«Rössli» Krinau: Die Suche nach Wirten beginnt von Neuem

Die Wirte des «Rössli» hören Ende Februar auf. Das teilt die Genossenschaft mit, die das traditionsreiche Haus besitzt. Das «Rössli» hat seit 2016 unruhige Zeiten erlebt.

Martin Knoepfel
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Das «Rössli» ist ein Treffpunkt für die Krinauer Bevölkerung. (Bild: Martin Knoepfel)

Das «Rössli» ist ein Treffpunkt für die Krinauer Bevölkerung. (Bild: Martin Knoepfel)

Schlechte Neuigkeiten für die Bewohnerinnen und Bewohner des zu Wattwil gehörenden Dorfes Krinau enthält «Krinau aktuell», das erste Mitteilungsblatt des Vereins «Krinau aktiv» in diesem Jahr. Am letzten Donnerstag, 3. Januar, wurde es elektronisch versandt. Die Pächter des Restaurants Rössli, Carmen Müller und Berry de Regt, würden dieses Anfang März verlassen, heisst es da. Der Vorstand der Genossenschaft werde sich bemühen, neue Pächter oder andere Lösungen zu finden, heisst es weiter. Carmen Müller und Berry de Regt sind seit Anfang November 2017 in Krinau tätig. Sie spezialisierten sich auf Burger und Steaks.

Datum der Schliessung steht schon fest

«Wir hatten zwar gute Rezensionen, aber es kommen nicht genug Gäste nach Krinau», sagte Carmen Müller gegenüber dem «Toggenburger Tagblatt» auf die Frage, weshalb sie so rasch wieder weggehen. Krinau sei generell ein schwieriger Standort für ein Restaurant, nicht nur für ein Burger-Angebot.

Der Entscheid, im «Rössli» aufzuhören, sei schon im Oktober letzten Jahres gefallen, sagt Carlmen Müller.

«Im Sommer 2018 haben die Bräker-Aufführungen und die Ausstellung ‹Alles Fassade› geholfen, aber das war die Ausnahme. Dieses Jahr gibt es keine Bräker-Aufführungen. Ein Jahr machten wir null auf null. Wir haben alles versucht. Jetzt legen wir jeden Monat drauf. Das ist nicht mehr sinnvoll. Am 25. Februar ist Schluss.»

Der Blick auf Google und TripAdvisor zeigt, dass insgesamt zwei Dutzend Rezensionen für das Restaurant eingegangen sind. Die Mehrheit von ihnen ist in der Tat positiv oder sehr positiv. Auf Google erhält das «Rössli» viereinhalb Sterne. Das mögliche Maximum sind fünf.

Genossenschaft will Treffpunkt erhalten

Das Haus ist wahrscheinlich etwa mehr als 200 Jahre alt und gehört seit März 1980 einer Genossenschaft. Ihr Ziel ist es, das «Rössli» zu erhalten sowie den Betrieb eines Restaurant und des Saals weiterzuführen. Das «Rössli» ist das letzte Restaurant im Dorfkern von Krinau, das noch als Gasthaus genutzt wird. Es sei der Treffpunkt für die Krinauer, für Hochzeiten, Familienfeste und auch für Vereinsanlässe. Das sagte der damalige Präsident der Genossenschaft, Rolf Geiger, 2016 zum «Toggenburger Tagblatt».

Das «Rössli» hat in den letzten drei Jahren allerdings eine bewegte Zeit erlebt. Nach sieben Jahren in Krinau hörte der damalige Wirt im Juni 2016 auf. Er hatte das Lokal zusammen mit seiner Frau geführt.

Nach der Trennung der beiden musste er vermehrt auf angestelltes Personal zurückgreifen, um den Betrieb zu führen. Deshalb sei die Rechnung nicht mehr aufgegangen, sagte er vor seinem Weggang von Krinau.

Zwar gelang es der Genossenschaft, rasch Nachfolger zu finden. Es handelte sich um ein Wirtepaar, das in Lichtensteig zwei weitere Lokale führte. Die «Neuen» übernahmen am 1. August 2016 im «Rössli» und boten eine gutbürgerliche Küche an. Die Gesellschaft, die die beiden Restaurants in Lichtensteig betrieb, musste allerdings wenige Monate später die Bilanz deponieren. Das Konkursverfahren wurde im Februar 2017 mangels Aktiven eingestellt.

Vorstandsmitglieder sprangen ein als Wirte

Das «Rössli» war vom Bankrott zwar nicht betroffen, da die Wirtsleute das Haus als Privatpersonen gemietet hatten. Sie wohnten auch im «Rössli». Im gleichen Jahr verliessen die beiden Wirtsleute allerdings das Haus relativ überstürzt. Vorstandsmitglieder der Genossenschaft hielten in der Folge einen reduzierten Betrieb im Sommer und Frühherbst 2017 aufrecht. Carmen Müller aus Deutschland und der Niederländer Berry de Regt übernahmen Anfang November 2017. Sie werden im März ausziehen. Wohin, wissen sie laut Carmen Müller noch nicht.

Präsident der Genossenschaft für das «Rössli» ist Heiri Rhyner aus Krinau. Er bestätigte, dass das Lokal ausgeschrieben wurde, dass die Genossenschaft aber noch keine neuen Wirte gefunden habe. «Wir werden nicht überrannt», sagte er.

Noch offen ist laut Heiri Rhyner, ob wieder Vorstandsmitglieder der Genossenschaft vorübergehend einspringen, wenn es keine nahtlose Anschlusslösung gibt. Er sei schade, dass Carmen Müller und Berry de Regt das Haus verliessen, sagte er. Im Nachhinein betrachtet sei das Konzept mit Burgern vielleicht nicht genau das, was nach Krinau passe.

Kein Investitionsbedarf in der Küche

Der Vorstand der Genossenschaft sei offen für alles, werde aber die Konzepte der Bewerber genau anschauen. Der «Rössli»-Wirt in Krinau brauche Durchhaltewillen und genug finanzielle Substanz, um zwei oder drei Jahre davon zehren zu können, sagte Heiri Rhyner. Ideal wäre es, wenn zwei Personen im «Rössli» wirteten, von denen eine ausser Haus arbeitet, aber so flexibel ist, dass sie kurzfristig einspringen kann.

Nötig ist weiterhin ein Ersatz der Elektroheizung, welche hohe Stromkosten verursacht, bestätigte der Präsident der Genossenschaft. Mangels Geld wurde die Heizung noch nicht erneuert. Im Bereich der Küche oder der Kühleinrichtungen gibt es laut Heiri Rhyner hingegen keinen Investitionsbedarf, sodass ein neuer Wirt im «Rössli» ab März sofort loslegen könne.

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Martin Knoepfel

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