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Interview

Roland Kressibuchers Clown-Kurse: «Clown wird man nicht, man ist es»

Roland Kressibuchers Clown-Kurse machen Spass. Das Clown-Sein bedeutet aber auch viel Training und Arbeit.
Urs M. Hemm
Roland Kressibucher ist gespannt darauf, was sich aus seinem Clown-Kurs entwickelt. (Bild: Urs M. Hemm)

Roland Kressibucher ist gespannt darauf, was sich aus seinem Clown-Kurs entwickelt. (Bild: Urs M. Hemm)

Bereits seit Jahren begeistert er als Clown Schwuppdibupp Gross und Klein und bietet jeweils während der Ferien Zirkus-Wochen und Jonglierkurse an. In diesem Herbst bietet Roland Kressibucher in seinem Übungsraum in der Mehrzweckanlage Dicken auch einen Clown-Kurs an, an dessen Ende der erste grosse Auftritt vor Publikum auf dem Programm steht. Roland Kressibucher begleitet die Teilnehmenden bei der Wahl des Clown-Typs und motiviert, wenn lustig sein auch einmal viel Arbeit bedeutet.

Was muss ein Mensch mitbringen, damit er ein guter Clown wird? Welche Eigenschaften braucht jemand?

Roland Kressibucher: Clown wird man nicht – man ist es, man braucht sich nur zu getrauen. Dazu braucht es Neugierde, Offenheit, die Bereitschaft, Neues auszuprobieren und aus sich herauszukommen, in eine andere Welt einzutauchen. Erlernen kann man das nicht. Ich kann aber dabei helfen, diese Dinge in sich zu entdecken. Daher sind meine Kurse auch nicht auf eine gewisse Menschengruppe beschränkt. Alle können kommen, ganz egal ob Kinder, Erwachsene oder Grosseltern.

Zu Beginn Ihres Kurses geht es um die Verwandlung zum Clown. Was entscheidet darüber, welchen Clown jemand spielt? Es gibt viele verschiedene Arten von Clowns.

Es gibt die Klassiker wie den dummen August und den weissen Clown, der der Schlaumeier ist. Dann gibt es verschiedene Spielarten mit klein und gross, dick und dünn. Es gibt auch den scheuen Clown oder den Angeber.

«Welchen Clown schliesslich jeder selber in sich findet, ist den Teilnehmenden überlassen. Sie müssen spüren, welche Seite sie von sich zeigen wollen.»

Mit dem Entscheid für einen Clown-Typen geht es dann auch um die Wahl des Kostüms und der Sprache. Das heisst, spreche ich verständliche Worte oder irgendein Kauderwelsch.

Geben Sie während dieser Phase auch Tipps, welche Clownart zu einer bestimmten Person am besten passen würde?

Nein, das mache ich nicht. Ich stelle ihnen ein gewisses Spektrum vor und lade sie ein, beispielsweise in das Wesen des scheuen Clowns einzutauchen. Die Teilnehmer müssen dann entscheiden, ob sie diesen Aspekt ihres Wesens dem Publikum zeigen wollen. In der Regel merken die Teilnehmer schnell, ob ihnen eine Figur entspricht und ob sie ihnen genügend gibt, um damit zu spielen.

Hat man als Clown wirklich die sprichwörtliche Narrenfreiheit?

Ja und nein. Man kann sicherlich seinen Emotionen freien Lauf lassen. Man darf wütend sein und schlechte Laune haben. Man darf aber auch verliebt sein und überschwänglich vor Freude den Dingen oder anderen Menschen begegnen.

«Man darf richtig hemmungslos sein, ohne jedoch – und das scheint mir sehr wichtig – andere dabei zu verletzen.»

Ist die übertriebene Darstellung von Gefühlen ein grundlegender Wesenszug des Clowns?

Es ist ein Ziel des Kurses, Gefühle so auf der Bühne zu zeigen. Die Übertreibung ist ein wichtiges Instrument eines Clowns. Denn es sind grundmenschliche Emotionen, die ein Clown zeigt. Und das ist es dann auch, was das Publikum anspricht: Verzweiflung, scheitern, es dennoch immer wieder von neuem versuchen, um vielleicht am Ende sogar erfolgreich zu sein. Das sind alles bekannte Gefühle, mit denen sich die Menschen im Publikum identifizieren können.

Ein weiterer Teil Ihres Kurses handelt von Requisiten. Sollen diese nach ihrem Verständnis demnach möglichst einfach sein?

