Markus Ritter fordert in Lichtensteig die rote Karte für den Bundesrat

Die CVP lud zur Information über die Zukunft der Landwirtschaft. Die Kalberhalle in Lichtensteig war gut besetzt. Bauernverbandspräsident Markus Ritter (Altstätten) kritisierte die Pestizid- und die Trinkwasserinitiave. Auch der Vorschlag des Bundesrat zur Neuregelung beim Bauen ausserhalb von Bauzonen stiess auf Ablehnung.

Martin Knoepfel
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Hansruedi Thoma, Markus Ritter, Mathias Müller und Andreas Widmer (von links) diskutierten über die Schweizer Landwirtschaft. (Bild: Martin Knoepfel)

Hansruedi Thoma, Markus Ritter, Mathias Müller und Andreas Widmer (von links) diskutierten über die Schweizer Landwirtschaft. (Bild: Martin Knoepfel)

Die Organisatoren mussten in aller Eile mehr Stühle in die Kalberhalle tragen. Über 50 Besucher – nicht nur aus dem Toggenburg – kamen am Montagabend zur Veranstaltung der CVP mit Nationalrat Markus Ritter (CVP/SG), Kantonsrat Andreas Widmer (CVP, Mühlrüti) und Hansruedi Thoma (Müselbach).

Das Thema war die Zukunft der Landwirtschaft. Moderator des Abends war Kantonsrat Mathias Müller (CVP, Lichtensteig).

«Wenn Freihandelsabkommen scheitern, ist das nicht so schlimm»

Markus Ritter sprach über die Agrarpolitik auf Bundesebene. Bei sensiblen Produkten lehnt er Zugeständnisse der Schweiz in einem Freihandelsabkommen (FHA) mit den USA ab. Bei FHA müsse die Landwirtschaft früh sagen, unter welchen Bedingungen sie Ja sage.

Wenn FHA scheiterten, sei das nicht so schlimm, findet er. Die Welthandelsorganisation (WTO) sei gefährlicher, da man bei der WTO bei einem Nein alle Verträge verliere. «Zum Glück läuft nichts in der WTO».

«Er hört besser zu als sein Vorgänger»

Die Volksinitiativen zum Schutz des Trinkwassers und für ein Verbot synthetischer Pestizide sollen laut Markus Ritter am gleichen Tag vors Volk kommen, damit sich die Nein-Stimmen addieren. Für die Gegner sei es ein Vorteil, dass beide Initiativen extrem seien. Die Pestizid-Initiative beeinträchtige die Lebensmittelindustrie und den -handel, da die Schweiz nur noch Bioprodukte einführen dürfte, sagte Markus Ritter.

Misslungen nannte er den Vorschlag zur neuesten Revision des Raumplanungsgesetzes. Man müsse dem Bundesrat die rote Karte zeigen. Beim Thema Agrarpolitik 2020 ist Markus Ritter sicher, dass der Bundesrat grosse Teile des Entwurfes wegen der Kritik in der Vernehmlassung fallengelassen wird.

Lob gab es für Bundesrat Guy Parmelin (SVP), den Chef des Departements für Wirtschaft, Bildung und Forschung (WBF, früher EVD). «Er hört besser zu als sein Vorgänger.» Gemeint ist Johann Schneider-Ammann (FDP).

Kritik an tiefen Preisen für Milch, die zu Pulver verarbeitet wird

Andreas Widmer wies darauf hin, dass sich die Zahl der Betriebe mit Milchproduktion im Kanton in einem Vierteljahrhundert auf 2100 halbierte. In den nächsten Wochen gäben Kühe auf Toggenburger Alpen viel Milch, doch der Grossteil der Milch werde für 45 bis 50 Rappen pro Liter verkauft, zu Milchpulver verarbeitet und ohne Herkunftsnachweis exportiert.

Andreas Widmer versteht es, wenn Bauern mit Melken aufhören. Chancen sieht er bei Rindfleisch, in der Diversifikation in neue Produkte und in der Energieproduktion. Viele Bauern würden unternehmerisch denken, aber auf Hindernisse stossen, kritisierte er.

«Ein Drittel der St. Galler Bauern im Toggenburg»

Auswärts zu arbeiten, sei leichter, wenn man keine Milchwirtschaft betreibe, sagte Hansruedi Thoma. Er betonte, dass Familienbetriebe eine Zukunft hätten. Zugleich wies er darauf hin, dass ein Drittel der St. Galler Bauern im Toggenburg leben.

Bauern brauchten heute fachliches Wissen und Geschäftssinn, sagte er. Ob dieser vorhanden sei, zeige sich in der Buchhaltung.

«Einmal zu wenig Nein gesagt»

Der Altstätter Biobauer Markus Ritter ist Präsident des Schweizer Bauernverbandes. Andreas Widmer ist Geschäftsführer des St. Galler Bauernverbandes. Zudem ist er seit 19 Jahren Kantonsrat und, allerdings nicht seit Anbeginn, Präsident der CVP/GLP-Fraktion im Parlament.

Hansruedi Thoma ist seit Februar Präsident des Bauernvereins Toggenburg. Er arbeitet als Treuhänder und bewirtschaftet einen Nebenerwerbsbetrieb. Präsident des Bauernvereins Toggenburg werde man nicht, weil man gut reden könne. Vielmehr habe er einmal zu wenig Nein gesagt, verriet Hansruedi Thoma.

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