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Damals: Da fährt kein Bagger hin

Aus vergangenen Zeiten – das «Toggenburger Tagblatt» veröffentlicht jede Woche Begebenheiten aus vergangenen Zeiten. Was ist vor 100, 50, 20 oder 10 Jahren im Toggenburg passiert?

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Beim Kleinkraftwerk Soor in Bütschwil wurde mit einem 50-Tonnen-Kran ein Bagger in die Schlucht abgeseilt.

Beim Kleinkraftwerk Soor in Bütschwil wurde mit einem 50-Tonnen-Kran ein Bagger in die Schlucht abgeseilt.

Bild: PD

Vor 100 Jahren

27. August: Alttoggenburg. Das Bezirksamt Neutoggenburg in Lichtensteig hat in seiner Eigenschaft als Feriengericht unlängst einen bekannten Dieb und Einbrecher für mehrfache im Bezirk Alttoggenburg und anderswo begangene Diebstähle zu einem Jahr Arbeitshaus verurteilt. Er hat bekanntlich im April vorigen Jahres in Albikon einen Diebstahl von namhaftem Betrage ausgeführt und sich dann unter falschem Namen längere Zeit in Schaffhausen aufgehalten.

Als ihn die Polizei erwischte, wusste er sich durch die Flucht der Strafe zu entziehen. Seither hat er im Thurgau und in Schaffhausen hinter Schloss und Riegel gesessen, zur Strafe für in diesem Kanton begangenen Schelmereien. Der 37jährige Taugenichts hat nicht weniger als 20 Vorstrafen erlitten und buchstäblich die schönste Zeit seines Lebens in den Gefängnissen zugebracht.

31. August: Wattwil. Ende letzter Woche ist das von bekannter Seite unserm Krankenhaus geschenkte Krankentransport-Automobil eingetroffen. Es präsentiert sich als ein mit allen modernen Anforderungen ausgestattetes Objekt und findet bei Laien und Fachleuten ungeteilte Anerkennung. Nachdem es gestern vom kantonalen Automobilinspektorat geprüft worden ist, kann es seinen Dienst am 1. September aufnehmen.

Mit Rücksicht auf die hohen Kosten ist von der Anstellung eines eigenen Chauffeurs Umgang genommen worden. Die Führung des Wagens wurde nach vertraglicher Regelung Herrn Eugen Baumann, Autogarage in Wattwil übertragen.

Vor 50 Jahren

30. August: Lichtensteig. Tips für das Städtlifest. Das grosse Ereignis des Toggenburgs rückt näher! Die Vorbereitungen sind in vollem Gange. Zahllose Helfer, man darf wohl sagen, das ganze Städtli arbeitet mit! In einigen Tagen werden 50'000 Haushaltungen von Wildhaus bis Wil, von Gossau, Flawil bis nach Rapperswil, Jona und dem Zürcher Oberland die Städtlifest-Zeitung erhalten. Die Zeitung ist grafisch sehr wirksam gestaltet und enthält zahllose nützliche Hinweise nebst dem sehr anspruchsvollen Festprogramm. In der Festzeitung finden Sie auch 10 weisse und gelbe Gratislose. Auf diesen Festführer werden Sie sich ganz verlassen können.

Wie vor 6 Jahren werden Sie entzückt sein und aus dem Staunen nicht mehr herauskommen. Zum erstenmal wird am Städtlifest ein ganz neuartiges Lotteriesystem angewendet. Durch zielbewusstes Sammeln der verschiedenen farbigen «heissen» Lose konzentrieren sich Ihre Chancen auf die grossen Preise. Eine Handvoll Anwärter werden am Schlusse noch unter sich den Haupttreffer ausmachen.

Sie sind plötzlich potentieller Besitzer eines heiss erwünschten Autos, oder der Polstergruppe oder des Tonbandgerätes oder wie die vielen grossen Preise heissen mögen. Warum tauschen Sie nicht mit Ihrem Nachbar die noch fehlenden «heissen» Lose? Warum suchen Sie nicht auf dem Inseratenweg die Tauschpartner?

Ihre Chancen vervielfachen sich schlagartig! Sicher ist anzunehmen, dass während des Städtlifests Tauschbörsen für die «heissen» Lose entstehen. Aber die Vorsichtigen komplettieren ihre Losserien schon vorher. Sie hören bald noch mehr… bis dahin, lieber Festfreund!

Vor 20 Jahren

30. August: Bütschwil. Da fährt kein Bagger hin. Beim Kleinkraftwerk Soor in Bütschwil wird mit Volldampf gearbeitet. Der niedere Wasserstand lässt die Arbeiten im Wasser zügig voranschreiten. Gestern wurde mit einem 50-Tonnen-Kran ein Bagger in die Schlucht abgeseilt, damit die Kompressorarbeiten für die Abschalung des Unterwasserkanals vor dem nächsten Regen effizient ausgeführt werden können.

Der Autokran muss innerhalb einer Stunde vor Ort stehen, damit der Bagger sofort wieder herausgeholt werden kann, falls ein Gewitter aufzieht. Wegen der anhaltend guten Witterung kann auf den Einsatz von Tauchern verzichtet werden.

Vor 10 Jahren

31. August: Wattwil. Seit 29 Jahren ist Hans Bachmann am Spital Wattwil, als Oberarzt und Leitender Arzt. Morgen Mittwoch geht er in Pension. Sein Abschiedsfest fand schon am Montag statt – mit vielen Umarmungen und einer grossen Mitarbeiter-Show. Es war ein Abend der Umarmungen und der pointierten Anekdoten.

Hans Bachmann liebt Schöggeli und verschenkt solche bei jeder Gelegenheit, er sammelt leidenschaftlich Cumulus-Punkte und Rentier-Geweihe, die er von seinen häufigen Reisen nach Norwegen mitbringt. Solches bekamen die rund 150 Gäste beim Abschiedsfest im Zelt neben dem Spital von Hans Bachmanns Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern zu hören.

Sie kennen ihn und mögen ihn sehr gut und erlaubten sich, ihn zum Vergnügen aller mit Schalk zu verabschieden. Dass Hans Bachmann ein sehr beliebter Spitalarzt ist, sei auch bis nach St.Gallen bekannt geworden, sagte Roman Wüst, Generalsekretär des Gesundheitsdepartements, in seiner Abschiedsrede: «Heute verabschieden wir ein Prachtsexemplar, das alle Kriterien unserer Gesundheitsversorgung erfüllt. Sein Einsatz und seine Fachkompetenz sind vorbildlich. Gerade in seiner menschlichen Art hat er Massstäbe gesetzt.»

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