Ich bin Befürworter von Alltagsgegenständen.

«Ich mag weder die überlangen Schuhe noch die riesigen Krawatten noch Blumen, die Wasser spritzen.»

Ich mag normale Gegenstände wie einen Mixer, einen Schirm, eine Zahnbürste, die eigenen Schuhe oder eine Jacke. Wie schlüpfe ich in eine Jacke? Muss ich zuerst den Reissverschluss öffnen? Was ist vorne, was hinten? Kommen die Ärmel zuerst? Alleine mit einer Jacke lässt sich schon sehr viel anfangen, wenn man erst einmal einfach ausprobiert und damit spielt. Solche Alltagsgegenstände können auch ein Eigenleben entwickeln.

Wie der Klappliegestuhl?

Genau. Aber hinter der Manipulation solcher Gegenstände steckt sehr viel Spiel und Experimentierlust, Training und Arbeit, damit der Liegestuhl genau dann das macht, was und wann ich will. Hier sind wir dann schon im Bereich der Artistik. Damit diese Choreografie wie zufällig beim Publikum ankommt, braucht es Fingerspitzengefühl und sehr viel Übung.

Der Kurs ist also nicht nur Spass?

Nein, die Teilnehmer sind auch gefordert. Das richtige Timing ist bei jeder Clown-Nummer ein wichtiger Aspekt. Dazu braucht es Übung, was nicht immer zum Lachen ist, da steckt viel Arbeit dahinter. Zuerst muss man seine Geschichte gut kennen, um über das Grundtempo entscheiden zu können. Dann kann an der Dynamik gearbeitet werden, also wann werde ich schneller, wann spiele ich vielleicht gar nur noch im Zeitlupentempo. Auch eine Zeitlupe kann eine extreme Spannung aufbauen.

Ein Kursteil widmet sich ausschliesslich den Gesten. Kommt diesen gerade in Zeitlupe eine besondere Bedeutung zu?

Sicherlich schauen die Leute dann noch genauer auf die Gestik und auf deren Bedeutung. Doch Gesten bewirken im Allgemeinen sehr viel. Ein bezauberndes Lächeln oder ein Zwinkern kann sehr viel aussagen und muss gekonnt, also auch hier wieder, genau getimt, eingesetzt werden.

Was erwarten oder erhoffen Sie sich für die Show am Ende des Kurses?

Was in diesem Kurs passiert und was am Ende auf der Bühne gezeigt wird, entscheiden die Teilnehmenden selber. Ich biete ihnen nur das Rüstzeug, die Plattform und eine einfühlsame und kreative Begleitung. Was sie daraus machen, wie sie das Gesehene und Gehörte anwenden und in ihren Auftritt einfliessen lassen bleibt ihnen überlassen.

«Entscheidend für mich ist, dass wir lachende Menschen im Publikum haben, egal, ob die Vorstellung 15 oder 45 Minuten lange dauert.»

Es gibt verschiedene Angebote, um Clown zu werden. Gibt es bei Ihnen am Ende des Kurses auch ein Zertifikat?

Nein, ich verteile weder Zertifikate noch Diplome. Ich bin keine Schule wie die Accademia Teatro Dimitri, die einen staatlich anerkannten Abschluss bietet. Das ist eine ganz andere Liga. Ansonsten kenne ich keinen Clown, der wegen seines Zertifikats engagiert oder eben nicht engagiert wurde, sondern weil er lustig ist und den Menschen gefallen hat.

«Nicht die Leistung, das Erlebte zählt»

Roland Kressibucher ist seit 2006 als selbstständiger Zirkus- und Theaterpädagoge und Clown tätig. Nach seiner Grundausbildung besuchte der heute 43-Jährige während vier Jahren berufsbegleitend das Jojo-Zentrum für Artistik und Theater in Freiburg (D). In Dicken bei Degersheim, aber auch an Schulen direkt, bietet er unter anderem Zirkuswochen an, in welchen den Fähigkeiten der einzelnen Kinder entsprechende Nummern einstudiert werden. Die Leistung ist dabei für ihn nebensächlich. Wichtig sei das gemeinsame Erlebnis. (uh)

Hinweis

Clown-Kurs, ab 23. Oktober bis 27. November, jeweils mittwochs, von 18 bis 19.30 Uhr. Das ganze Programm und Kursangebot unter www.schwuppdibupp.ch.

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