und bietet 100 Zimmer mit 150 Betten. Dominik Hasler, der Leiter von «Tourist-Info» Wildhaus, bedauert die Versteigerung des Hotels Acker sehr. Mit dem Hotel Acker stehe innerhalb weniger Jahre der dritte traditionelle Hotelbetrieb im Obertoggenburg zum Verkauf, erklärte er gegenüber dem «Toggenburger».

Vor 10 Jahren

2. April: Dicken. Da staunt nicht nur der Bauer. Zwillingsgeburten beim Rindvieh gibt es öfters. Geburten mit drei, vier oder noch mehr Kälbern sind selten. Darum ist die Fünflingsgeburt der Kuh Vögeli auf dem Betrieb der Familie Hollenstein in Dicken eine kleine Sensation. Für Martin Hollenstein war es von vorneherein klar: Aufgrund des Körperumfangs würde Kuh Vögeli wohl Zwillinge gebären. Die Geburt am 21. März verlief vorerst nach Plan. Die erwarteten Zwillinge wurden geboren und zur grossen Überraschung kam unmittelbar danach ein drittes Kalb dazu. Kuh Vögeli gönnte sich dann eine Stunde Pause und dann kam Martin Hollenstein nicht mehr aus dem Staunen heraus, die Vorderfüsse eines weiteren Kalbes kamen zum Vorschein. Das vierte Kalb erblickte das Licht der Welt und nicht viel später lag auch noch ein fünftes Kalb im Stroh. Die fünf gesunden Kälber – vier weibliche und ein männliches – wogen bei der Geburt zwischen 19 und 24 Kilogramm. Auch Kuh Vögeli ist wieder recht munter.

7. April: Wattwil. ETH-Chemie-Zirkus an der Kanti. Mit einer fulminanten Experimentalvorlesung startete der Besuch der ETH Zürich an der Kanti Wattwil. Doktor Wolfram Uhlig und Bruno Rüttimann zeigten, wie viel Spass die Schule und speziell die Chemie machen kann. Es raucht, brodelt und lodert. Die Experimentalvorlesung «Chemie: Feuer, Farbe, Schall und Licht» der ETH Zürich zieht die Schülerinnen und Schüler in ihren Bann – und sie hält das Versprechen, das im Titel gegeben wird. Bestätigt wird die Vorstellung vieler Zuschauer: Chemie ist das, was knallt und stinkt. In der Eingangshalle der Kanti Wattwil stellten Studentinnen und Studenten in einer Wanderausstellung ihre Studiengänge an der ETH Zürich vor, zeigten Experimente zum Mitmachen und beantworteten Fragen.